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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: Vorbereitung

Mor­gen zählt es, wir dre­hen eine Dialog-​​Szene in ver­schie­de­nen Ein­stel­lun­gen mit Schein­wer­fern und allem, was dazu gehört. Sicher­lich kom­men wir nicht an die Aus­stat­tung eines pro­fes­sio­nel­len Film­sets heran, aber für uns Kamera-​​Neulinge wird es trotz­dem auf­re­gend genug sein. Denn viele Ver­su­che gibt es nicht, eine Ein­stel­lung kann auf­grund so vie­ler tech­ni­scher Män­gel raus­fal­len, dass es wenig Spiel­raum für Feh­ler beim Schau­spie­ler gibt.

Eine gute Vor­be­rei­tung der Szene ist des­halb extrem wich­tig. Ich habe mir die Seite aus­ge­druckt und die freien Rän­der für meine Anmer­kun­gen genutzt. Ich gehe dabei sys­te­ma­tisch vor.

  1. inhalt­li­che Gliederung
  2. emo­tio­nale Gliederung
  3. Stich­worte des Dia­log­part­ners für Reaktionen
  4. Beto­nung, Bedeu­tung des eige­nen Textes

Span­nend an der Szene ist, dass wir zwei Inter­pre­ta­tio­nen ablie­fern sol­len. Inhalt­lich geht es um den plötz­li­chen Tod von Mimmo, Per­son 2 hadert mit dem Schick­sal. Meine Rolle ist Per­son 1, wel­che an grö­ßere Zusam­men­hänge glaubt und Per­son 2 trös­tet. Mir selbst ist eine sol­che Welt­sicht fremd, umso span­nen­der, diese Sätze glaub­haft zu spre­chen. Am Ende offen­bart Per­son 1 noch, dass auch sie kürz­lich den Tod ihrer Mut­ter ver­kraf­ten musste, ein sehr emo­tio­na­ler Abschluss der Szene.

In der ers­ten, nahe­lie­gen­den Inter­pre­ta­tion ist Per­son 1 ein streng­gläu­bi­ger Pfar­rer. Damit machen die Aus­sa­gen Sinn, Gott ist gemeint, wenn auch nicht direkt im Text ange­spro­chen (Alles ist irgend­wie Teil eines grö­ße­ren Gan­zen.) Und streng­gläu­big sagt auch wenig über den Cha­rak­ter aus, es kann ein ein­fühl­sa­mer oder ein arro­gan­ter streng­gläu­bi­ger Pfar­rer sein. Aber ein­fühl­sam passt bes­ser zum Text, so dass ich es auf diese Art inter­pre­tie­ren werde. Ges­tisch sehe ich die aus­ge­brei­te­ten Arme mit nach außen geöff­ne­ten Hän­den und einen nach oben gewand­ten Blick, aber im direk­ten Gespräch passt das nicht wirk­lich. Ein gele­gent­li­cher Blick ins Weite muss genü­gen. Inner­lich werde ich Zwie­spra­che mit Gott hal­ten oder an das Vater­un­ser den­ken, da kommt mir meine katho­li­sche Kind­heit zugute.

Die zweite Inter­pre­ta­tion ist deut­lich anspruchs­vol­ler, zwei Räu­ber unter­hal­ten sich nach einem miss­glück­ten Über­fall. Per­son 1 ist aggres­siv, bewaff­net und frus­triert. Das gibt dem Text eine ganz andere Bedeu­tung. Ich inter­pre­tiere es mal als arro­gant, meine ver­wun­dete Kum­pa­nin auf die gro­ßen Zusam­men­hänge hin­zu­wei­sen (Ich glaube nicht an Zufälle.) und denke mir inner­lich, dass sie es ver­bockt hat. Die Sache mit der toten Mut­ter ist dann natür­lich extrem unpas­send, ich ver­su­che es mal nicht ernst gemeint. Obwohl Per­son 2 dann extrem naiv wirkt, wenn es ihr leid tut. Alter­na­tiv könnte Per­son 1 tat­säch­lich ihre Mut­ter ver­lo­ren haben, dann muss der Übergang von Frus­tra­tion und Aggres­si­vi­tät zum offe­nen, emo­tio­na­len Gespräch bewäl­tigt wer­den. Ich bin auf Marco’s Regie gespannt.

