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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: ski

Der Traum des Ski­tou­ren­gän­gers – ein unbe­rühr­ter Hang mit flau­schi­gem Neu­schnee, durch den man ele­gant abwe­delt, es stiebt meter­hoch nach rechts und links. Der Berg ist natür­lich selbst erkämpft, mit Fel­len hat man ihn kurz vor Mit­tag erstie­gen, mit net­ten Leu­ten und einer Ther­mos­fla­sche vol­ler Tee. Aber was den Traum wirk­lich aus­macht, ist das unbe­schwerte Abfah­ren durch den Tiefschnee.

bergspitzen im winter

Berg­spit­zen beim Skigebiet

Meine ers­ten Ver­su­che sahen da schon etwas anders aus. Ich hatte einen Wochen­end­kurs gebucht, um mich mal unter fach­kun­di­ger Füh­rung mit der Tech­nik im Tief­schnee zu beschäf­ti­gen. Im Ski­ge­biet Lau­cher­nalp kam ich dann in den Genuss von zahl­rei­chen Tiefschnee-​​Abfahrten, immer wie­der bestie­gen wir die Gon­del nach oben, um dann abseits der Piste abzufahren.

alpenglühen

Alpen­glü­hen am Sams­tag Abend

Da ich erst vor ein paar Jah­ren mit dem Ski­fah­ren begon­nen hatte, durfte ich am meis­ten lei­den. Schon meine Grund­tech­nik auf der Piste – oder die Abwe­sen­heit davon – brachte mir eine Ein­zel­lek­tion ein. Zu allem Über­fluss soll­ten wir im Tief­schnee auch noch stän­dig sprin­gen und uns weit nach vorne beu­gen, was mei­nem Sicher­heits­in­stinkt sehr deut­lich wider­sprach. Es war wie an die­sen grau­en­haf­ten ers­ten Tagen auf der Piste. Aber nach und nach gewann ich ein gewis­ses Maß an Kon­trolle und begann auch ein wenig zu sprin­gen. Vom Vor­bild unse­res Berg­füh­rers war ich aber noch Mei­len ent­fernt. Mühe­los wedelte er durch den Schnee, nutzte die Uneben­hei­ten, flog quasi durch die weiße Pracht. Ich war ein­fach nur froh, dass ich mir nichts gebro­chen hatte nach die­sen zwei Tagen. Und mitt­ler­weile fühle ich mich eini­ger­ma­ßen gewapp­net für diese neue Art des Wintersports.

Alles hatte ich pro­biert: Snow­board, Abfahrt­ski, Schnee­schuh­lau­fen, Lang­lauf, mal mehr, öfter weni­ger erfolg­reich. Aber eine Win­ter­sport­art fehlte mir noch in mei­ner Erfah­rungs­samm­lung – Ski­tou­ren. In den Pro­spek­ten stel­len sich Ski­tou­ren immer als ein­same Auf­stiege und rasante Abfahr­ten durch unbe­rühr­ten Pul­ver­schnee dar, bei­des natür­lich unter strahlend-​​blauem Himmel.

Skitour
Im Gän­se­marsch zum Gip­fel.

In der brei­ten Palette der Win­ter­sport­ar­ten kann man Ski­tou­ren irgendwo zwi­schen Abfahrt und Schnee­schuh­lau­fen ein­ord­nen. Die ver­wen­de­ten Skier sehen unge­fähr so aus wie Abfahrs­skier, jedoch sind sie meist leich­ter. Die Bin­dun­gen erlau­ben die beid­sei­tige Fixie­rung des Ski­schuhs zur Abfahrt oder die ein­sei­tige Fixie­rung vorn zum Auf­stieg. Zusätz­lich klebt man beim Auf­stieg noch Steig­hil­fen (Felle) dran. Dafür gibt es an den Fel­len eine Leim­schicht und Ein­häng­bü­gel. Mit die­sen Vor­rich­tun­gen kann man pro­blem­los Hänge hoch­lau­fen, die Rutsch­fä­hig­keit hält sich aber stark in Grenzen.

Winterlandschaft
Blick zurück ins Safi­en­tal.

