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Tag: Ton

Ich habe eine Erinnerungs-​​DVD für alle Betei­lig­ten der akitiv-​​Produktion 2009 „Arka­dien” (Tom Stop­pard) erstellt. In die­sem Bei­trag erkläre ich die tech­ni­schen Schwie­rig­kei­ten, die mit der Erstel­lung eines Theater-​​Videos ver­bun­den sind.

Warum ein Video?

Eine Thea­ter­pro­duk­tion ist ein zeit­lich sehr klar defi­nier­tes Pro­jekt. Man probt für eine Weile, spielt ein paar Mal, fei­ert — und das war’s. Was bleibt, sind die Erin­ne­run­gen. Und die Fotos. Und, wenn man sich die Mühe macht, eine Video­auf­zeich­nung. Die beweg­ten Bil­der sind am ehes­ten in der Lage, die Pro­duk­tion so wie­der­zu­ge­ben, so wie sie war.

Bis­lang hat­ten wir die Video-​​Aufzeichnung einer Kamera, die hin­ter den Zuschau­ern posi­tio­niert war. Im Zuge unse­rer zuneh­men­den Pro­fes­sio­na­li­sie­rung beim aki­tiv habe ich dies­mal ein Video mit ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven erstellt. Dabei konnte ich das Video­ma­te­rial von drei Auf­füh­run­gen nut­zen. Damit ent­stand zwar noch kein Hollywood-​​Film, aber eine sehr brauch­bare Auf­zeich­nung mit wech­seln­den Per­spek­ti­ven und damit einem noch nie dage­we­se­nen Grad von Lebendigkeit.

Nach­fol­gend die erste Szene, ihr braucht zum Anschauen Apple QuickT­ime oder ein ande­res Abspielprogramm.

Wie haben wir das Video gemacht?

Belich­tung

Wäh­rend der Video­auf­zeich­nung vor Ort ist die kor­rekte Belich­tung das größte Pro­blem. Denn die Licht­ver­hält­nisse beim Thea­ter sind ganz anders als beim Fil­men, es gibt zu wenig Licht. Die auto­ma­ti­sche Ein­stel­lung für die Belich­tung ist auf Tages­licht aus­ge­rich­tet, mit dem schwar­zen Büh­nen­hin­ter­grund und den weni­gen hel­len Stel­len — den Schau­spie­lern — stellt die Auto­ma­tik einen zu hel­len Wert ein. Der schwarze Hin­ter­grund wird zu einem ver­rausch­ten Dun­kel­grau und die Gesich­ter zu hel­len, kon­tur­lo­sen Fle­cken. Des­halb muss­ten wir die Belich­tungs­zeit (Shut­ter) manu­ell ein­stel­len, was bei Licht­wech­seln pro­ble­ma­tisch war.

Auto­fo­kus

Die auto­ma­ti­sche Fokus­sie­rung war auch nicht immer erfolg­reich. Vor allem, wenn Leute aus der Bild­mitte raus­ge­hen und dort nur noch schwar­zer Hin­ter­grund ist, bekommt die Kamera Pro­bleme und die Auf­nahme wird unscharf. Oft musste ich des­halb zu einer ande­ren Ein­stel­lung wech­seln, was einen eigent­lich nicht not­wen­di­gen Schnitt ver­ur­sachte. Ideal wäre auch hier ein manu­el­les Fokus­sie­ren durch einen geüb­ten Kame­ra­mann, aber dafür war unsere ein­fa­che Video­ka­mera nicht geeignet.

Ton

Da wir an drei ver­schie­de­nen Tagen gefilmt hat­ten, gab es leichte Unter­schiede bei den Publi­kums­re­ak­tio­nen und dem Timing der Schau­spie­ler. Des­halb konn­ten wir nicht eine ein­zige Ton­spur ver­wen­den, son­dern muss­ten den Ori­gi­nal­ton jeder Auf­nahme für die jewei­lige Sequenz ein­set­zen. Ein schnel­ler Wech­sel zwi­schen zwei Per­spek­ti­ven kann also zu einem wahr­nehm­ba­ren Ton­sprung füh­ren, spe­zi­ell beim Ein­satz der Klaviermusik.

Pro­gramme

Nach Abschluss der Auf­zeich­nung habe ich mit der Hilfe von Adobe Pre­miere Pro CS4 und Adobe Encore CS4 eine Erinnerungs-​​DVD für die Betei­lig­ten erstellt. Beide Pro­gramme sind sehr umfang­reich und kom­plex zu bedie­nen, aber gewäh­ren auch alle denk­ba­ren Mög­lich­kei­ten zur Gestaltung.

Was kann man bes­ser machen?