Der Theater-​​Monolog kann zur Stern­stunde eines Schau­spie­lers wer­den. Du hast die Bühne ganz für dich allein und an dir allein liegt es auch, ob sich die Zuschauer präch­tig amü­sie­ren oder zu Tode lang­wei­len. Was macht einen guten Mono­log aus? Wie berei­test du dich opti­mal dar­auf vor?

Gute Mono­loge, schlechte Monologe

Bei einem guten Mono­log schaffst du es, deine Gedan­ken und Erin­ne­run­gen leben­dig wer­den zu las­sen. Die Zuschauer sehen, was du siehst, hören, was du hörst und spü­ren, was du spürst. Und das, obwohl das alles nicht real ist, son­dern der Feder eines Autors ent­sprang. Das wich­tigste an einem guten Mono­log ist also Leben­dig­keit und Authentizität.

Lei­der kann man auf der Bühne oft das Gegen­teil beob­ach­ten. Die Schau­spie­ler rat­tern den Text run­ter, man lang­weilt sich und schal­tet nach ein paar Sät­zen ab. Es fehlt die Leben­dig­keit, der Text ist dem Dar­stel­ler fremd geblie­ben, man sieht keine Bil­der, hört keine Klänge, spürt nichts außer dem Wunsch, dass der Mono­log bald ein Ende haben möge.

Vor­be­rei­tung

Eine span­nende Vor­übung ist das Erzäh­len einer per­sön­li­chen Geschichte auf der Bühne. Diese wir­ken meist sehr leben­dig, da du direkt aus dei­nem Leben erzählst und echt berührt bist. Und du wirst die Geschichte auch nicht streng chro­no­lo­gisch erzäh­len, immer wie­der springst du hin und her zu den Bil­dern, wel­che die Erin­ne­rung gerade her­gibt. Es ist auch nicht per­fekt gespro­chen, du stockst, suchst nach Wor­ten, ver­has­pelst dich, lässt Sätze unvoll­en­det – all das trägt zum leben­di­gen und authen­ti­schen Cha­rak­ter bei.

Bei einem Theater-​​Monolog ver­suchst du nun, mög­lichst viel von dei­ner per­sön­li­chen Erzähl­weise zu ret­ten, ganz wird es dir nicht gelin­gen. Es bleibt ein­fach ein Riesen-​​Unterschied, ob du dich an etwas erin­nerst, was du wirk­lich erlebt hast oder ob du einen dir frem­den Text verwendest.

Wei­tere Tech­ni­ken sind die sen­so­ri­sche Erar­bei­tung von Emo­tio­nen (Sin­nes­reise, Aus­lö­ser für Emo­tio­nen fin­den und kul­ti­vie­ren) und Rol­len­mo­delle (wir pro­bie­ren das gerade mit Tie­ren, Men­schen gehen natür­lich auch). Denn selbst wenn es dir gelingt, den Mono­log leben­dig zu gestal­ten, musst du immer noch in der Rolle sein und den Cha­rak­ter plas­tisch darzustellen.

