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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

Archiv

Tag: TU Dresden

In der bühne, dem Studenten-​​Theater der TU Dres­den wurde heute für eine schau­er­lich geringe Anzahl von Besu­chern besag­tes Stück gege­ben. Mit Anke und Robert war ich dort.

Das Stück war vor allem unter­halt­sam, sechs Extrem­ty­pen von Män­nern tref­fen sich und ver­brin­gen einen feucht-​​fröhlichen Abend zusam­men. Alle sind auf die eine oder andere Weise frus­triert von der Damen­welt. Im Laufe des Abends gibt es dann zahl­rei­che Spiele, der Höhe­punkt war eine Karaoke-​​Session.

Vorlesung über Kafka

Mai 25
Allgemein

Durch Zufall habe ich heute einer Vor­le­sung über Franz Kafka beige­wohnt. Wir hat­ten die große Holz­platte für den Robot­er­wett­be­werb in einem Hör­saal auf­ge­baut und waren gerade am Tes­ten, als plötz­lich immer mehr Stu­den­tin­nen in den Raum ström­ten. Ihre Vor­le­sung war — ohne unser Wis­sen — hier­hin ver­legt wor­den, wir muss­ten wei­chen. Ich blieb, reihte mich ein unter die Ger­ma­nis­tin­nen. Denn es sollte um Kafka gehen, ein Schrift­stel­ler, der zwar nicht zu mei­nen abso­lu­ten Favo­ri­ten zählt, aber den ich den­noch als wich­ti­gen Autor empfinde.

Frag­men­tie­rung

Am inter­es­san­tes­ten fand ich die anfäng­li­chen Aus­füh­run­gen zur Frag­men­tie­rung des Wer­kes von Franz Kafka. Diese Frag­men­tie­rung unter­teilte der Dozent in drei Ebe­nen: her­vor­ge­ru­fen durch Krank­hei­ten und den frü­hen Tod Kaf­kas, durch die nur teil­weise Über­lie­fe­rung des Wer­kes und wil­lent­li­che Frag­men­tie­rung. Letz­tere ist natür­lich beson­ders inter­es­sant, das bewusste Offen­las­sen von Roma­nen, das abrupte Been­den. Kaf­kas Arbeits­weise soll auch der­ge­stalt gewe­sen sein, dass er stets nur Frag­mente schrieb, die man lose anein­an­der­set­zen kann, da sie Anknüp­fungs­punkte besitzen.

Bezug zu Weblogs

Mir fiel dazu ein, dass Weblog-​​Einträge, so man sie als lite­ra­ri­sche Aus­drucks­form betrach­tet, eine ähnli­che Form dar­stel­len. Sie stel­len Frag­mente dar, spre­chen in ers­ter Linie für sich selbst. Anknüp­fungs­punkte kön­nen über Links leicht her­ge­stellt wer­den. Schon seit eini­ger Zeit treibt mich die Idee um, wie man Lite­ra­tur und Web­logs ver­ei­nen könnte. Ich sehe da ein­fach ein gewis­sen Poten­zial, da Web­logs mit ihren tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten eine bestimmte Art der lite­ra­ri­schen Dar­stel­lung ermög­li­chen. Nicht für einen streng linea­ren Roman, aber gerade für die frag­men­ta­ri­sche Dar­stel­lung, die asso­zia­tiv ver­knüpft wer­den kann, erscheint mir das Inter­net mit sei­nen Mög­lich­kei­ten ein geeig­ne­tes Medium.

