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Tag: theater

Auf­wär­men

Die Auf­wär­mung lief wie üblich, erst kör­per­lich, dann Zazen, dann Sin­ne­ser­in­ne­rung. Ich hatte durch mei­nen Oster­aus­flug wenig Zeit für die Haus­auf­gabe gehabt, des­halb stand meine Sin­nes­reise auf einer wack­li­gen Basis. Ins­ge­samt hat sich in der Gruppe eine gewisse Faul­heit ein­ge­schli­chen, das ruhige Zazen wird end­los aus­ge­dehnt, wohin­ge­gen die kör­per­li­che Auf­wär­mung und vor allem der kon­ti­nu­ier­li­che Gebrauch der Stimme weni­ger Beach­tung fin­den. Des­halb gab es heute noch­mal eine Rück­be­sin­nung auf Sinn und Zweck der Übun­gen. Die Sin­ne­ser­in­ne­run­gen sind ledig­lich der Ein­stieg ins emo­tio­nale und affek­tive Erin­nern. Sie schu­len den Sinn für die Details und den Gebrauch der Sinne.

Letzt­lich kann man alles als Trai­ning der Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit betrach­ten. Eine Stunde inten­si­ves Arbei­ten mit Kör­per, Geist und Stimme. Beson­ders die Sin­ne­ser­in­ne­rung strengt an, vor allem men­tal. Am Ende war ich echt geschafft, durch die man­gelnde Vor­be­rei­tung musste ich mir aller­dings auch ein paar Sachen ausdenken.

Dia­log

Der Haupt­punkt des Abends war die Auf­füh­rung eines kur­zen vor­ge­ge­be­nen Dia­logs. Ein Mann kommt nach Hause, die Frau putzt, sie reden kurz über ihre unmit­tel­bar zukünf­ti­gen Pläne. Wir übten in fol­gen­den Varianten:

  1. Beide neu­tral
  2. Beide hören zu und legen jedes Wort auf die Goldwaage.
  3. Beide hören nicht zu.
  4. Mann will Tren­nung, Frau ist schwanger.
  5. Mann ist kuschel­be­dürf­tig, Frau hat Migräne.
  6. Mann wurde gekün­digt und hat Alko­hol­pro­blem, Frau hat durch Tod der Mut­ter geerbt.

Die wich­tigste Erkennt­nis war, dass ein zu offen­sicht­li­ches Zei­gen der Moti­va­tion zu einem plat­ten Spiel führt. Span­nend wird es dann, wenn man die Emo­tion nicht direkt zeigt, son­dern ein Geheim­nis dar­aus macht. Viel­schich­tige Moti­va­ti­ons­struk­tu­ren sind anzu­stre­ben und dar­zu­stel­len. Wie bei einem Eis­berg sieht man zwar nur die Spitze, aber ein Groß­teil der Rolle schwimmt unter der Ober­flä­che und macht den Cha­rak­ter ebenso aus.

Haus­auf­ga­ben

  1. Sin­nes­er­fah­rung: drei Stoffe mit allen Sin­nen entdecken
  2. Neu­tra­len Mono­log ler­nen, irgend­ein Buch ohne emo­tio­na­len Gehalt, 10–15 Zeilen
  3. DVD Hello Actor’s Studio

Der Film Brook über Brook (Brook by Brook) beginnt mit Kla­vier­mu­sik, Peter Brook spielt auf einem Leip­zi­ger Blüth­ner–Kla­vier. Der Mann ist mir sympathisch.

Das Por­trät des Soh­nes zeigt einen ruhe­lo­sen, viel­sei­ti­gen, undog­ma­ti­schen, expe­ri­men­tier­freu­di­gen Thea­ter– und Film­re­gis­seur. Immer wie­der ließ er alte Gewohn­hei­ten zurück, um neue Dinge aus­zu­pro­bie­ren. Ein­drück­lich die Zeit im Wan­der­thea­ter, mit dem er in Afrika haupt­säch­lich Impro­vi­sa­ti­ons­sze­nen kre­ierte. Ein Paar Schuhe reichte aus, um wun­der­bare, lus­tige Geschich­ten zu erfin­den. Die Tier­sze­nen waren auch sehr ein­drück­lich und erin­ner­ten mich ans Impro-​​Theater.