TEZET Oer­li­kon

Es ist nicht weit vom Bahn­hof Oer­li­kon, das Gemein­schafts­zen­trum mit der cha­rak­te­ris­ti­schen Abkür­zung TEZET. Es befin­det sich in einem alt­ehr­wür­di­gen Haus in einem unspek­ta­ku­lä­ren Braun­ton. Als ich weit vor der abge­mach­ten Zeit dort schlen­dern ankomme, ist nicht viel los im Zen­trum. Zwei junge Mäd­chen in Sport­sa­chen kichern im Kel­ler, aber ein hand­ge­schrie­be­ner Zet­tel mit gro­ßen rosa Buch­sta­ben weist mir den Weg nach oben. Hel­les Trep­pen­haus, alles ange­schrie­ben, geräu­mige Toi­let­ten mit schwer ver­ständ­li­chen Sym­bo­len für Männ­lein und Weib­lein, ich muss mehr­mals hin­schauen und bin doch nicht ganz sicher, dass ich im rich­ti­gen ver­schwinde. Der Kurs­raum ist anonym und hell, es gibt viele und große Fens­ter, hel­les Par­kett, ansons­ten prak­ti­sche Sta­pel­ti­sche und Holz­stühle, Blech­schränke und auf den Schrän­ken alle mög­li­chen Spiel­sa­chen. Zwei Leute sind schon drin, wei­tere tref­fen ein.

Theo­rie

Wir sol­len Noti­zen machen, viele. Denn es gilt die Kau­sal­kette des Lernens:

Gesagt ist noch nicht gehört,
gehört ist noch nicht ver­stan­den,
ver­stan­den ist noch nicht ein­ver­stan­den,
ein­ver­stan­den ist noch nicht getan,
getan ist noch nicht beibehalten.

Das ist schon mal das erste, was wir auf­schrei­ben. Ich muss zurück an die Uni den­ken, und an die Schule. Denn nach­her kam es bei mir sel­ten vor, dass ich flei­ßig mit­schrieb. Ein­mal, bei einem Kun­den­ter­min hatte ich kein Schreib­zeug dabei, dann wäre es wich­tig gewe­sen, um Auf­merk­sam­keit zu signa­li­sie­ren. Und nach mei­nen Vor­trä­gen wäh­rend des Dok­to­rats schrieb ich immer emsig die Kom­men­tare mei­nes Profs mit. Aber ansons­ten ist mir diese ana­loge Art der Auf­zeich­nung fremd gewor­den und ich emp­fand es als erfrischend.

Ein wei­te­res Argu­ment für das Mit­schrei­ben ist die Ver­gess­lich­keit. Unser Gedächt­nis merkt sich nur 15% des Gehör­ten, 25% des Gese­he­nen, 60% des Gehör­ten und gleich­zei­tig Gese­he­nen und 75% des selbst gemach­ten. So in der Form habe ich schon oft Sta­tis­ti­ken ver­nom­men, jedoch hatte ich dar­aus immer abge­lei­tet, alles aus­zu­pro­bie­ren und mög­lichst selbst zu machen. Auf­schrei­ben ist aber mal ein Anfang und zwingt einen zur Ver­ar­bei­tung und Klarheit.

Neben den Noti­zen sol­len wir auch ein Tage­buch zu den ein­zel­nen Lek­tio­nen füh­ren und unse­rem Lei­ter schi­cken. Für mich bie­tet sich die­ses Web­log als Medium dafür an, gege­be­nen­falls ergänzt durch pri­vate Aufzeichnungen.

Der erste Eindruck

Eine aus­ge­wählte Stu­die [1] zeigt, dass man einige Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten von Men­schen sehr schnell, zum Bei­spiel anhand kur­zer Video­auf­nah­men, ana­ly­sie­ren kann. Von den fünf wich­ti­gen Charakter-​​Eigenschaften (Big Five) las­sen sich Gesel­lig­keit (Extro­ver­sion) und Offen­heit für neue Erfah­run­gen beson­ders gut ein­schät­zen. Weni­ger gut hin­ge­gen konn­ten die Test­per­so­nen Aus­sa­gen zu Neu­ro­ti­zis­mus, Gewis­sen­haf­tig­keit und Gut­her­zig­keit machen. Die Intel­li­genz eines Men­schen lässt sich eben­falls bereits nach kur­zem Ken­nen­ler­nen erstaun­lich gut beur­tei­len, beson­ders auf­schluss­reich ist die Art und Weise, wie die Beur­teil­ten Zei­tungs­schlag­zei­len lesen.

