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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: text

Am Anfang ist da mal der Text, wie er vom Autor geschrie­ben wurde. Damit musst du als Schau­spie­ler arbei­ten, um den Mono­log adäquat auf die Bühne zu brin­gen. Eine Her­an­ge­hens­weise ist nun die inhalt­li­che und emo­tio­nale Glie­de­rung des Tex­tes. Dabei unter­teilst du den Text in Sinn­pa­kete (inhalt­lich) und fin­dest außer­dem die emo­tio­na­len Wen­de­punkte. Mit die­ser Struk­tur kannst du den Text zum einen leich­ter ler­nen und zum ande­ren bie­tet er den Ein­stieg in die Erar­bei­tung der Emo­tio­nen mit­hilfe von Sin­nes­rei­sen und Sinneserinnerungen.

Aber am bes­ten ist wohl ein Bei­spiel. Ich arbeite momen­tan an einem Mono­log aus dem Stück „Kampf des Negers und der Hunde” von Bernhard-​​Marie Kol­tés. Die inhalt­li­che und emo­tio­nale Glie­de­rung mag als Anre­gung die­nen, wie man die­sen Mono­log ange­hen kann.

Die Ver­kör­pe­rung eines Schwar­zen ist natür­lich eine große Her­aus­for­de­rung für mich blas­sen Mit­tel­eu­ro­päer. Ich kann mich nur behut­sam annä­hern und ver­su­chen, über afri­ka­ni­sche Musik einen Zugang zu fin­den. Ich brau­che eine Trommel!

Es geht ohne Ver­zug wei­ter, nach sechs Lek­tio­nen Grund­kurs schließt sich jetzt naht­los der Auf­bau­kurs des Zen­trums für Ent­wick­lung im Schau­spiel an. Es begann wie immer mit den bekann­ten Ele­men­ten Auf­wär­men und Sin­ne­ser­in­ne­rung. Dann arbei­te­ten wir mit einem Text, mit Hilfe von ver­schie­de­nen Lese­tech­ni­ken näher­ten wir uns einer Szene.

Auf­wär­men, Sinneserinnerung

Wie immer began­nen wir mit dem kör­per­li­chen Auf­wär­men und der Sin­ne­ser­in­ne­rung. Das Wie­der­er­le­ben der Juckreiz-​​Übung gelang mir, wobei ich tat­säch­lich wie­der Juck­reiz ver­spürte, an den glei­chen und auch ganz neuen Stel­len wie beim ursprüng­li­chen Üben. So ganz habe ich es aber wohl noch nicht gemeis­tert, es sollte am Ende am gan­zen Kör­per jucken.

Text­ar­beit

Das Stück, mit dem wir uns den gan­zen Auf­bau­kurs beschäf­ti­gen wer­den, ist ein zeit­ge­nös­si­sches Stück mit drei Rol­len. Mein ers­ter Ein­druck beim Lesen war, dass alle drei ein wenig durch­ge­knallt sind, halt diese typi­schen moder­nen, wur­zel­lo­sen, sich selbst zer­flei­schen­den, lie­bes­un­fä­hi­gen Cha­rak­tere. Sie reden in kur­zen Sät­zen und oft anein­an­der vor­bei. Und es geht um Organ­spende, Tod, Liebe, Sex, Schuld, Ent­frem­dung, Ver­ant­wor­tung und Sehn­sucht. Der Bogen ist also weit gespannt und man kann aus die­sem Text viel machen.

Vera und Mia sind Schwes­tern, ihre Mut­ter ist durch einen Auto­un­fall ein Pfle­ge­fall und geht ihnen daheim auf die Ner­ven. Sie braucht eine Spen­der­niere, sonst wird sie bald ster­ben. Der Auto­fah­rer, der sie anfuhr, beging Fah­rer­flucht. Mia irrt durch den Bahn­hof und starrt alle Pas­san­ten an, um den Schul­di­gen zu fin­den. Sie begeg­net Achim, den ihr Schick­sal rührt und der ihr hel­fen will, natür­lich nicht ganz unei­gen­nüt­zig. Er besorgt im Aus­land eine Spen­der­niere, aber ein Happy-​​End ist bei die­ser Art Stück natür­lich nicht drin.