Die Übung mit der Schale wie­derum weckte Erin­ne­run­gen an meine Kurz­szene. Das über­ra­schende Fal­len­las­sen des Bechers war da ja das Pro­blem gewe­sen. Peter Brook lässt drei Schau­spie­ler eine ein­fa­che Übung machen, sie sol­len sich vor­stel­len, eine Schale zu tra­gen. Danach eine gefüllte Schale, auch das eine ein­fa­che Sache. Aber dann kam die Stei­ge­rung, wel­che den Profi vom Laien unter­schei­det, die Schale sollte fal­len­ge­las­sen wer­den. Über­ra­schung zu spie­len ist schwierig.

Es soll eine vor­be­rei­tete Theater-​​Kurzszene für eine Per­son wer­den, unge­fähr zwei Minu­ten lang. Ich darf spre­chen, aber han­deln und füh­len sind wich­ti­ger. Es soll schließ­lich keine Kabarett-​​Nummer wer­den. Nach­dem ich am letz­ten Mitt­woch eine wenig plau­si­ble Hand­lung gewählt hatte, soll mein Auf­tritt dies­mal glaub­wür­dig und mit­rei­ßend zugleich sein.

Im Laufe der letz­ten Tage dachte ich immer wie­der an die­sen Auf­tritt. Nach und nach setz­ten sich die ein­zel­nen Hand­lungs­ele­mente zusam­men, es fie­len mir immer bes­sere Begrün­dun­gen für meine Tätig­kei­ten ein. Warum ver­lasse ich den Raum? Das war die zen­trale Frage, erst dachte ich an einen feh­len­den Wecker, aber der Was­ser­be­cher ist wesent­lich dramatischer.

Ort

Schlaf­zim­mer oder Stu­dio, sicht­bar ist ein Bett rechts und ein Stuhl neben dem Bett in Rich­tung Tür, auf dem Stuhl lie­gen Klei­der, eine Hose sollte dabei sein, in einer Hosen­ta­sche ein Mobiltelefon

Zeit

Nacht

Requi­si­ten draußen

Metall­be­cher mit Was­ser, Lappen

Hand­lung

Die Anfangs­emo­tion ist Müdig­keit. Ich muss vor dem Erschei­nen auf der Bühne in diese Emo­tion rein­kom­men. Sollte nicht wei­ter schwie­rig sein, ich denke ein­fach an die Instruk­tio­nen vom Auto­ge­nen Trai­ning (meine Arme sind ganz schwer usw.)

Ich betrete die Bühne, schläf­rig. Ich sehe das Bett, da ist mein Ziel. Aber ich habe es nicht eilig. Ich gehe lang­sam zum Bett und setze mich dar­auf. Ich möchte mich bett­fer­tig machen, ziehe einen Schuh aus.

Plötz­lich bemerke ich diese Tro­cken­heit im Mund. Ein Glas Was­ser wäre super jetzt. Ich streife den Schuh wie­der über und gehe raus.

Ein Hel­fer ver­rückt den Stuhl in mei­ner Abwe­sen­heit. Nicht viel, eine Dre­hung um viel­leicht 45° vielleicht.

Ich komme wie­der rein mit dem vol­len Was­ser­be­cher, schließe die Tür. Ich trinke, es tut gut. Ich bemerke den ver­än­der­ten Stuhl, lasse den Becher fal­len. Es gibt ein lau­tes Geräusch, das Was­ser spritzt, meine Auf­merk­sam­keit ver­la­gert sich auf die Pfütze vor mir. Ich gehe raus, den Lap­pen holen.

Noch­mals wird der Stuhl ver­än­dert, dies­mal einen hal­ben Meter ver­stellt und gedreht.

Ich komme rein, wische die Pfütze auf. Dann fällt mein Blick auf den Stuhl. Ich bin irri­tiert, werde zuneh­mend ner­vös. Ich laufe im Zim­mer umher, prüfe das Fens­ter. Es kann nicht sein, ich muss mir das alles ein­bil­den. Ich setze mich aufs Bett.

Ich nehme das Mobil­te­le­fon und rufe jeman­den an. Ich bin ver­wirrt, ängst­lich und bitte um Asyl. Ich ver­lasse das Zim­mer, erleichtert.