Wich­tig für die schau­spie­le­ri­sche Arbeit ist die Kennt­nis des eige­nen ers­ten Ein­drucks. Nur dann kann man ent­we­der damit arbei­ten oder aber – bei ent­ge­gen­ge­setz­tem Rol­len­pro­fil – bewusst gegensteuern.

Übung zum ers­ten Eindruck

Span­nend war die prak­ti­sche Umset­zung die­ses Kon­zepts. Bis dahin hatte vor allem Marco gespro­chen, der Kurs­lei­ter. Wir Kurs­teil­neh­mer waren mit Zuhö­ren und Noti­zen­ma­chen beschäf­tigt. Jetzt teilte uns Marco in Zwei­er­grup­pen ein, ich kam gegen­über Flu­rina zu sit­zen. Wir hat­ten ein paar Minu­ten Zeit, um den ande­ren anzu­schauen, dann soll­ten wir ihn vor­stel­len. Gespro­chen wurde kein Wort.

Ich kam mir vor wie Sher­lock Hol­mes im kürz­lich her­aus­ge­kom­me­nen Kino­film. Die neue Freun­din von Dr. Wat­son fragt Hol­mes, was er über sie aus­sa­gen könne. Und Hol­mes legt los, mit sei­ner Manie für Details kann er extrem viele rich­tige Aus­sa­gen tref­fen. Ich war weit davon ent­fernt. Beim Alter ver­schätzte ich mich extrem, beim deutsch-​​französischen Eltern­haus genauso. Aber dafür weiß ich jetzt, wie ich wirke: musi­ka­lisch, wil­lens­stark, zurück­hal­tend, farb­ver­ach­tend, sport­lich. Ich hatte meine schwar­zen Thea­ter­sa­chen und Turn­schuhe an, meine Fin­ger sind lang und erin­nern viele an die eines Pia­nis­ten und mein Gesichts­aus­druck an die­sem Abend war anschei­nend zurück­hal­tend und ent­schlos­sen zugleich.

Span­nend war, wie stark die Wahl von Klei­dung und Schmuck die ent­ste­hen­den Cha­rak­te­ri­sie­run­gen beein­flusste! Eine Gold­kette wurde gleich zum Beruf sti­li­siert, schwarz lackierte Fin­ger­nä­gel gaben Rät­sel auf und breit­bei­ni­ges Hin­set­zen wurde als raum­grei­fend interpretiert.

Span­nung und Entspannung

Schon lange wollte ich diese klas­si­sche Stanislawski-​​Übung mal sehen, an die­sem Abend war es soweit. Eine Teil­neh­me­rin sollte Lie­ge­stüt­zen machen und der Kurs­lei­ter fragte sie euro­päi­sche Haupt­städte ab. Bei Por­tu­gal war Schluss, sie konnte sich durch die kör­per­li­che Anstren­gung ein­fach nicht kon­zen­trie­ren. Danach mel­dete ich mich frei­wil­lig für eine ähnli­che Übung. Nach zwan­zig Lie­ge­stüt­zen sollte ich anspruchs­volle Kopf­re­chen­auf­ga­ben lösen. 12×27 war die erste, ich tippte erst auf 254, hatte mich aber ver­tan und kor­ri­gierte auf 324, das kor­rekte Ergeb­nis. 624 stellte mich vor grö­ßere Pro­bleme, aber letzt­lich kam ich auch da aufs rich­tige Resul­tat 15,5. Gene­rell fal­len sol­che Auf­ga­ben und Den­ken bei einer kör­per­li­chen Anstren­gung schwe­rer, die Gedan­ken quä­len sich müh­sam voran.

