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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: Schnee

Eine wei­tere Hoch­tour liegt hin­ter mir, ich erklomm den Glar­ner Gip­fel Vren­e­lis­gärtli. Es ist eine leichte Hoch­tour mit einer aus­ge­dehn­ten Glet­scher­pas­sage, einer stei­len, fast senk­rech­ten Wand und einem schnee­be­deck­ten Grat. Und man darf natür­lich den einen oder ande­ren Höhen­me­ter überwinden.

  • Klön­tal, Platz (853 m)
  • Chä­se­ren (1385 m)
  • Über­nach­tung in der Glär­nisch­hütte SAC (1990 m)
  • Glär­nisch­firn
  • Vren­e­lis­gärtli (2904 m)

Auf dem Weg zur Hütte

Glet­scher im Morgengrauen

Magi­scher Moment auf dem Gipfel

Schwan­de­ner Grat, unten sieht man eine Gruppe von Alpinisten

Steig­ei­sen gehö­ren zur Grund­aus­rüs­tung des Tourengängers

Ein kur­zer Urlaub in Öster­reich hatte vor allem ein Ziel – die Berge. An zwei Tagen bewäl­tig­ten wir zwei vom Cha­rak­ter sehr unter­schied­li­che Touren.

Sonnige Berglandschaft

Hin­ter dem Schnee­feld war­tete ein spek­ta­ku­lä­rer Klet­ter­steig auf uns.

1. Arl­ber­ger Klet­ter­steig: Berg­sta­tion Val­luga (2645 m) – Ein­stieg Val­fa­gehr­joch (2543 m) – Weiß­schro­fen­spitze (2752 m) – Kapall (2323 m) – St. Anton (1304 m)

Am schneebedeckten Hang

Um zum Ein­stieg des Klet­ter­stei­ges zu kom­men, muss­ten wir Schnee­fel­der überqueren.

Ein extrem lan­ger Klet­ter­steig, der mit sechs Stun­den ange­ge­ben ist. Und die haben wir auch gebraucht, obwohl wir uns in der zwei­ten Hälfte extrem beeilt haben. Es gibt senk­rechte Wände, aus­ge­setzte Gratspa­zier­gänge, Que­run­gen – alles, was das Klet­ter­herz begehrt. Ganz ohne Stahl­seil geht es nicht, an eini­gen Stel­len gibt es ein­fach keine Tritte und Griffe, da muss man sich am Seil die Wand hoch– oder runterhangeln.

Am Klettersteig

Klettersteig-​​Set im Einsatz

2. Durch­hol­zen (691 m) – Pyra­mi­den­spitze (1997 m) – Durchholzen

Diese zweite Tour war tech­nisch wesent­lich ein­fa­cher. Am Mor­gen hatte es aber noch gereg­net, so dass wir von unse­rem ursprüng­li­chen Plan – einem recht anspruchs­vol­len Klet­ter­steig – abka­men. Im Prin­zip war es ein Wan­der­weg, der an eini­gen Stel­len mit Stahl­sei­len gesi­chert war. Und da wir die Klettersteig-​​Sets ein­mal dabei hat­ten, nutz­ten wir sie auch, bei glit­schi­gem Gestein kann man nie wis­sen. Die Tour haben wir dann rela­tiv flott run­ter­ge­ris­sen, auf dem Gip­fel erwar­tete uns auch kein tol­ler Aus­blick, son­dern ein win­di­ges Picknick.

Ein verregneter Morgen

Blick zurück ins Tal.

Alles hatte ich pro­biert: Snow­board, Abfahrt­ski, Schnee­schuh­lau­fen, Lang­lauf, mal mehr, öfter weni­ger erfolg­reich. Aber eine Win­ter­sport­art fehlte mir noch in mei­ner Erfah­rungs­samm­lung – Ski­tou­ren. In den Pro­spek­ten stel­len sich Ski­tou­ren immer als ein­same Auf­stiege und rasante Abfahr­ten durch unbe­rühr­ten Pul­ver­schnee dar, bei­des natür­lich unter strahlend-​​blauem Himmel.

Skitour
Im Gän­se­marsch zum Gip­fel.

In der brei­ten Palette der Win­ter­sport­ar­ten kann man Ski­tou­ren irgendwo zwi­schen Abfahrt und Schnee­schuh­lau­fen ein­ord­nen. Die ver­wen­de­ten Skier sehen unge­fähr so aus wie Abfahrs­skier, jedoch sind sie meist leich­ter. Die Bin­dun­gen erlau­ben die beid­sei­tige Fixie­rung des Ski­schuhs zur Abfahrt oder die ein­sei­tige Fixie­rung vorn zum Auf­stieg. Zusätz­lich klebt man beim Auf­stieg noch Steig­hil­fen (Felle) dran. Dafür gibt es an den Fel­len eine Leim­schicht und Ein­häng­bü­gel. Mit die­sen Vor­rich­tun­gen kann man pro­blem­los Hänge hoch­lau­fen, die Rutsch­fä­hig­keit hält sich aber stark in Grenzen.

