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Tag: Schriftsteller

Ver­netzte intel­lek­tu­elle Welt, Zufälle trei­ben uns zu Inseln, wel­che unser Gedächt­nis nicht los­lässt, da es sich an die­sen Inseln ori­en­tie­ren kann und jubi­liert, wenn neue Zufälle einen ver­trau­ten Insel­um­riss her­vor­zau­bern. Wir waren schon ein­mal auf die­ser Insel, sind schon ein­mal auf die­sen höchs­ten Berg geklet­tert, von dem aus man die ande­ren Berge und viel­leicht sogar die ande­ren Inseln erah­nen kann.

Vor eini­ger Zeit im Lite­ra­turzir­kel bespra­chen wir F. Scott Fitz­ge­rald: The Great Gatsby, wobei ich eigent­lich gar nicht dabei war. Aber den­noch hatte ich das Buch gele­sen, war ein­ge­drun­gen in die­sen ein­ma­li­gen Stil Fitz­ge­ralds und hatte mich von ihm ver­zau­bern lassen.

Diese bekannte Insel sah ich nun Gestalt anneh­men in die­sem ZEIT-​​Artikel wird der Schrift­stel­ler in den Mit­tel­punkt gerückt. Und auch wenn ich die ande­ren Romane nie gele­sen habe, gibt es doch einige Zitate aus dem gro­ßen Gatsby, erklä­rende Zusam­men­hänge, Geschich­ten, Hin­ter­gründe, wun­der­bar ver­wo­ben in die­sem schö­nen Essay. Schon der Beginn ist ein Genuss:

Die­ser Mann hat die Göt­ter her­aus­ge­for­dert. Er hat mit ihnen gerun­gen, er hat mit ihnen getrun­ken, er hat sich vor ihnen in den Staub gewor­fen und vor ihnen aus­ge­spuckt. Er war kein muti­ger Mann, er war ver­lo­ren und ver­zwei­felt. Eine Weile gefiel das den Göt­tern, sie schau­ten ihm zu und waren mal amü­siert und mal ver­är­gert. Dann war­fen sie ihn fort, und er starb, jäm­mer­lich und allein, wie sein gro­ßer Held, jener Gatsby, der nachts immer über die Bucht starrte zu einem grü­nen Licht, das er nur sehn­suchts­voll aus der Ferne betrach­ten konnte, und als er sich ihm näherte, da zer­brach alles, nicht nur das Licht, son­dern auch das Leben.

Die aktu­elle Aus­stel­lung des Strau­hof Zürich befasst sich mit Ton­do­ku­men­ten von Dich­ter­stim­men. Da es das noch nicht so lange gibt (tech­nisch bedingt), war die zeit­li­che Dimen­sion schon mal auf die ver­gan­ge­nen reich­lich 100 Jahre beschränkt. Inhalt­lich wur­den deutsch­spra­chige Auto­ren genom­men, aus Deutsch­land, Öster­reich und natür­lich der Schweiz. Die Auf­tei­lung des Mate­ri­als auf Räume wurde nach dem Kon­text vor­ge­nom­men, so gab es Gesprä­che, Lesun­gen, Reden, Dar­stel­lun­gen (bis hin zum Poe­try Slam), Rundfunk/​TV und andere Kategorien.

Das Schöne für mich war, dass ich viele „Bekannte” wie­der­sah und neue Ver­bin­dun­gen her­stel­len konnte. Unver­gess­lich Paul Cel­ans Todes­fuge, vor­ge­tra­gen vom Autor selbst mit sehr star­ker Beto­nung, lei­der unüb­lich für Lesungen.

  • Ulrike Mein­hof las 1967 einen Arti­kel zu den Stu­den­ten­un­ru­hen, journalistisch-​​literarisch,
  • Hein­rich Böll nahm in einem Tele­fon­in­ter­view 1977 Stel­lung zu der Durch­su­chung der Woh­nung sei­nes Soh­nes durch 40 Beamte eines Son­der­ein­satz­kom­man­dos (ein Denun­zi­ant hatte sei­nen Sohn belas­tet, Böll wurde geis­tige Nähe zu den Ter­ro­ris­ten vorgeworfen),
  • Christa Wolf spricht 1989 in Ber­lin zu den Demonstranten,
  • Peter Handtke belei­digt sein Publi­kum (die Publi­kums­be­schimp­fung habe ich 2004 zum Geburts­tag mit eini­gen Freun­den aufgeführt),
  • Tho­mas Mann spricht 1944 per Radio zu den Deut­schen, er legt dar, dass der Krieg ledig­lich nach Deutsch­land zurück kehre, die Bom­bar­die­rung sei­ner Hei­mat­stadt Lübeck recht­fer­tigt er mit Coventry,
  • Ernst Jandl spielt mit Sprache,
  • Joa­chim Rin­gel­natz sächselt,
  • Fried­rich Dür­ren­matt äußert sich kri­tisch über die Schweiz (die Ein­woh­ner seien zugleich Gefan­gene, Wär­ter und frei),
  • Max Frisch beob­ach­tet Neger (damals durfte er das noch so sagen) in New York und greift die Ungleich­be­hand­lung an,

Ansons­ten waren der Gestal­tung vor allem tech­ni­sche Schran­ken auf­er­legt. Da in eini­gen Kabi­nen Filme lie­fen, musste alles gut gedämpft sein, um die Stim­men der Dich­ter wir­ken zu las­sen. Dem­ent­spre­chend kam wei­ßes Poly­sty­rol und ähnli­ches Dämpf­ma­te­rial zum Ein­satz. Die Ästhe­tik der ein­ge­zo­ge­nen Wände hielt sich des­halb etwas in Gren­zen, aber im Vor­der­grund stan­den ja die Stimmen.