Inter­es­sant war die Her­an­ge­hens­weise an den Text. Wir teil­ten uns in Zwei­er­grup­pen auf und lasen den Text zuerst mit ver­teil­ten Rol­len. Danach, beim ana­ly­ti­schen Lesen, lie­ßen wir uns bei jedem Satz soviel Zeit, ihn und sei­nen Sub­text zu ver­ste­hen, dann spra­chen wir unser Gegen­über direkt an. Als dritte Vari­ante wie­der­hol­ten wir jeden Satz so lange, bis wir mit dem Ergeb­nis zufrie­den waren. Auf diese Art konn­ten wir den Text wesent­lich tie­fer ver­ste­hen als bei einer rei­nen Lesung mit ver­teil­ten Rollen.

Haus­auf­ga­ben

  1. Extreme Kälte
  2. Rol­len­pro­fil Achim, prä­gende Erlebnisse

Auf­wär­men, Sin­ne­ser­in­ne­rung mit neu­tra­lem Text

Das kör­per­li­che Auf­wär­men und das Zazen waren wir immer. Ich war heute kör­per­lich fit­ter als letz­tes Mal aber leich­ter ablenk­bar. Bei der Sin­ne­ser­in­ne­rung (drei Stoffe mit allen Sin­nen ent­de­cken) soll­ten wir den neu­tra­len Text gleich­zei­tig auf­sa­gen. Das war eine immense Her­aus­for­de­rung, bei mir saß der Text dafür nicht gut genug.

Ich hatte mir den Anfang von Ulys­ses (James Joyce) gewählt. Okay, es mag kein Buch sein, das mir abso­lut egal ist, aber wenn ich schon einen Text lerne, dann einen von hoher lite­ra­ri­scher Qua­li­tät. Beim Lesen war mir die­ser Text noch recht unver­ständ­lich vor­ge­kom­men, die deut­sche Premium-​​Ausgabe ist mit tau­sen­den erklä­ren­den Fuß­zei­len durch­setzt, die den Text­fluss unter­bre­chen. Aber durch das Ler­nen konnte ich mich auf einen kur­zen Abschnitt kon­zen­trie­ren und des­sen ganze Schön­heit ent­de­cken. Es ist so dicht geschrie­ben, jedes Wort sitzt. Hut ab vor dem Über­set­zer (Hans Woll­schlä­ger).

Statt­lich und feist erschien Buck Mul­li­gan am Trep­pen­aus­tritt, ein Sei­fen­be­cken in Hän­den, auf dem gekreuzt ein Spie­gel und ein Rasier­mes­ser lagen. Ein gel­ber Schlaf­rock mit offe­nem Gür­tel bauschte sich leicht hin­ter ihm in der mil­den Mor­gen­luft. Er hielt das Becken in die Höhe und into­nierte:
Introibo ad altare Dei.
Inne­hal­tend spähte er die dunkle Wen­del­treppe hin­un­ter und kom­man­dierte grob:
– Komm rauf, Kinch! Komm rauf, du fei­ger Jesuit!
Fei­er­lich schritt er wei­ter und erstieg das runde Geschütz­la­ger. Dort machte er kehrt und seg­nete wür­de­voll drei­mal den Turm, das umlie­gende Land und die erwa­chen­den Berge. Dann gewahrte er Ste­phen Deda­lus, ver­neigte sich vor ihm und schlug rasche Kreuze in die Luft, keh­lig gluck­send dabei und den Kopf schüt­telnd. Ste­phen Deda­lus, miß­lau­nig und schläf­rig, lehnte die Arme auf den Rand der Trep­pen­mün­dung und betrach­tete kalt das sich schüt­telnde, gluck­sende, in sei­ner Länge pfer­de­hafte Gesicht, das ihn seg­nete, und das helle untons­u­rierte Haar, das fle­ckig getönt war wie matte Eiche.

Quelle: James Joyce, Ulys­sus, über­setzt von Hans Woll­schlä­ger, Suhrkamp-​​Verlag, 2004

Jeden­falls ver­suchte ich die­sen Text zu spre­chen und mir dabei die Ein­drü­cke von der Sinnes-​​Übung vor­zu­stel­len. Eigent­lich geht das nicht, man kann sich nur auf eine Sache kon­zen­trie­ren. So hatte ich zumin­dest in mei­ner Dis­ser­ta­tion argu­men­tiert, wel­che sich mit der Prä­senz in vir­tu­el­len Umge­bun­gen befasste. Dabei kann es zu Wider­sprü­chen zwi­schen den Sin­nes­ein­drü­cken kom­men. Zum Bei­spiel sieht man sich visu­ell um eine Kurve bie­gen (Renn­si­mu­la­tion), jedoch fehlt die Zen­tri­fu­gal­kraft. Vir­tu­elle und reale Umge­bung strei­ten um die Hoheit, aber der Mensch kann sich nur für eine ent­schei­den. Auf die Übung bezo­gen bedeu­tet das, dass man den Text so gut aus­wen­dig ken­nen muss, dass er völ­lig auto­ma­tisch abruf­bar ist. Ich musste mich jeden­falls stark kon­zen­trie­ren und die Inten­si­tät der Sin­ne­ser­in­ne­rung nahm auch ab.