Ein durch­drin­gen­der Schrei, mein Kör­per wird gegen die Tür gewor­fen. Stille.

Vor­hang (wenn einer da wäre)

Okay, es ist ein biss­chen Thriller-​​mäßig. Aber ich mag ein­fach keine Happy-​​Ends. Alter­na­tiv könnte man ein „es war alles nur ein Traum”-Ende machen, aber das finde ich auch weni­ger spannend.

Mei­nun­gen?

Auf­wär­men

Wir began­nen selb­stän­dig mit dem Auf­wär­men, das hatte uns Marco letz­tes Mal mit auf den Weg gege­ben. Denn das Ziel die­ses Kur­ses ist die Selb­stän­dig­keit. Am Set oder auch beim Thea­ter ist es nicht zu erwar­ten, dass jemand das Signal zum Star­ten gibt. Bei mei­nen bis­he­ri­gen Lai­en­grup­pen habe ich das anders erlebt, das gemein­same Auf­wär­men war dort ein wich­ti­ges Ritual. Aber im Pro­fi­be­reich kann man davon eben nicht aus­ge­hen und muss sich not­falls allein in einer ablen­ken­den Umge­bung aufwärmen.

Ich begann also mit den lang­sa­men Bewe­gun­gen von Armen und Bei­nen. Da ich vor­her klet­tern war, spürte ich Unter­arme und Schul­tern beson­ders deut­lich, das Schneeschuh-​​Wochenende steckte mir auch noch in den Bei­nen. Der Bedarf an Auf­wär­mung ist jeden Tag anders, das gilt es mit die­sen lang­sa­men Bewe­gun­gen her­aus­zu­fin­den. Ich dehnte dann Arme und Beine aus­gie­big. Eine Her­aus­for­de­rung dabei ist auch das stän­dige Reden und Geräuschma­chen, um psy­cho­lo­gi­sche Ver­span­nun­gen zu lösen. Wir wur­den häu­fi­ger lei­ser dabei und Marco ermahnte uns immer wie­der, den Pegel der Kon­ver­sa­ti­ons­laut­stärke bei­zu­be­hal­ten. Am Ende war ich eini­ger­ma­ßen auf­ge­wärmt und neu­tral, nur meine rechte Schul­ter blieb verspannt.

Danach folgte die Zazen-​​Meditation, als Kon­trolle, ob wir wirk­lich ent­spannt waren. Und dann die Sin­ne­ser­in­ne­rung mit dem hei­ßen Getränk. Erst mach­ten wir das alle leise und still, aber das war nicht im Sinne des Lei­ters. Wir soll­ten dabei reden, kom­men­tie­ren, Geräu­sche machen und so die Sin­nes­ein­drü­cke wie­der leben­dig wer­den lassen.

Von der Sin­ne­ser­in­ne­rung zur emo­tio­na­len Erinnerung

Die Sin­ne­ser­in­ne­rung ist nur der erste Schritt. Der nächste ist die der emo­tio­na­len Erin­ne­rung. Bei unse­rer Reise durch die Sin­ne­ser­in­ne­run­gen tref­fen wir viel­leicht auf eine Sin­nes­er­fah­rung, die uns auch emo­tio­nal berührte. Dann gilt es den genauen Aus­lö­ser zu ermit­teln. Wel­cher Sin­nes­ein­druck war haupt­ver­ant­wort­lich? Wenn man spä­ter auf der Bühne eine sol­che Emo­tion dar­stel­len soll, kann man sich an die aus­lö­sende Sin­nes­er­fah­rung erin­nern und so in den gewünsch­ten emo­tio­na­len Zustand gelan­gen. Als guter Schau­spie­ler ver­fügt man über eine breite Kla­via­tur von der­ar­ti­gen Aus­lö­sern für eine Viel­zahl von Gefüh­len. Die emo­tio­nale Reak­tion kann wie beim Paw­low’schen Hund trai­niert werden.

Ein­zelim­pro­vi­sa­tion

In der Pause soll­ten wir eine kurze, stumme Ein­zelim­pro­vi­sa­tion vor­be­rei­ten. Als Auf­tritts­e­mo­tion war Trauer ange­sagt, am Ende soll­ten wir glück­lich von der Bühne gehen.