Wich­tig für den Schau­spie­ler ist die Fähig­keit der Ent­span­nung. Er muss sich kör­per­lich, emo­tio­nal und see­lisch ent­span­nen, damit er bereit für den künst­le­ri­schen Pro­zess ist. Die Ent­span­nungs­rou­tine ist dabei wie eine Trenn­scheibe zwi­schen dem All­tags­le­ben und der Rolle. Ziel ist es, sich leer zu machen wie ein wei­ßes Blatt Papier, auf dem sich das Kunst­werk ent­fal­ten kann.

Da ein gemein­sa­mes Auf­wär­men nicht immer gewähr­leis­tet ist, haben wir ein Ent­span­nungs­ri­tual ent­wi­ckelt, das man auch allein auf engs­tem Raum durch­füh­ren kann. Denn an einem Film­set geht es hek­tisch zu und not­falls muss ein Stuhl ausreichen.

Ent­span­nungs­ri­tual

  1. Ich sitze bequem auf dem Stuhl, fast so, als würde ich ein­schla­fen wollen.
  2. Durch lang­same Bewe­gun­gen mei­ner Glied­ma­ßen und mei­nes Kör­pers über­prüfe ich, wo es heute hakt. Sind die Beine noch schwer von der Rad­tour? Ist der Nacken ver­spannt vom Büro­job? Oder ste­cken mir noch die Lie­ge­stütze der Stanislawski-​​Übung in den Tri­zeps? Es kann jeden Tag etwas ande­res sein.
  3. Dann massiere/​dehne/​bewege ich die mehr oder weni­ger betrof­fe­nen Kör­per­teile und mache dabei unent­wegt Geräu­sche, um emo­tio­na­len Stress abzu­bauen und meine Stimme zu trainieren.
  4. Wenn ich mit dem gan­zen Kör­per durch bin, beginne ich eine ein­fa­che Zazen-​​Meditation. Ich atme zwei­mal tief durch, mache Kreise mit dem Ober­kör­per, die immer enger wer­den, bis ich mein Zen­trum gefun­den habe.
  5. Ich kon­zen­triere mich auf den Atem und zähle nach Belie­ben, aber maxi­mal bis zehn. Ich möchte eins wer­den mit der aktu­el­len Zahl, nichts ande­res existiert.
  6. Wenn die Medi­ta­tion nicht funk­tio­niert, geht es zurück zu 3.
  7. Nach der Medi­ta­tion geht es zu einer Sin­ne­ser­in­ne­rung. Ich erin­nere mich mög­lichst leb­haft an ein sinn­li­ches Erleb­nis, zum Bei­spiel das Zube­rei­ten und Genie­ßen von Tee.

Authen­ti­zi­tät

Ein Mensch ist gekenn­zeich­net durch seine Ver­gan­gen­heit, seine momen­tane psy­chi­sche Befind­lich­keit, seine Kör­per­lich­keit und sein aktu­el­les Bedürf­nis und Ziel. Für eine Rolle gilt es, diese Punkte stim­mig darzustellen.

Metho­den dafür sind

  • Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung
  • eigene Erfah­run­gen
  • Erfah­rung sam­meln, Hand­lung selbst machen
  • Erfah­run­gen jen­seits des Mach­ba­ren, Erleb­ten (z.B. Teu­fel) las­sen sich nur indi­rekt ange­hen durch Objektarbeit.

Sin­ne­ser­in­ne­rung

Wahr­neh­mun­gen wer­den dann leich­ter gespei­chert, wenn sie eine emo­tio­nale Bedeu­tung haben. Des­halb sind die meis­ten Sin­ne­ser­in­ne­run­gen emo­tio­nal gela­den. Ziel der Übung Sin­ne­ser­in­ne­rung ist es, den Gegen­stand wie­der zum Leben zu erwe­cken, als geschähe es in die­sem Moment erneut. Beim Aus­tes­ten am rea­len Objekt sollte man auf Details ach­ten und den Gegen­stand in eine neue Per­spek­tive befördern.