Ler­nen von Text

Um einen Text wirk­lich gut zu beherr­schen, muss man ihn sehr oft wie­der­ho­len. In ver­schie­dens­ten All­tags­si­tua­tio­nen auf­sa­gen, einen Zet­tel im WC auf­hän­gen, iPod damit füt­tern, etc. Mir kommt mein täg­li­ches Pen­deln da zugute, so habe ich jeden Tag zwei­mal die Mög­lich­keit, den Text zu repe­tie­ren. Beim ers­ten Ler­nen mit Zet­tel kommt es auch auf die Ein­sätze an, nur seine eige­nen Sätze zu beherr­schen reicht nicht (siehe Weblog-​​Eintrag Ler­nen von Theatertext(en)).

Zur­zeit habe ich reich­lich Gele­gen­heit zum Text­ler­nen. Im Kurs brauch­ten wir den neu­tra­len Text und einen emo­tio­na­len Dia­log zwi­schen Selbstmörder(in) und Kommissar(in). Für das aki­tiv–Mini­drama muss ich min­des­tens mei­nen eige­nen Text beherr­schen, bes­ser wäre der ganze. Und für die Top Dogs–Pro­duk­tion gilt es auch, einen län­ge­ren Mono­log aus­wen­dig zu beherrschen.

Wiederholungs-​​Übungen

Basie­rend auf der Methode von Sandy Meis­ner trai­nier­ten wir das gegen­sei­tige Zuhö­ren. Zwei Leute saßen sich gegen­über, das ein­zige zuge­las­sene Wort war But­ter. Danach gab es etli­che Kom­bi­na­tio­nen, wobei meist gegen­sätz­li­che Instruk­tio­nen vor­ge­ge­ben waren (dem ande­ren schmei­cheln, Geld lei­hen, zum Gebet über­re­den, aufregen).

Akti­ves Zuhö­ren ist schon im nor­ma­len Leben eine sel­tene Fähig­keit, auf der Bühne ist es durch die Anspan­nung noch schwie­ri­ger (siehe Weblog-​​Eintrag Gute Gesprä­che, schlechte Gesprä­che, Büh­nen­ge­sprä­che). Bei der Fenstersturz-​​Szene sollte sich das sehr deut­lich zeigen.

Fenstersturz-​​Szene

Wir hat­ten eine knappe halbe Stunde zur Vor­be­rei­tung, ein Groß­teil der Zeit ging für Text­pro­ben drauf. Ich spielte den Kom­mis­sar, der eine poten­zi­elle Selbst­mör­de­rin von ihrem Vor­ha­ben abbrin­gen will. Für mich war klar, dass ich die Dis­tanz zu ihr ver­rin­gern wollte. Immer dann, wenn sie nicht schaut, wollte ich mich lang­sam anpir­schen, Mil­li­me­ter für Mil­li­me­ter. Und dabei ruhig wir­ken, mir aber des Erns­tes der Situa­tion voll bewusst zu sein. Wir schau­ten uns den Text auch wegen Bewegungs-​​Impulsen an. Am Anfang wollte ich nichts­ah­nend den Raum betre­ten, dann erst die Frau auf dem Fens­ter­sims sehen und die Selbstmord-​​Absicht rea­li­sie­ren. Mit mei­nen ers­ten Sät­zen wollte ich auf sie zuge­hen, werde jedoch von ihren kla­ren Stopp-​​Aussagen geblockt. Beim Ende hat­ten wir uns nicht wirk­lich was über­legt, wes­we­gen ich bei ihrem Sturz dann ein­fach in einem Freeze erstarrte.

Blick auf Siena
Wie kann man auf der Bühne Höhe glaub­haft dar­stel­len?

