Im ETH Life erschien jetzt ein Artikel über unser Theaterstück „Die Lästerschule”. Ich spiele Joseph Surface, einen sehr unangenehmen, aber spannend zu spielenden Zeitgenossen.
Im ETH Life erschien jetzt ein Artikel über unser Theaterstück „Die Lästerschule”. Ich spiele Joseph Surface, einen sehr unangenehmen, aber spannend zu spielenden Zeitgenossen.
Was für ein Stück! Ich bin beeindruckt, schwelge immer noch in süßen Erinnerungen. Genial Tom Quaas als machtbesessener Tyrann, der für die Königskrone über Leichen geht und dann, am Ziel seiner Träume, unfähig ist zu regieren. Seine Wandlung vom eiskalten Machtmenschen zum wahnsinnigen, selbstzerstörerischen Diktator war wunderbar zu beobachten.
Was ich nicht ganz so toll fand, war die Bühnentechnik, die im Übermaß eingesetzt wurde. Ständig drehte sich eine Wand oder ein Bogen im Kreise herum, diese Drehscheibe nahm einen Großteil der Bühne ein und zwang die Schauspieler gelegentlich zu lustig anzuschauenden Seitwärtsschritten, die so aussehen sollten, als blieben sie am Fleck.
Zitate
Nun ward der Winter unsers Mißvergnügens
Glorreicher Sommer durch die Sonne Yorks;
Die Wolken all, die unser Haus bedräut,
Sind in des Weltmeers tiefem Schoß begraben.
Ein Pferd! ein Pferd! mein Königreich für ein Pferd!
Das Dresdner Staatsschauspiel spielt am 21. Juni das Stück „Richard III.” (William Shakespeare). Wen jemand Lust hat mitzukommen, bitte melden. Anbei noch die Stückbeschreibung:
In England ist endlich Frieden, ein Frieden, mit dem Richard, Herzog von Gloster, nichts anzufangen weiß. So setzt er sich ein Ziel. Machtwille und Verachtung aller geltenden Normen werden von da ab seine Zukunft bestimmen. Zurückgesetzt von Natur und Menschen, brennt Richard für »seine« Aufgabe. Entschlossenes Handeln, überlegene Intelligenz, Virtuosität in der Fähigkeit, sich selbst Feinde gefügig zu machen, ebnen dem Herzog von Gloster den Weg zur Macht, zum Königsthron. Er wird Richard III sein. Lüge und Verrat, Meineid und Mord haben ihn begleitet, bis ihm, endlich im Besitz der Krone, Angst vor dem Verlust des Throns den Blick für die notwendigen nächsten Schritte zum Machterhalt verstellt. Ein Entwurf für die Zukunft Englands wäre notwendig, Richard aber hat kein Programm für Friedenszeiten. Und so beginnt der unaufhaltsame Abstieg des machthungrigen Richard III.
Noch acht Tage bis zur Show! Langsam wird es ernst, Mike (Regisseur) erinnert gerade an wichtige Dinge. Allem voran steht natürlich das Kennen der eigenen Zeilen. Aber auch Requisiten, Kostüme und Öffentlichkeitsarbeit spricht er an, um den Erfolg der Aufführungen zu gewährleisten. Nun wird es ernst, ein erneuter „full run” wird wohl in wenigen Minuten beginnen.
Davor gibt es immer ein paar andächtige Minuten, Mike leitet uns durch eine Art Meditation. Er sagt, dass wir diesen Tag vergessen sollen, die vielen kleinen Ärgernisse und Plagen. Dann sollen wir uns vorstellen, durch Raum und Zeit zurückzugehen, in jene 50er Jahre, die den Hintergrund des Stückes darstellen. Andere Sitten, andere Frisuren, andere Autos, andere Träume und Sorgen — wir streifen unser altes Ich ab und nehmen eine neue Identität an. Dieser Wandel ist für mich, zugegebenermaßen nicht gerade schwierig, spiele ich doch nur einen anonymen Mann, der am Beginn zusammengeschlagen wird, und später einen Polizisten. Trotzdem, diese ruhigen, kontemplativen Minuten vor der eigentlichen Probe sind angenehm, sie verleihen diesem Augenblick Weihe. Sie lassen all die privaten Gespräche verstummen, die durch den Raum schwirren. Sie machen aus einem Haufen Leute eine Theatergruppe.