Die Resul­tate waren sehr unter­schied­lich uns spie­gel­ten die unter­schied­li­che Erfah­rung der Teil­neh­mer. Alle Anfän­ger­feh­ler waren dabei. Viele kamen neu­tral rein, um sich dann beim Ver­lust des Han­dys oder beim Lesen eines Brie­fes in die Trauer rein­zu­stei­gern. Aber eigent­lich soll­ten wir beim Auf­tritt schon in der Emo­tion drin sein. Des­halb muss man sich vor dem Auf­tritt vor­be­rei­ten und mit einer geeig­ne­ten Sin­ne­ser­in­ne­rung in die Emo­tion rein­ge­hen. Nicht vor­han­dene Requi­si­ten stell­ten ebenso ein Pro­blem dar, sie ver­lei­ten zu unrea­lis­ti­schen Hand­lun­gen (Brief­öff­nen oder –fal­ten). Im Zwei­fel lie­ber mit ech­ten Requi­si­ten spie­len, Phan­to­mime vermeiden.

Ich dachte an ein per­sön­li­ches trau­ri­ges Erleb­nis, damit gelang mir die Anfangs­emo­tion recht gut. Jedoch fiel mir keine gute Hand­lung ein, das war der Schwach­punkt mei­nes Auf­tritts. Ich pro­bierte einen 360°-Sprung aus dem Stand, kriegte ihn anfang nicht hin, spä­ter schon, fröh­lich ver­ließ ich den Raum. Für einen Tän­zer ist das eine zu ein­fa­che Auf­gabe, es war nicht gut begründet.

Haus­auf­ga­ben

  1. Bewusste Rasur als Mate­rial für Sinneserinnerung.
  2. Solo-​​Auftritt vor­be­rei­ten, mit Spra­che, Hand­lung und Emo­tion wich­tig, Auf­tritts– und Schlus­se­mo­tion frei wähl­bar, Dauer 2–5′
  3. DVD mit Doku­men­ta­tion zu Actor Stu­dio schauen, Fra­gen notieren

Ein aktu­el­les Thea­ter­pro­jekt dreht sich um das Thema „Zu Hause”. Es ist des­halb eine Art Haus­auf­gabe, sich mal mit die­sem Thema zu beschäftigen.

Zu Hause als Ort

In ers­ter Linie ist das Zuhause ein Ort, schließ­lich ist Haus der Haupt­be­stand­teil des Begriffs. Die Frage ist natür­lich, wie Leute vor dem Bau von Häu­sern ihr Zuhause genannt haben. Aber man kann ja auch in Höh­len und Hüt­ten hausen.

Ich habe in vie­len Häu­sern gewohnt und kann mich noch gut erin­nern. In Dresden-​​Laubegast wohn­ten wir in einer Zwei­raum­woh­nung unter dem Dach, danach ging es zumin­dest grö­ßen­mä­ßig schritt­weise auf­wärts. Drei Räume im Erd­ge­schoss stan­den uns in Dresden-​​Kleinzschachwitz zur Ver­fü­gung, vier Räume in Dresden-​​Leuben. Dann folgte die WG-​​Zeit in mei­nem schö­nen gel­ben Zim­mer in Dresden-​​Löbtau. Nach einem Zwi­schen­stopp in Blacks­burg, Vir­gi­nia kehrte ich wie­der ins WG-​​Zimmer zurück. Dann folgte der Sprung nach Zürich-​​Witikon, eine Ein­raum­woh­nung unter dem Dach war für vier­ein­halb Jahre mein Zuhause. Kürz­lich der Umzug nach Zürich-​​Oberstraß, ins Herz der Stadt in eine wesent­lich grö­ßere Woh­nung in loser WG. Es sind viele Häu­ser und Woh­nun­gen, in denen ich gelebt habe. Getrost kann man noch die Schu­len, die Uni­ver­si­tä­ten und Arbeits­stel­len dazu zäh­len, in denen ich für lange Zeit ein– und aus­ging. Da kom­men viele Gebäude zusam­men, wobei gerade die Viel­zahl die genaue Fest­le­gung eines Zuhau­ses erschwert. Über­all und nir­gends bin ich zu Hause, alles ist flüch­tig. Ich kann mich nur an den Moment klam­mern, an den aktu­el­len Zustand, meine aktu­elle Bleibe.