Als Feed­back kamen dann lobende Worte für die Fein­heit mei­ner Rolle, aber nega­tiv war die Anspan­nung gewe­sen. Als Polizei-​​Psychologe würde man geschult auf Dees­ka­la­tion, Zuhö­ren und das Aus­strah­len von Ruhe sein, anstatt sich ver­krampft anzu­schlei­chen. Und das Ende war natür­lich nicht opti­mal, nach dem Sturz geht die Szene wei­ter, da hätte ich mir noch was über­le­gen sol­len. Aber es schaffte eigent­lich kei­ner der Kom­mis­sare in der Gruppe, voll­stän­dig zu überzeugen.

Nächste Woche bin ich dann der Selbst­mör­der, das wird span­nend. Ein wich­ti­ger Punkt ist die Höhe, ich stehe auf einem Fens­ter­sims und es geht 20 Meter run­ter auf die Straße. Als Klet­te­rer habe ich ja nicht so enorme Pro­bleme mit Höhe, aber Respekt schon. Und den gilt es authen­tisch dar­zu­stel­len. Aber der viel grö­ßere Knack­punkt ist die psy­cho­lo­gi­sche Situation.

Haus­auf­ga­ben

  1. In Bade­wanne oder Dusche kleb­rige Sub­stanz mit allen Sin­nen erfor­schen. Das wird eklig.
  2. Eine aus­ge­wählte Per­son beob­ach­ten, mög­lichst viele Aspekte zusam­men­tra­gen. Zusätz­lich kann man in der Stadt einer unbe­kann­ten Per­son unauf­fäl­lig folgen.
  3. Andere Rolle der Fens­ter­sturz–Szene vor­be­rei­ten (Selbstmörder).

Beginn von Ulys­ses (James Joyce), gele­sen von mir, MP3

Typographie

Dez 19
Allgemein

Durch meine Tätig­kei­ten als Redak­teur, Gestal­ter eines Theater-​​Abendprogramms und Autor eines Web­logs kam ich schon oft mit dem Set­zen von Text in Berüh­rung. Aber eigent­lich ist mein Wis­sen recht begrenzt, bezie­hungs­weise geprägt durch die Arbeit mit LaTeX, einem Text­satz­sys­tem vor allem für wis­sen­schaft­li­che Publi­ka­tio­nen. Von daher waren mir einige typo­gra­phi­sche Grund­sätze in Fleisch und Blut über­ge­gan­gen, wel­che bei LaTeX von KOMA-​​Script umge­setzt wer­den, unter anderem

  • Sei­ten­ge­stal­tung mit brei­ten Rän­dern und maxi­mal 70 Zei­chen pro Zeile
  • Serifen-​​Font für Fließ­text, seri­fen­lo­ser Font für Überschriften
  • Block­satz in allen Lebenslagen

Bei der Dis­kus­sion mit ande­ren Leu­ten wur­den aber die meis­ten die­ser eher­nen Grund­sätze in Frage gestellt, so dass ich mich fragte, warum dies alles eigent­lich so defi­niert ist. Und somit lan­dete ich zwangs­läu­fig bei der Kunst der Typographie.

Mitt­ler­weile habe ich ein sehr schö­nes Buch gefun­den, wel­ches die Grund­sätze anschau­lich beschreibt: The Ele­ments of Typo­gra­phic Style (Robert Bring­hurst). Bis jetzt bin ich vom Buch extrem begeis­tert und ver­tiefe mich in die Geschichte und heu­tige Anwen­dung der Typo­gra­phie. Denn das Thema ist auch im Hin­blick auf die Gestal­tung von Web­sei­ten immer aktu­ell. In der neu geplan­ten Spe­zi­fi­ka­tion der Casca­ding Style Sheets (CSS3) ist in Sachen Schrift­ar­ten eini­ges in Bewe­gung gera­ten, als Webseiten-​​Gestalter kann man jetzt benö­tigte Schrift­ar­ten her­un­ter­la­den und muss nicht mehr dar­auf ver­trauen, dass sie auf dem Rech­ner des Nut­zers instal­liert sind. Bereits heute unter­stüt­zen die meis­ten Brow­ser diese Funk­tion, jedoch wird es noch eine Weile dau­ern, bis die breite Masse der Web­sei­ten davon pro­fi­tie­ren kann. Ein Pro­blem ist noch die Lizen­sie­rung von Schriftarten.