Diplomverteidigung

Apr 20
Allgemein

Ich stehe auf und gehe nach vorn. Der Moment ist gekom­men, ein letz­ter Vor­trag, ein letz­tes Mal Fra­gen beant­wor­ten müs­sen, dann wird es vor­über sein. Ich schaue in die Runde. Prof. Ger­lach sitzt mir gegen­über in der Mitte, neben ihm Dr. Nor­kus im unge­wohn­ten Anzug. Einige Mit­ar­bei­ter des Insti­tuts haben sich zu so frü­her Stunde ein­ge­fun­den. Und zu bei­den Sei­ten sit­zen Freunde, die mich mit ihren freund­li­chen gespann­ten Mie­nen still anfeu­ern. Der Vor­trag beginnt, ich habe ihn nicht geübt, die Worte flie­ßen, erst etwas hol­pe­rig, dann immer besser.

Die letzte Nacht habe ich schlecht geschla­fen, mich stun­den­lang her­um­ge­wälzt. Es waren wahr­schein­lich nur wenige Stun­den Schlaf, die ich bekom­men habe. Die letzte Woche war ein wenig stres­sig gewe­sen, da ich noch ein Pos­ter anfer­ti­gen und die Prä­sen­ta­tion ver­be­rei­ten musste. Und zuvor hatte ich mich in der End­phase der Arbeit befun­den, Kor­rek­tu­ren ein­ge­baut, Gra­fi­ken neu gezeich­net, immer wie­der Sätze ver­än­dert, Absätze umfor­mu­liert, Glie­de­run­gen über­dacht. Es reicht jetzt. Nur noch die­sen Vor­trag, dann ist Schluss.

Wahr­schein­lich wirke ich ent­spannt und sou­ve­rän, zu oft habe ich Rhetorik-​​Trainings absol­viert, als dass man mir Auf­re­gung ansähe. Ich bin auf­ge­regt, inner­lich, aber irgend­wie auch müde und abge­spannt. Ich bin fer­tig mit die­sem Thema, die Arbeit ist geschrie­ben, die Anre­gun­gen und Fra­gen zwar nett und hilf­reich, aber zu spät. Eigent­lich stehe ich auch nicht selbst da vorn. Es ist jemand anders, den ich für sol­che Zwe­cke in der Hin­ter­hand habe. Ein Teil von mir, der sich durch Rhetorik-​​Seminare lang­sam ent­wi­ckelt hat. Auf jeden Fall kommt mir die Situa­tion nicht wirk­lich vor, ich stehe neben mir, wie in einem Traum.

Es ist vor­bei. Der Vor­trag kam gut an, die Fra­gen eini­ger­ma­ßen intel­li­gent beant­wor­tet, die Hände geschüt­telt, die Glück­wün­sche ent­ge­gen­ge­nom­men, gelä­chelt, gelä­chelt. Der Pro­fes­sor wünscht eine steile Kar­riere, ich weiß damit nichts so recht anzu­fan­gen. Mal wie­der bin ich über diese Wir­kung von mir erstaunt, dar­über, wie ent­schlos­sen und ziel­stre­big ich wirke. Aber so rich­tig Zeit zum Nach­den­ken bleibt nicht, schon in weni­gen Stun­den fahre ich los nach Wro­claw, die nächs­ten Wochen sind alle­samt ver­plant. Meine Zukunft liegt vor mir, ver­hei­ßungs­voll und doch ungewohnt.

Die Wür­fel sind gefal­len. Heute habe ich drei Exem­plare mei­ner Diplom­ar­beit abge­ge­ben. Damit geht nun auch das letzte Kapi­tel mei­nes Stu­di­ums zu Ende. Nächste Woche (20.04. — 8:00 im BAR I/​85) fin­det dann auch schon die Ver­tei­di­gung statt, wenig spä­ter (ich bin da mal opti­mis­tisch, was die Fähig­kei­ten unse­res Prü­fungs­am­tes angeht) werde ich das Diplom­zeug­nis in mei­nen Hän­den hal­ten. Und dann — war’s das.

Was bleibt, sind diese boh­ren­den Fra­gen. Was kann ich eigent­lich? Hätte ich nicht doch Kunst­ge­schichte und Phi­lo­so­phie stu­die­ren sol­len? Muss ich ab jetzt so rich­tig zei­tig aufstehen?