Am letz­ten Wochen­ende war ich zum ers­ten Mal auf einer Ski­tour dabei, orga­ni­siert von Höhen­fie­ber. Im Safi­en­tal waren wir unter­wegs, der Höhe­punkt war die Bezwin­gung des Strät­scher­horns (2575 m) am Sams­tag. Die Bedin­gun­gen waren alles andere als opti­mal. Die Lawi­nen­warn­stufe war erheb­lich, eine Woche zuvor waren sogar im glei­chen Tal zwei Tou­ren­gän­ger bei einem Lawi­nen­un­fall ums Leben gekom­men. Der Fön wehte sehr stark und es war an den Vor­ta­gen recht warm gewe­sen, wodurch sich an eini­gen Stel­len eine harte Schnee­schicht bil­dete. Dar­auf ließ sich schlecht abfah­ren, im Falle eines Fal­les sank man tief ein und musste sich müh­sam befreien. Mir ging das recht häu­fig so, ich war auch eine Weile nicht mehr Abfahrts­ski gefah­ren. Manch­mal ver­schwand eine Ski­spitze auch unter der har­ten Harsch­schicht, dann musste ich den Ski mühe­voll hang­auf­wärts raus­zie­hen. Aber am Ende war es ein span­nen­des Erleb­nis und alle kamen heil unten an.

Morgenstimmung
Auf­bruch im Mor­gen­grauen vom Tur­ra­hus.

Einen Ver­lust musste ich jedoch ver­kraf­ten – meine heiß­ge­liebte Ther­mos­fla­sche blieb am Berg, bei der Abfahrt vom Strät­scher­horn und einem mei­ner zahl­rei­chen Stürze muss ich sie ver­lo­ren haben. Ich hätte sie nicht außen am Ruck­sack anbrin­gen sol­len. Jetzt liegt sie irgendwo unter einer dich­ten Schnee­de­cke, es müsste sich sogar noch der Auf­kle­ber mit „mathias” dar­auf befin­den, ihn hatte ich am Vor­tag ange­bracht, zur Unter­schei­dung von Dut­zen­den ande­ren Ther­mos­kan­nen im bis auf den letz­ten Platz gefüll­ten Tur­ra­hus.

Ich liebe die Schweiz! Ges­tern war ich zum Ski­lang­lauf in Lan­gis, schö­ner, nur leicht mat­schi­ger Schnee und früh­lings­hafte Tem­pe­ra­tu­ren, heute radelte ich mit dem Renn­rad um den Grei­fen­see. Schnee­sport und Grillier-​​Stimmung am See an einem Wochen­ende — das gibt es nicht über­all. Und mor­gen wer­den mich meine Beine umbringen…

Span­nend war noch die Skilanglauf-​​Privat-​​Stunde. Ich habe das ja schon oft gemacht und dachte, ich beherr­sche die Grund­tech­nik. Aber weit gefehlt! Es gab da noch eini­ges zu ver­bes­sern, ange­fan­gen vom essen­zi­el­len Hüft­schwung — da muss ich sofort an Tango den­ken — über die Vor­wärts­nei­gung des Ober­kör­pers bei erho­be­nem Blick bis hin zum rich­ti­gen Stock­ein­satz. Und so drehte ich danach meine Run­den und ver­suchte mich auf all diese Dinge zu konzentrieren.

Skifahren in Davos

Feb 19
Allgemein

Es ist nicht weit. Etwas mehr als zwei Stun­den mit dem Zug, dann steigt man in Davos aus und hat die Qual der Wahl zwi­schen zwei recht gro­ßen Ski-​​Gebieten, Par­senn zur Rech­ten und Jakob­shorn zur Lin­ken. Kilo­me­ter von prä­pa­rier­ten Pis­ten war­ten auf die vie­len Tau­send Ski­fah­rer und Snow­boar­der. Auch auf mich, wobei ich mich inzwi­schen mit dem sieb­ten Ski­tag als Fort­ge­schrit­te­nen betrachte und nicht mehr die Anfänger-​​Ski aus­leihe. Es sind jetzt Allround-​​Skier, wel­che ich mit Hilfe der klo­bi­gen Stie­fel an mei­nem Kör­per befes­tige. Etwas län­ger und etwas weni­ger tail­liert als die Anfänger-​​Skier sind sie, grei­fen bes­ser bei höhe­ren Geschwindigkeiten.