Die Auf­gabe des Typo­gra­phen ist immer, den Inhalt gekonnt zur Gel­tung zu brin­gen und anschlie­ßend selbst zu verw­schwin­den. Wie beim Regis­seur, der bei der Pre­miere taten­los im Publi­kum sit­zen muss, wird die Arbeit des Typo­gra­phen im End­ef­fekt unsicht­bar. Mit die­sem Web­log habe ich jeden­falls ein gutes Übungs­werk­zeug und werde ein paar Sachen damit aus­pro­bie­ren. Mehr Sinn macht das Ganze bei Druck­sa­chen, wo mir mit Adobe InDe­sign ein Pro­fi­werk­zeug zur Ver­fü­gung steht. Aber letzt­end­lich steht Typo­gra­phie über allen Werkzeugen.

Wie lernt man am effi­zi­en­tes­ten Theatertexte?

Ich werde mich hüten, diese Frage all­um­fas­send beant­wor­ten zu wol­len. Aber ich möchte eine Methode dar­le­gen, die für mich funk­tio­niert. Das Wesent­li­che mei­ner Her­an­ge­hens­weise besteht darin, mir immer nur soviel Text vor­zu­neh­men, wie ich fas­sen kann. Am Anfang sind das Satz­teile, spä­ter Sätze, noch spä­ter Sei­ten, irgend­wann Szenen.

1. Text­ler­nen

Wenn ein Text neu ist, nehme ich mir einen Satz­teil vor und lese ihn mehr­mals. Dann schaue ich vom Text weg und wie­der­hole diese Pas­sage aus­wen­dig. Wenn das nicht klappt, lese ich noch­mals. Not­falls teile ich die Pas­sage in klei­nere Hap­pen auf. Wenn ich eine Pas­sage kann, kommt der nächste Satz­teil, wie­der lesen, dann ohne Text wie­der­ho­len. Wenn das klappt, nehme ich den gan­zen Satz und wie­der­hole den. So taste ich mich lang­sam voran, Neben­satz für Neben­satz, bis der gesamte Ein­satz kom­plett ist. Dann wie­der von vorn auf­sa­gen ohne dabei in den Text zu schauen. Immer nur so große Häpp­chen, dass mein Gehirn das fas­sen kann.

2. Trai­nie­ren mit Einsätzen

Ich denke, dass die Wie­der­ho­lun­gen mit Ein­sät­zen das Ent­schei­dende sind. Also eine wirk­lich selbst­kri­ti­sche Abfrage, bei der ich den Text ver­de­cke. Dabei schiebe ich meine Hand oder ein Stück Papier lang­sam nach  unten und stoppe, wenn ich an einem Ein­satz ange­langt bin. Es ist dann wie in der Probe, die ande­ren sagen ihre Sachen und dann muss man irgend­wann auf die­ses Signal hin sei­nen Text brin­gen. Durch diese Methode merke ich, ob ich auf den Ein­satz hin mei­nen Text beherr­sche. Es ähnelt dem Voka­bel­ler­nen mit dop­pelt bedruck­ten Kärt­chen. Man sieht das deut­sche Wort und muss das fremd­spra­chige wissen.

Was man nicht tun sollte, ist ein­fach nur lesen, leicht lässt man sich mit­reis­sen, ohne wirk­lich Text zu ler­nen dabei. Beim Lesen ist es klar, erst bei einer wirk­li­chen Abfrage merkt man, ob man den Text auch beherrscht. Für mich ist der Text immer der Anfang, das Spie­len ergibt sich dann erst spä­ter, also Beto­nung, Inten­sion, Hin­ter­ge­dan­ken, Mimik.

Ana­lo­gie zum Ler­nen von Klavierstücken

Beim Kla­vier­spie­len ist es das Glei­che. Ich will auch immer lie­ber das ganze Stück spie­len, obwohl ich ein­zelne Takte noch gar nicht beherr­sche. Man betrach­tet dann ein­zelne Takte, bei kom­pli­zier­ten Pas­sa­gen auch nur ein­zelne Töne. Wie greife ich um zwi­schen die­sen bei­den Akkor­den? Erst wenn man das oft genug wie­der­holt und auto­ma­ti­siert hat, kann man sich wie­der hin­aus bewe­gen und den Takt oder die Pas­sage anschauen. Es mag unter­schied­lich sein, da beim Kla­vier­spie­len Moto­rik eine Rolle spielt, aber das Prin­zip der kleins­ten fass­ba­ren Ein­heit ist für beide Domä­nen anwendbar.