Bei einem grö­ßer ange­leg­ten Pro­jekt würde man wahr­schein­lich eine Auf­füh­rung gleich­zei­tig mit meh­re­ren Kame­ras fil­men und den Ton mit meh­re­ren auf der Bühne ver­teil­ten Mikro­fo­nen auf­zeich­nen. Damit hätte man eine gute Ton­spur, zu der man dann die pas­sende Kame­ra­ein­stel­lung schnei­det. Und die Kame­ra­leute wür­den alles von Hand machen, also die Belich­tung, den Weiß­ab­gleich und die Foku­sie­rung. Damit wäre das Mate­rial von vorn­her­ein von höhe­rer Qua­li­tät und das Schnei­den ent­spre­chend einfacher.

In einem zwei­ten Schritt kann man auch ein Dreh­buch ent­wi­ckeln, um die Abfolge der Sze­nen im Vor­aus zu pla­nen. Dann kann man auch die Ele­mente der Film­spra­che ver­wen­den, um bei dra­ma­ti­schen Sze­nen schnell umzu­schnei­den, bei emo­tio­na­len Mono­lo­gen eine Nah­auf­nahme des Schau­spie­lers dabei zu haben oder bei Dia­lo­gen eine halb­nahe Per­spek­tive zu wäh­len. Auch die Posi­tion der Kame­ras könnte man dann vor­aus­pla­nen und spe­zi­elle Ein­stel­lun­gen — z. B. von der Seite — rea­li­sie­ren. Aber damit wäre man schon fast bei der Dimen­sion eines Film­pro­jek­tes und ein ent­spre­chen­des Bud­get müsste bereit stehen.

Die aktu­elle Aus­stel­lung des Strau­hof Zürich befasst sich mit Ton­do­ku­men­ten von Dich­ter­stim­men. Da es das noch nicht so lange gibt (tech­nisch bedingt), war die zeit­li­che Dimen­sion schon mal auf die ver­gan­ge­nen reich­lich 100 Jahre beschränkt. Inhalt­lich wur­den deutsch­spra­chige Auto­ren genom­men, aus Deutsch­land, Öster­reich und natür­lich der Schweiz. Die Auf­tei­lung des Mate­ri­als auf Räume wurde nach dem Kon­text vor­ge­nom­men, so gab es Gesprä­che, Lesun­gen, Reden, Dar­stel­lun­gen (bis hin zum Poe­try Slam), Rundfunk/​TV und andere Kategorien.

Das Schöne für mich war, dass ich viele „Bekannte” wie­der­sah und neue Ver­bin­dun­gen her­stel­len konnte. Unver­gess­lich Paul Cel­ans Todes­fuge, vor­ge­tra­gen vom Autor selbst mit sehr star­ker Beto­nung, lei­der unüb­lich für Lesungen.

  • Ulrike Mein­hof las 1967 einen Arti­kel zu den Stu­den­ten­un­ru­hen, journalistisch-​​literarisch,
  • Hein­rich Böll nahm in einem Tele­fon­in­ter­view 1977 Stel­lung zu der Durch­su­chung der Woh­nung sei­nes Soh­nes durch 40 Beamte eines Son­der­ein­satz­kom­man­dos (ein Denun­zi­ant hatte sei­nen Sohn belas­tet, Böll wurde geis­tige Nähe zu den Ter­ro­ris­ten vorgeworfen),
  • Christa Wolf spricht 1989 in Ber­lin zu den Demonstranten,
  • Peter Handtke belei­digt sein Publi­kum (die Publi­kums­be­schimp­fung habe ich 2004 zum Geburts­tag mit eini­gen Freun­den aufgeführt),
  • Tho­mas Mann spricht 1944 per Radio zu den Deut­schen, er legt dar, dass der Krieg ledig­lich nach Deutsch­land zurück kehre, die Bom­bar­die­rung sei­ner Hei­mat­stadt Lübeck recht­fer­tigt er mit Coventry,
  • Ernst Jandl spielt mit Sprache,
  • Joa­chim Rin­gel­natz sächselt,
  • Fried­rich Dür­ren­matt äußert sich kri­tisch über die Schweiz (die Ein­woh­ner seien zugleich Gefan­gene, Wär­ter und frei),
  • Max Frisch beob­ach­tet Neger (damals durfte er das noch so sagen) in New York und greift die Ungleich­be­hand­lung an,

Ansons­ten waren der Gestal­tung vor allem tech­ni­sche Schran­ken auf­er­legt. Da in eini­gen Kabi­nen Filme lie­fen, musste alles gut gedämpft sein, um die Stim­men der Dich­ter wir­ken zu las­sen. Dem­ent­spre­chend kam wei­ßes Poly­sty­rol und ähnli­ches Dämpf­ma­te­rial zum Ein­satz. Die Ästhe­tik der ein­ge­zo­ge­nen Wände hielt sich des­halb etwas in Gren­zen, aber im Vor­der­grund stan­den ja die Stimmen.