Übung zur Sinneswahrnehmung

Mit ver­bun­de­nen Augen den Raum erfor­schen, sich an die Sin­nes­ein­drü­cke erin­nern. Beson­ders inter­es­sant ist der Riech­sinn, der wenig gebraucht wird aber eine starke emo­tio­nale Bedeu­tung hat.

Auf­ga­ben

  1. Bewusst und mit allen Sin­nen durchs Leben gehen, Geruch, Tem­pe­ra­tur und Geräu­sche auf­sau­gen, Früchte unter­su­chen, Augen schlie­ßen und nur hören.
  2. Ent­span­nungs­übun­gen, Zazen praktizieren
  3. War­mes Getränk bewusst zube­rei­ten und genie­ßen für Sin­ne­ser­in­ne­rung am Anfang der nächs­ten Lektion

[1] Peter Bor­kenau, Anette Lieb­ler, Trait infe­ren­ces: Sour­ces of vali­dity at zero acquain­tance, Jour­nal of Per­so­na­lity and Social Psy­cho­logy. Vol 62(4), Apr 1992, pp. 645–657.

Ich spiele in unse­rem dies­jäh­ri­gen Thea­ter­stück (Die Läs­ter­schule von Richard Brins­ley She­ridan) die Rolle des Joseph Sur­face. Er ist der nega­tive Held des Stü­ckes, intri­gant und heuch­le­risch. Es ist ohne Zwei­fel die span­nendste Rolle des Stücks, diese Dop­pel­bö­dig­keit umzu­set­zen bedeu­tet eine schau­spie­le­ri­sche Her­aus­for­de­rung. Ich möchte mich die­sem Cha­rak­ter ein wenig nähern, der pri­mär als Gegen­spie­ler zum net­ten Charles kon­zi­piert wurde.

Ver­hält­nis zu ande­ren Charakteren

Charles Sur­face Gegen­spie­ler von Joseph. Joseph mag ihn nicht, weil die von ihm aus finan­zi­el­len Grün­den ver­ehrte Maria Charles lie­ber mag. Ist aber kein per­sön­li­ches Gefühl, ein­fach ein Hin­der­nis bei sei­nen Plä­nen, das es zu über­win­den gilt.
Lady Sneer­well Kom­pli­zin im Komplotte-​​Schmieden. Gemein­same Inter­es­sen und ähnlich zwei­fel­hafte Metho­den ver­ei­nen die bei­den. Er schmei­chelt ihr, um sie bei Laune zu hal­ten. Am Ende ist sie ihm zuwi­der, nur die gemein­same miss­li­che Lage zwingt ihn zur wei­te­ren Kooperation.
Sir Peter Teazle Vor­mund, auch von Maria, des­halb wich­ti­ger Mann, bei dem es einen guten Ein­druck zu hin­ter­las­sen gilt.
Lady Teazle Er will sie ver­füh­ren, weil ihn das reizt. Vor­geb­lich, um sie bes­ser zu kon­trol­lie­ren, aber ein wenig Gefühl ist da wohl doch im Spiel. Sicher­lich reizt ihn auch die Gefahr die­ser Situation.
Maria Ange­strebte Geld­hei­rat. Des­halb ver­sucht er sie zu beein­dru­cken und schleimt, wo es geht.
Sir Oli­ver Er trifft ihn als mit­tel­lo­sen und um Geld bit­ten­den Mr. Stan­ley. Die­sem bedeu­tet er höf­lich, aber bestimmt, dass es nichts zu holen gibt. Somit arro­gante Ein­stel­lung gegen­über diesem.