Winterlandschaft
Blick zurück ins Safi­en­tal.

Am letz­ten Wochen­ende war ich zum ers­ten Mal auf einer Ski­tour dabei, orga­ni­siert von Höhen­fie­ber. Im Safi­en­tal waren wir unter­wegs, der Höhe­punkt war die Bezwin­gung des Strät­scher­horns (2575 m) am Sams­tag. Die Bedin­gun­gen waren alles andere als opti­mal. Die Lawi­nen­warn­stufe war erheb­lich, eine Woche zuvor waren sogar im glei­chen Tal zwei Tou­ren­gän­ger bei einem Lawi­nen­un­fall ums Leben gekom­men. Der Fön wehte sehr stark und es war an den Vor­ta­gen recht warm gewe­sen, wodurch sich an eini­gen Stel­len eine harte Schnee­schicht bil­dete. Dar­auf ließ sich schlecht abfah­ren, im Falle eines Fal­les sank man tief ein und musste sich müh­sam befreien. Mir ging das recht häu­fig so, ich war auch eine Weile nicht mehr Abfahrts­ski gefah­ren. Manch­mal ver­schwand eine Ski­spitze auch unter der har­ten Harsch­schicht, dann musste ich den Ski mühe­voll hang­auf­wärts raus­zie­hen. Aber am Ende war es ein span­nen­des Erleb­nis und alle kamen heil unten an.

Morgenstimmung
Auf­bruch im Mor­gen­grauen vom Tur­ra­hus.

Einen Ver­lust musste ich jedoch ver­kraf­ten – meine heiß­ge­liebte Ther­mos­fla­sche blieb am Berg, bei der Abfahrt vom Strät­scher­horn und einem mei­ner zahl­rei­chen Stürze muss ich sie ver­lo­ren haben. Ich hätte sie nicht außen am Ruck­sack anbrin­gen sol­len. Jetzt liegt sie irgendwo unter einer dich­ten Schnee­de­cke, es müsste sich sogar noch der Auf­kle­ber mit „mathias” dar­auf befin­den, ihn hatte ich am Vor­tag ange­bracht, zur Unter­schei­dung von Dut­zen­den ande­ren Ther­mos­kan­nen im bis auf den letz­ten Platz gefüll­ten Tur­ra­hus.

Der Win­ter hat auch seine schö­nen Sei­ten. Zuge­ge­ben, die Berge sind nicht weit und ab einer gewis­sen Höhe kommt immer die Sonne zum Vor­schein. Aber hier ein paar Impres­sio­nen zur Auf­hei­te­rung der all­ge­mei­nen Winterdepression.


Früh übt sich…

Ein ande­rer Tag, wir woll­ten auf die Rigi. Die Web­cam ver­hieß nichts Gutes. Dicke Suppe am Gip­fel. Wir gin­gen doch, schnall­ten die Schnee­schuhe in Fruttli an und stie­gen auf zum Wandergipfel.


Die Rigi-​​Wanderung star­tete bei dich­tem Nebel.

Oben waren dann plötz­lich keine Wol­ken mehr, eine wun­der­bare Win­ter­berg­land­schaft tat sich auf.

Das Ende des Tages und das Ende der Welt.

Es war eine anspruchs­volle Wan­de­rung, die wir an die­sem son­ni­gen Sams­tag in Angriff nah­men. Der Anstieg zum Sän­tis von der Schwä­galp bedeu­tet immer­hin die Über­win­dung von 1200 Höhen­me­tern, das Rest­stück zur Eben­alp ist zwar ins­ge­samt fal­lend, aber doch von abwechs­lungs­rei­cher Weg­füh­rung, so dass man da auch noch auf einige Höhen­me­ter kommt. Aber so hatte diese Wan­de­rung alles, was man sich nur wün­schen kann: steile Anstiege, sich ewig erstre­ckende Schnee­fel­der in Gip­fel­nähe, in der Luft ste­hende Doh­len am Gip­fel, blauen Him­mel mit viel Son­nen­schein, ein­same Berg­wege, nette Wan­der­ge­fähr­ten und aus­rei­chend Snacks zwischendurch.

Lin­ker Fuss, rech­ter Fuss. Erlö­sung – ich streife den lin­ken Wan­der­schuh ab. Nach vie­len Stun­den und Tau­sen­den Schrit­ten waren wir wie ver­wach­sen, umso befremd­li­cher das Gefühl der Erleich­te­rung. Auch der zweite Akt eine Erlö­sung, rechts folgt links. Die Wan­der­so­cken dampfen.