Ich mache Fort­schritte, habe es gelernt, immer stei­lere Hänge her­un­ter­zu­fah­ren, meine Wohlfühl-​​Geschwindigkeit immer höher hin­auf­zu­set­zen, auch bei ver­eis­ten, engen Pis­ten eini­ger­ma­ßen gut run­ter­zu­kom­men und mich auch auf unbe­kannte Pis­ten zu wagen. Wobei jetzt auch die Anfangs­eu­pho­rie des schnel­len Fort­schritts vor­bei ist. Das merkte ich heute recht deut­lich am Jakob­shorn. Es ist eine recht lange und gleich­mä­ßig abfal­lende Piste, wel­che wir haupt­säch­lich benutz­ten. Sie ist nicht schwie­rig, ein­fach recht lang. Und an die Gren­zen geriet ich vor allem durch feh­lende Kon­di­tion, wel­che bei höhe­ren Geschwin­dig­kei­ten ein­fach not­wen­dig ist. Sonst kommt man nicht so gut um die Kur­ven. Und so beim drit­ten oder vier­ten Mal mel­de­ten sich die Ober­schen­kel und rie­fen mich zur Mäßi­gung auf. Schnel­le­res Fah­ren ver­langt mehr Kraft, wel­che ich ein­fach noch nicht habe. Oder ich mache was falsch und fahre zu kraftin­ten­siv. Auf jeden Fall ist es nicht mehr so ein­fach, bes­ser zu wer­den. Es wird lang­sam anstrengend.

Skifahren am Zauberberg

Mrz 19
Allgemein

Der Zau­ber­berg von Tho­mas Mann fin­det seine Ent­spre­chung in Davos, einer der vie­len Berge dort war also die Vor­lage für den umfang­rei­chen und nicht ganz ein­fa­chen Roman. Weni­ger lite­ra­risch ging es die letz­ten drei Tage zu, ein gro­ßer Anteil mei­ner Mit­dok­to­ran­den und Anhäng­sel bret­terte über die Pisten.

Nach mei­nen zwei Übungs­ta­gen vorab machte ich an die­sen drei Tagen enorme Fort­schritte. Ich komme jetzt so ziem­lich jeden Hang sicher run­ter und beherr­sche die Magie des Par­al­lel­schwungs. Nur geht mir das Ganze noch immer etwas zu schnell, so dass ich zu stark die Kur­ven ein­drehe. Das ist zwar ange­nehm, da ich stark abbremse, jedoch bin ich somit noch weit von einem flüs­si­gen und flot­ten Fahr­stil ent­fernt. Es gibt also noch Bedarf für wei­tere Stun­den am Hang und wei­tere Web­log­ein­träge zu die­sem bri­san­ten Thema.

Aber die Par­al­lele zum Zau­ber­berg war dann doch die soziale Kom­po­nente des Aus­flu­ges. Gleich den Sanatoriums-​​Patienten waren wir alle unse­ren nor­ma­len Pflich­ten und Auf­ga­ben ent­bun­den und in einer locke­ren Atmo­sphäre wur­den bestimmt Hun­derte von Gesprä­chen geführt. Auch ich unter­hielt mich mit vie­len Leu­ten, die ich sonst nur als über ihren Schreib­tisch gebeugte Gesich­ter im Vor­bei­ge­hen an einer offe­nen Türe des Insti­tuts bemerkt hatte. Wir hat­ten Zeit, tra­fen uns zum Mit­tag­es­sen an der Piste, war­te­ten abends im Restau­rant aufs Essen oder saßen beim Früh­stück, um uns für die wil­den Pis­ten­ritte zu stär­ken. So schweb­ten wir alle vor uns hin in die­ser ent­rück­ten Welt, und kehr­ten allzu schnell zurück ins „Flach­land” mit sei­nen Pflich­ten und all­täg­li­chen Umgebungen.