Zusam­men­fas­send lässt sich eine typi­sche Radfahrer-​​Mentalität aus­ma­chen, nach oben buckeln und nach unten tre­ten. Für ihn exis­tie­ren nur zwei Klas­sen von Men­schen, die ihm Nütz­li­chen und den Rest, um den man sich nicht wei­ter zu küm­mern braucht.

Cha­rak­ter

Durch die viel­fäl­ti­gen Intri­gen muss er auch recht geis­tes­ge­gen­wär­tig sein, um blitz­schnell umschal­ten zu kön­nen. Inso­fern paart sich Intel­li­genz mit Mach­stre­ben und Oppor­tu­nis­mus. Für ihn ist das Leben ein gefähr­li­ches Spiel mit hohem Ein­satz, bei dem er meis­tens gewinnt. Die bei­den Pole sind das Geschlif­fene, gesell­schaft­lich Geschickte auf der einen Seite, und das Raub­tier­hafte, Ego­is­ti­sche, Intri­gante auf der ande­ren Seite.

Vor­bil­der

Ich denke vor allem an Franz Moor in Schiller’s Die Räu­ber. Im Dresd­ner Schau­spiel­haus erlebte ich eine Auf­füh­rung, bei der in einem Vor­spiel der dämo­ni­sche Cha­rak­ter von Franz Moor gezeigt wurde. Er ver­wan­delte sich, hinkte, krümmte sich zusam­men zu einer miss­ge­stal­te­ten, arg­lis­ti­gen Erscheinung.

Ebenso denke ich natür­lich an die Dresd­ner Insze­nie­rung des Romans Mephisto, wel­cher an das Leben von Gus­tav Gründ­gens ange­lehnt ist. Und die­ser ist ja durch die Mephistopheles-​​Rolle im Faust berühmt gewor­den. Ich sehe den Dresd­ner Dar­stel­ler noch vor mir, wie er einem tum­ben Nazi, wel­cher den Schü­ler spielt, als Mephisto umtanzt und an die Wand spielt. Diese schnei­dende Stimme, die schnel­len, prä­zi­sen Bewe­gun­gen, diese Prä­senz — so stellt man sich das per­so­ni­fi­zierte Böse vor.

Heute hatte ich mit Mario das erste Arbeits­tref­fen zur Abschieds­le­sung von Nove­cento. Wir haben das Buch durch­ge­ar­bei­tet und über­legt, wer wel­che Abschnitte liest. Das ist wirk­lich Arbeit, da man viele Ent­schei­dun­gen tref­fen muss und die Lesung quasi schon vor dem inne­ren Auge vor­weg­ge­nom­men wird. Das hat dann auch so an die drei Stun­den gedau­ert, wobei wir auch zwi­schen­durch ein paar Pau­sen gemacht haben. Aber wir sind bis zum Ende gekom­men. Die wei­te­ren Fra­gen (wie wer­den ein­zelne Sze­nen am bes­ten umge­setzt oder gar schau­spie­le­risch insze­niert) wer­den wir beim nächs­ten Tref­fen klären.

Der Ter­min steht lei­der noch nicht fest, es gab da Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­bleme mit den ver­ant­wort­li­chen Leu­ten. Am Mon­tag wird sich das Ganze hof­fent­lich klä­ren. Meine Prä­fe­renz liegt auf dem 15. Juni — alter­na­tiv nannte ich den 07. Juni. Hof­fent­lich klappt das noch…

An Requi­si­ten werde ich die fol­gen­den Sachen brau­chen, falls ihr was habt, mel­det euch bitte:

  • Musik: kur­zes, jaz­zi­ges Trom­pe­ten­stück oder jemand, der das halt macht
  • Goldzahn-​​Attrappe
  • Musik: Dixieland-​​Musik
  • Uni­form eines Schiffsmusikers
  • Dynamit-​​Kiste
  • rech­ter Arm (von Schaufenster-​​Puppe)
  • Sound: Unwet­ter, Orkan, tosen­des Meer
  • Kamelhaar-​​Mantel
  • Hut