Elbbogen von der Frauenkirche aus
Dres­den war lange Zeit mein Zuhause.

Bezo­gen auf Städte war Dres­den für sehr lange Zeit mein Zuhause, Blacks­burg nur kurz und Zürich jetzt schon seit fast fünf Jah­ren. Mich bringt die Frage „Woher kommst du?” immer ein wenig in Ver­le­gen­heit, instink­tiv ant­worte ich mit Dres­den, daher komme ich, dort sind meine Wurzeln.

Zu Hause als Menschen

Aber letzt­lich sind es in ers­ter Linie die Men­schen, die ein Zuhause aus­ma­chen. Wenn ich weg­ge­zo­gene Freunde oder Ver­wandte treffe, fühle ich mich zuhause, unab­hän­gig vom Ort. Ein Ort ist nur beim ers­ten Mal neu, schon beim zwei­ten Mal Hin­fah­ren auf der glei­chen Route blen­det der Ver­stand das schon Gese­hene aus. Was bleibt, ist die Begeg­nung mit dem Menschen.

Und man fühlt sich in einer neuen Stadt erst dann zuhause, wenn man ein Umfeld von Freun­den hat, wenn man ein­ge­la­den wird und sich ange­nom­men fühlt. Dann ist man wirk­lich angekommen.

Zu Hause als Sprache

Die Spra­che ist ein wei­te­rer Aspekt. Auf mei­nen häu­fi­gen Fahr­ten von Zürich nach Dres­den und zurück gibt es immer die­ses erste Mal, wenn ich Säch­sisch oder rückzu Schwei­zer­deutsch höre. Das weckt in mir Hei­mat­ge­fühle, in beide Richtungen.

Zürich bei Nacht
Bahn­hof­strasse in Zürich, mei­ner Wahl­hei­mat.

Die Auf­re­gung in der Schweiz über die von eini­gen so emp­fun­dene Über­frem­dung durch deut­sche Zuwan­de­rer ist vor allem sprach­lich bedingt. Wenn mehr und mehr Hoch­deutsch erklingt, ob nun im Tram, im Wirts­haus, beim dienst­li­chen Tele­fo­nat oder an den Uni­ver­si­tä­ten, dann füh­len sich die Schwei­zer nicht mehr zu Hause.

Zu Hause als Gefühl

Das Gefühl der Gebor­gen­heit im Mut­ter­leib ist wohl der Ursprung von „zu Hause”. Es ist warm und dun­kel, das Blut rauscht, Stim­men von außen klin­gen gedämpft und ver­zerrt, das Herz der Mut­ter schlägt, man muss nichts machen, kein Leis­tungs­zwang, keine Geschäf­tig­keit, ein­fach nur wach­sen. Zu Hause fühlt man sich somit dann, wenn man gebor­gen, behü­tet und aner­kannt ist.

Es ist ein Gefühl, das sich durch ver­schie­dene Umstände ein­stellt, ein ver­trau­ter Ort, eine ver­traute Umge­bung, ver­traute Men­schen, die Liste ließe sich belie­big fort­set­zen. Als Thea­ter­mensch ist man auf der Bühne „zu Hause”, als Auto­fah­rer in sei­nem Wagen, als Alpi­nist in den Ber­gen. Es ist immer etwas Ver­trau­tes dabei und auch Vertrauen.

Bezug zum Stück

Im Thea­ter­stück ist der Prot­ago­nist auf der Suche nach sei­nem Zuhause, weiß aber nicht, wo das ist. Er begeg­net ver­schie­de­nen Per­so­nen, die ihn zum Taxi­stand, zur Post, zum Hotel schi­cken. Aber so rich­tig ist das alles nicht, was er sucht. Er weiß am Ende nicht mehr als vorher.

Im Stück wird die Suche nach dem Zuhause von allen Cha­rak­te­ren als die Suche nach einem bestimm­ten Ort inter­pre­tiert. Aber ein bestimm­ter Ort kann die Sehn­sucht des Haupt­dar­stel­lers nicht befrie­di­gen, er sucht sein Zuhause auf einer ande­ren Ebene.