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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

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Tag: wissenschaft

Wie kurz­wei­lig und inter­es­sant die Beschäf­ti­gung mit phi­lo­so­phi­schen The­men sein kann, zeigt Richard David Precht in sei­nem Buch „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?” Schon die Wahl der Über­schrift zeigt seine unor­tho­doxe Her­an­ge­hens­weise an Phi­lo­so­phie, die sich dann auch durch das gesamte Buch zieht. Denn anstatt von den wich­ti­gen Phi­lo­so­phen aus­zu­ge­hen und deren Werke zusam­men­zu­fas­sen, steht für ihn stets eine kon­krete Frage im Mit­tel­punkt eines Kapi­tels, wel­che er gekonnt mit einem Phi­lo­so­phen und sei­nem Wir­kungs­ort verknüpft.

Ein Bei­spiel ist „Darf man Men­schen töten?”, was ihn nach Lon­don führt und damit zum Haupt­ver­tre­ter des Uti­li­ta­ris­mus, Jeremy Bent­ham. Und um es vor­weg­zu­neh­men — das Töten von Men­schen ist nicht gestat­tet. Zwar bie­tet der Utli­ta­ris­mus eine Begrün­dung an, indem er Nütz­lich­keit als allei­ni­gen Maß­stab für das Tun defi­niert. Somit könnte das Töten eines bösen Men­schen, der viel Leid ver­ur­sacht, legi­ti­miert wer­den. Aber die Kon­se­quenz wäre eine Gesell­schaft, in der jeder nach eige­nem Abwä­gen der Nütz­lich­keit einen ande­ren umbrin­gen könnte. Und das wollte Bent­ham dann doch nicht ver­ant­wor­ten und klam­merte das Töten von Men­schen expli­zit aus.

In allen Kapi­teln ver­mit­telt er in sei­ner humor­vol­len Art einen anek­do­ti­schen Ein­blick in das Leben des Phi­lo­so­phen oder Wis­sen­schaft­lers, um schließ­lich zur Aus­gangs­frage zurück­zu­keh­ren und diese zu dis­ku­tie­ren. Dabei ver­ein­facht er bewusst die kom­plexe The­ma­tik, um eine klare Ant­wort auf die Kapi­tel­frage zu fin­den. Auf jeden Fall erschie­nen mir die Gigan­ten der Geis­tes­welt jetzt in einem sehr mensch­li­chen Licht und ich sehe die Unzu­läng­lich­kei­ten ihrer Werke klarer.

Einen Aus­schnitt habe ich für euch gele­sen und stelle ihn als Pod­cast zur Ver­fü­gung. Es geht um die berühm­ten Worte „Ich denke, also bin ich” von René Des­car­tes.

[podcast]http://www.mwellner.de/sound/20090827.mp3[/podcast]

Ins­ge­samt kann ich die­ses Buch abso­lut emp­feh­len, es gefällt mir deut­lich bes­ser als Sofies Welt, was eine ähnli­che Ziel­stel­lung besitzt. Und außer­dem gibt es etli­che Bezüge zu aktu­el­len For­schungs­the­men, ins­be­son­dere zur Hirn­for­schung, die mich sehr ange­spro­chen haben.

Meine zweite Kon­fe­renz die­ses Jahr führt mich wie­der nach Deutsch­land, die­ses Mal in die Haupt­stadt Ber­lin. Die Kon­fe­renz heisst Auto­ma­ti­sie­rungs­tech­ni­sche Ver­fah­ren in der Medi­zin, die meis­ten Teil­neh­mer stam­men aus Deutsch­land. Es ist eine kleine Kon­fe­renz, man kennt sich. Von unse­rer Gruppe sind sie­ben Leute da, aber nicht alle hal­ten einen Vor­trag. Meine Stunde schlägt mor­gen, ich stelle unser Labor und die bei­den Ruder­stu­dien kurz vor.

Es ist voll­bracht, der Vor­trag gehal­ten. Das Echo war über­wie­gend posi­tiv, es gab nur ein paar Fra­gen zu Details der Sze­na­rio­ge­stal­tung und Instruk­tion. Somit ist meine Pflicht getan und ich kann mich schon bald pri­va­ten Din­gen zuwenden.