In eingespielter Weise nehmen wir unsere Positionen ein, ich stehe allein rechts auf der Bühne, während sich die „Gang” links gruppiert. Auf der Bühne wird es dann völlig dunkel sein, mein Pfeifen wird das erste sein, was das Publikum vernimmt. Sodann nähere ich mich der Mitte, der einzig beleuchteten Stelle zu diesem Zeitpunkt. In diesem Augenblick kommt mir der Anführer der Gang (Buzz) entgegen und tritt ebenfalls in den Lichtkegel. Ich verstumme. Dann fordert er mich auf, mein Pfeifen fortzusetzen, während die anderen Gang-Miglieder mich umzingeln. Ich werde immer nervöser, Buzz fragt nach Zigaretten. Sichtlich beängstigt suche ich welche heraus, biete sie an. Aber er besteht darauf, dass ich selbst eine rauche. Er würde sie mir sogar anzünden.
In dem Moment, als ich mich vorbeuge, trifft er mich mit der Faust in den Magen, ich äußere ein in dieser Situation angemessenes Geräusch. Mein Versuch, nach links zu entkommen, wird von zwei grimmigen Mitmenschen vereitelt, ich finde mich inmitten der Gruppe und auf dem Boden liegend wieder. Dann trampeln alle auf dem Boden in meiner Nähe herum und ich schreie. So, als würde ich gerade zusammengetreten. Mit dem Schrei „Bastards!” krieche ich in eine Richtung und humpele von dannen. Die Gang folgt mir.
Das war also mein glorreicher erster Auftritt. Nun ist’s eine lange Durststrecke bis zum dritten Akt, meinem finalen Auftritt als Polizist. Währenddessen sitze ich also herum und schreibe das hier. Die vielen anderen Untätigen sitzen ebenfalls herum, manche an ihren Laptops. Einige sind auch draußen und erhöhen ihre Chancen auf bestimmte Krankheiten.
Das Stück läuft unterdessen weiter, anscheinend ohne größere Probleme. Heute ist der erste Tag, an dem keine Zeilen mehr vorgesagt werden. Aber bisher gab es noch keine Hänger, das lässt hoffen. Das Maß an Konzentration und Professionalität ist heute abend ziemlich hoch, es ist fast schon erstaunlich für diese Chaoten-Truppe.
Yesterday we read the whole piece (Rebel Without a Cause), every one his role. I was Officer 1, had not to say that much. But it was all right and I also have the glorious part of shooting Plato, when he plays with his gun and doesn’t want to give it to somebody.
Then Mike came up to me and suggested me to perform as the man of the opening scene. He basically is beaten up and runs away. I agreed, thinking that could not be too difficult.
Today we practiced that very scene and something more, where I have no part in. It turned out to be a very difficult part, as it involved a lot of action. I enter the stage, whistling. Then Buzz confronts me, asking for a cigarette. Meanwhile the other members of the gang circle around me. Buzz insists on me smoking a cigarette, offering fire. In the very moment I lean forward he strikes me in my stomach. Moreover, he pretends it, but it all has to look real. So I grunt and try to run away. But they get me and throw me on the ground. Now they are stamping on the ground and I am crying hell. And this is the tricky thing. To cry like hell, and this several times. In the end I crawl away and run. It’s not that much but to pretend to be beaten up really is tricky, I can tell you.
Impressive for me was the way Mike directed the whole thing. In the beginning we gathered all on the stage and he asked us to close our eyes. He walked around and told us to think about all that trouble of today, and to forget it. Now we should imagine to go 50 years back, in a different time, in different characters. And then we were to open our eyes again and to start it. I liked it, this suggestive little show. And we concentrated.