Wie kurz­wei­lig und inter­es­sant die Beschäf­ti­gung mit phi­lo­so­phi­schen The­men sein kann, zeigt Richard David Precht in sei­nem Buch „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?” Schon die Wahl der Über­schrift zeigt seine unor­tho­doxe Her­an­ge­hens­weise an Phi­lo­so­phie, die sich dann auch durch das gesamte Buch zieht. Denn anstatt von den wich­ti­gen Phi­lo­so­phen aus­zu­ge­hen und deren Werke zusam­men­zu­fas­sen, steht für ihn stets eine kon­krete Frage im Mit­tel­punkt eines Kapi­tels, wel­che er gekonnt mit einem Phi­lo­so­phen und sei­nem Wir­kungs­ort verknüpft.

Ein Bei­spiel ist „Darf man Men­schen töten?”, was ihn nach Lon­don führt und damit zum Haupt­ver­tre­ter des Uti­li­ta­ris­mus, Jeremy Bent­ham. Und um es vor­weg­zu­neh­men — das Töten von Men­schen ist nicht gestat­tet. Zwar bie­tet der Utli­ta­ris­mus eine Begrün­dung an, indem er Nütz­lich­keit als allei­ni­gen Maß­stab für das Tun defi­niert. Somit könnte das Töten eines bösen Men­schen, der viel Leid ver­ur­sacht, legi­ti­miert wer­den. Aber die Kon­se­quenz wäre eine Gesell­schaft, in der jeder nach eige­nem Abwä­gen der Nütz­lich­keit einen ande­ren umbrin­gen könnte. Und das wollte Bent­ham dann doch nicht ver­ant­wor­ten und klam­merte das Töten von Men­schen expli­zit aus.

In allen Kapi­teln ver­mit­telt er in sei­ner humor­vol­len Art einen anek­do­ti­schen Ein­blick in das Leben des Phi­lo­so­phen oder Wis­sen­schaft­lers, um schließ­lich zur Aus­gangs­frage zurück­zu­keh­ren und diese zu dis­ku­tie­ren. Dabei ver­ein­facht er bewusst die kom­plexe The­ma­tik, um eine klare Ant­wort auf die Kapi­tel­frage zu fin­den. Auf jeden Fall erschie­nen mir die Gigan­ten der Geis­tes­welt jetzt in einem sehr mensch­li­chen Licht und ich sehe die Unzu­läng­lich­kei­ten ihrer Werke klarer.

Einen Aus­schnitt habe ich für euch gele­sen und stelle ihn als Pod­cast zur Ver­fü­gung. Es geht um die berühm­ten Worte „Ich denke, also bin ich” von René Des­car­tes.

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Ins­ge­samt kann ich die­ses Buch abso­lut emp­feh­len, es gefällt mir deut­lich bes­ser als Sofies Welt, was eine ähnli­che Ziel­stel­lung besitzt. Und außer­dem gibt es etli­che Bezüge zu aktu­el­len For­schungs­the­men, ins­be­son­dere zur Hirn­for­schung, die mich sehr ange­spro­chen haben.