Nach­trag: Ich belegte mit mei­nem Bei­trag den drit­ten Platz beim Wett­be­werb für Nach­wuchs­wis­sen­schaft­le­rIn­nen. Der Preis bestand aus einem Kom­pen­dium über das Feld der auto­ma­ti­sie­rungs­tech­ni­schen Metho­den in der Medi­zin und einer Fla­sche Cham­pa­gner (Moet & Chan­don), die Marke erin­nert mich an eine Zeile aus dem Lied Kil­ler Queen, dem ers­ten gros­sen Erfolg der Band Queen.

Ich schreibe. An mei­ner Diss. Ich habe sie This! genannt, das klingt so wie Diss und erin­nert mich an Peter Gabri­els Album So, ein Weih­nachts­ge­schenk mei­ner Schwester.

Ich schreibe. Über die Ergeb­nisse der Ruder­stu­die mit Wett­be­wer­bern. Teil­neh­mer 1 hat rea­giert, und das deut­lich. Man sieht es an den Gra­phen, den Prunk­stü­cken die­ses Kapi­tels. Es lässt sich so viel aus­sa­gen mit einem Gra­phen. Dann brau­che ich auch weni­ger zu schrei­ben. Es springt dem Leser dann ins Auge. Aber nur, wenn der Graph gut gemacht ist und in sich das Stu­di­en­de­sign, die Ein­zel­er­geb­nisse, die Durch­schnitts­werte pro Block mit Stan­dard­ab­wei­chun­gen und am bes­ten noch die Schluss­fol­ge­run­gen in sich ver­eint und dabei nicht unüber­sicht­lich wird.

Ich schreibe. Ein Mat­lab–Skript zum Zeich­nen eines Gra­phen. Es wird immer län­ger, Zeile um Zeile kommt hinzu. Zuerst waren da nur die blauen Daten­punkte, etwas chao­tisch zeig­ten sie den Wert einer Varia­blen (zum Bei­spiel der Maxi­mal­kraft) für jeden Ruder­schlag an, und das für die gesamte Renn­stre­cke von 2000 m. Aber das reicht nicht, man muss noch die Blö­cke sehen. Die neu­tra­len Blö­cke, in denen die Geg­ner nichts machen und die Gegner-​​Blöcke, in denen die geg­ne­ri­schen Boote atta­ckie­ren oder zurück­fal­len. Senk­rechte rote Linien für die Block­gren­zen, das ist schon mal ein Anfang. Aber wie kann man die Gegner-​​Blöcke noch durch eine andere Hin­ter­grund­farbe her­vor­he­ben? Zuerst ver­su­che ich es mit dem Befehl patch, damit kann man belie­bige Poly­gone zu einem Gra­phen hin­zu­fü­gen. Aber die­ser ver­deckt die Rand­li­nien. Die Lösung bringt dann der Befehl image, ein ent­spre­chend den Blö­cken defi­nier­tes Bild dient als Hin­ter­grund des Gra­phen. Blaue Punkte auf dezent her­vor­ge­ho­be­nen Blö­cken, getrennt durch ver­ti­kale rote Linien. Schön wäre noch, bei jedem Block den Mit­tel­wert der Varia­blen und die Stan­dard­ab­wei­chung ein­zu­zeich­nen. Mit hori­zon­ta­len, schwar­zen, dicken Linien kom­men die Mit­tel­werte hinzu, mit dün­ne­ren Linien, die sich nach oben und unten stre­cken, die Stan­dard­ab­wei­chun­gen. Jetzt noch zuschnei­den auf die rich­tige Größe, damit es ohne wei­tere Ver­ar­bei­tung in die Diss ein­ge­fügt wer­den kann.

Ich schreibe. Mit LaTeX–Befeh­len füge ich die Gra­phen ein. Und beschrifte noch die Blö­cke, damit klar ist, wel­che neu­tral und wel­che durch Akti­vi­tä­ten der Geg­ner geprägt sind. Dies in allen Gra­phen. Diese Wie­der­ho­lung einer ähnli­chen Auf­gabe, in der sich nur die Rei­hen­folge der Kon­di­tio­nen ver­än­dert, schreit nach einem Makro. So weit ist es mit mir gekom­men, das Doku­ment hat sich in eine Struk­tur ver­wan­delt, wel­che stets ver­bes­sert wer­den kann. Ich sehe über­all Struk­tur, die Ähnlich­keit von Abschnit­ten, die Mög­lich­keit, etwas ele­gan­ter zu lösen, mit weni­ger Redundanzen.

Ich schreibe. 85 Sei­ten ist This! jetzt stark. Es ist nicht mehr viel, das Ziel ist in Sicht. Dann wird die erste Fas­sung voll­en­det sein.

