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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: Schauspielhaus

Schön, Thea­ter mal wie­der pas­siv zu erle­ben, ein­fach dasit­zen und genie­ßen. Das Schau­spiel­haus spielte Die Panne von Fried­rich Dürrenmatt.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Der Geschäfts­mann Alfred Traps hat eine Panne und stran­det in einem klei­nen Dorf. Da alle loka­len Gast­häu­ser durch ein Tref­fen des Kleintierzüchter-​​Vereins besetzt sind, emp­fiehlt man ihm das Haus eines pen­sio­nier­ten Rich­ters. Dort wird er herz­lich emp­fan­gen, der Haus­herr hat zudem noch ein paar eben­falls pen­sio­nierte Kol­le­gen zu Besuch. Der Gast soll an einem Spiel teil­neh­men, die alten Her­ren insze­nie­ren eine Gerichts­ver­hand­lung in ihren alten Rol­len. Traps steht als Ange­klag­ter im Mit­tel­punkt der Ver­hand­lung. Das Ver­bre­chen ist eben­falls rasch gefun­den, sein ehe­ma­li­ger Chef starb an einem Herz­in­farkt, woran Traps durch eine Affäre mit der Frau des Chefs einen gewis­sen Anteil hatte. Am Anfang noch von sei­ner Unschuld über­zeugt, hält sich Traps nach dem Ver­hör des gewief­ten Staats­an­walts schließ­lich für schul­dig und erhängt sich nachts in sei­nem Zimmer.

Der Regis­seur setzte zur Umset­zung die­ses hand­lungs­ar­men Stü­ckes auf Rituale und Wie­der­ho­lun­gen, musi­ka­li­sche Ein­la­gen und ein bom­bas­ti­sches Büh­nen­bild mit ver­tä­fel­ten Wän­den, Par­kett­bo­den und sich absen­ken­den Lam­pen. Es war schön zu sehen, wie wenig es manch­mal braucht. Die Panne stellte der Dar­stel­ler des Geschäfts­man­nes vor schwar­zem Vor­hang durch Mund­ge­räu­sche dar. Dafür war das Ansto­ßen bei den gefühl­ten zwan­zig Gän­gen durch ein ein­ge­spiel­tes Geräusch rea­li­siert, wohl aus Zeit– und Klang­grün­den. Es zog sich schon etwas, die Stühle um mich knarr­ten immer mehr. Den­noch, eine gelun­gene Insze­nie­rung des Klas­si­kers, wel­che die The­men Schuld und Sühne in den Mit­tel­punkt stellte.

So muss Thea­ter sein — unter­halt­sam, mit Tief­gang, aktu­el­len Anspie­lun­gen und wun­der­bar aus­ge­ar­bei­te­ten Rol­len. Das gro­teske Stück von Gogol zeigt eine kor­rupte Klein­stadt, die jäh durch die Ankunft eines ver­meint­li­chen Revi­sors auf­ge­scheucht wird. Aus Angst vor der Auf­de­ckung der offen­sicht­li­chen Miss­stände hofiert man den Ankömm­ling, dem seine Rolle als wich­ti­ger Besu­cher schon bald zu Kopf steigt. Am Ende stellt sich her­aus, dass er gar nicht der gefürch­tete hohe Beamte war, das Spiel beginnt von Neuem.

Was mit als Nicht-​​Muttersprachler etwas schwer fiel, war das Ver­ste­hen des groß­zü­gig ein­ge­setz­ten Dia­lekts. Es war pas­send, holte es das Stück doch so aus dem fer­nen Russ­land direkt nach Zürich. Und dem fer­nen Gast gegen­über sprach man natür­lich Schriftdeutsch.

Eine gelun­gene Insze­nie­rung am Pfauen.

Aber der beson­dere Reiz des Stü­ckes lag an den mar­kant gestal­te­ten Rol­len. Eine Rolle war von zwei iden­tisch geklei­de­ten „Zwil­lin­gen” gran­dios umge­setzt, sie unter­bra­chen sich, rede­ten wei­ter, füll­ten Gedächt­nis­lü­cken des ande­ren — wie zwei Köpfe auf dem­sel­ben Kör­per. Aber im Grunde konnte man bei allen Rol­len gut zuschauen. Ein­fach eine tolle Inszenierung.