Ein neues Jahr hat begon­nen und fällt zusam­men mit den kur­zen Ferien, wel­che der Jah­res­wech­sel so mit sich bringt. Ich habe auf ein­mal Zeit für viele Dinge, für Fami­lie, Freunde und auch für mich. War das letzte Jahr geprägt durch sehr viele ver­schie­dene Akti­vi­tä­ten und Hob­bies, möchte ich mich nun­mehr kon­zen­trie­ren, beruf­lich auf das Schrei­ben der Dis­ser­ta­tion, pri­vat auf das Schauspielen.

Mit dem Ver­fas­sen der Dis­ser­ta­tion endet auch meine Zeit als Dok­to­rand. Vier Jahre mün­den in 100 Sei­ten. Das Ver­fas­sen der Diss ist eine logi­sche Wei­ter­ent­wick­lung von der Diplom­ar­beit mit einem vor­ge­ge­be­nen ein­ge­grenz­ten Thema, über Kon­fe­renz­ar­ti­kel von zwei bis sechs Sei­ten und umfang­rei­chere Arti­kel für wis­sen­schaft­li­che Zeit­schrif­ten. Stets stei­gen die Kom­ple­xi­tät und Selbst­ver­ant­wor­tung für das Geschrie­bene. Somit wäre die Dis­ser­ta­tion der vor­läu­fige Höhe­punkt mei­nes beruf­li­chen, also wis­sen­schaft­li­chen Schaf­fens. Und wie so oft ist das Schwie­rige nicht der Inhalt, in mei­nem Fall vier Stu­dien mit vir­tu­el­len Umge­bun­gen, son­dern der Rah­men und die gro­ßen Schluss­fol­ge­run­gen aus allem. In die­sem Werk führe ich Begriffe ein, erar­beite eine Fra­ge­stel­lung und nutze all dies kon­se­quent im Haupt­teil, um die Expe­ri­mente zu beschrei­ben und aus­zu­wer­ten. Es ist eine Her­aus­for­de­rung, ich freue und fürchte mich zugleich. Denn ich muss mich gleich­sam ein­schlie­ßen und nur dar­auf kon­zen­trie­ren, was ange­sichts all der net­ten Ablen­kun­gen in Form von klei­ne­ren Auf­ga­ben sich schwie­rig gestal­ten dürfte.

Thea­ter ist schon seit Län­ge­rem mein Hobby. Ich stand schon oft auf der Bühne, sehe mich aber noch nicht da, wo ich gern hin möchte. Mein Pro­blem ist das Geküns­telte, Über­trie­bene, Clow­neske, wel­ches ich auf der Bühne ent­wickle. Mein Ideal ist eine rea­lis­ti­sche und glaub­hafte Dar­stel­lung der Rolle. Und davon bin ich noch weit ent­fernt. Für die jetzt lau­fende aki­tiv–Pro­duk­tion „Arka­dien” möchte ich mich inten­si­ver und bewuss­ter mit dem Schau­spiel beschäf­ti­gen. Neben der Thea­ter­gruppe aki­tiv bin ich noch in einer Impro­thea­ter­gruppe dabei. Wenn­gleich sich Impro­thea­ter und die Pro­duk­tion eines fes­ten Stü­ckes unter­schei­den, ist das Kern­ele­ment des authen­ti­schen Dar­stel­lens doch gleich. Wäh­rend man sich beim fest­ge­leg­ten Stück die inne­ren Bil­der und Auf­ga­ben aus dem Stück­text erar­bei­tet, ver­traut das Impro­thea­ter auf die Magie des „ers­ten Mal”, da sich keine Szene wie­der­holt. Jeden­falls werde ich mich jetzt inten­si­ver mit Thea­ter­theo­rie beschäf­ti­gen, zur Zeit lese ich aus­ge­wählte Texte von Sta­nis­law­ski. Mit die­sem Hin­ter­grund­wis­sen und aus­rei­chend Zeit für Rol­len­ar­beit hoffe ich mein schau­spie­le­ri­sches Poten­zial bes­ser zu nutzen.

Unser Haus­blatt ETH Life berich­tet unter dem Titel Rudern als sei’s echt über das Rudersimulator-​​Projekt. Inzwi­schen ist die erste Stu­die mit zehn Teil­neh­mern abge­schlos­sen, es ging um die Reak­tion auf vir­tu­el­les Publi­kum. Wir sind momen­tan am Aus­wer­ten und erwä­gen eine Publi­ka­tion der Ergebnisse.