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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

Archiv

Tag: writing

Lau­fen. Eigent­lich kann ich das. Dachte ich zumin­dest. Aber auf der Bühne ist alles anders. Wenn ich näm­lich noch einen Text sagen muss, in einer bestimm­ten Emo­tion, dabei ins Publi­kum schau­end, rea­gie­rend auf den Satz, der zuvor von mei­nem Mit­spie­ler gesagt wurde — dann kann ich nicht mehr lau­fen. Zumin­dest nicht mehr anders lau­fen als ich halt laufe, wenn ich Text sagen muss, in einer bestimm­ten Emo­tion. Und die­ser Gang sieht komisch aus, tän­ze­risch, künst­lich. Man hat ihn satt nach einer Weile, zumin­dest unser Regis­seur hat ihn satt. Und er wirft Plastik-​​Wasserflaschen nach mir. Also nicht direkt auf mich, eher in die Nähe. Ich muss anders lau­fen. Meine Arme anders hal­ten. Und mei­nen Text sagen, in einer bestimm­ten Emo­tion, dabei ins Publi­kum schauend.

Schrei­ben. Eigent­lich kann ich das. Dachte ich zumin­dest. Aber die Edi­to­ren, denen ich meine wis­sen­schaft­li­che Publi­ka­tion anver­traute, sind da ande­rer Mei­nung. Sie fin­den auch nach mei­ner vier­ten, gründ­li­chen Über­ar­bei­tung, Restruk­tu­rie­rung und gra­fi­schen Auf­wer­tung noch immer so viele Kri­tik­punkte, dass ein lan­ger Brief draus wird. Und dabei schrei­ben sie auch noch so nett, dan­ken mir für meine Mühen, aber wol­len noch enorm viele Punkte unbe­dingt berück­sich­tigt sehen. Und wenn ich einen Vor­schlag nicht annehme, muss ich es gut begrün­den. Und ich schreibe, ändere, restruk­tu­riere erneut, zum fünf­ten Mal. Und das Manu­skript wird auch bes­ser, ich sehe jetzt immer noch Unge­reimt­hei­ten, spe­zi­ell bei den Absät­zen, wel­che ich neu ein­ge­fügt habe. Sie klä­ren einen Kri­tik­punkt, aber brin­gen das feine Gefüge durch­ein­an­der, machen Risse an ande­ren Stel­len sicht­bar. Es ist ein lan­ger Pro­zess, die­ses Schreiben.

Karls­brü­cke

Eine Welle von Men­schen schwappt von der Karls­brü­cke in die Stadt hin­ein. Es war ein Strom, aber eine ein­fa­che Fuß­gän­ger­am­pel ver­wan­delt die­sen Strom in eine gigan­ti­sche Welle. Ich lasse mich ein­fach trei­ben. Die Welle ver­ebbt, teilt sich auf, bleibt ste­hen. Ich wähle eine Gasse, die ver­las­sen aus­sieht. In einem ita­lie­ni­schen Restau­rant finde ich mich wie­der. Fast hätte ich zum tsche­chi­schen Kell­ner „Gra­cie” gesagt, der Italien-​​Urlaub ist noch frisch. Es ist so dun­kel hier drin.

Karls Bridge

A wave of humans swa­s­hes into the city. It was a stream, but a sim­ple traf­fic light trans­for­med this stream into a huge wave. I drift. The wave ebbs away, parts, stops. I choose a small street that looks aban­do­ned. I find mys­elf sit­ting in an Ita­lien restau­rant. I would have almost said „Gra­cie” to the Czech wai­ter, the holi­day in Italy is still fresh. It’s dark here.

Schrei­ben

Meine Gedan­ken sind wirr. Es fehlt Struk­tur. Man kann das schlecht auf­schrei­ben, schlecht Über­schrif­ten fin­den, es fehlt der rote Faden, es sind unzu­sam­men­hän­gende Frag­mente. Aber das Schrei­ben rich­tet sich nach den Gedan­ken, nicht anders­herum. Viel­leicht ist dies Schrei­ben auch ein Gespräch­ser­satz, da ich allein hier sitze. Eine Wand, die mir Schutz gibt, wäh­rend ich dar­auf warte, dass das Essen kommt. Ich ver­su­che mich von außen zu sehen, wie ich da sitze, kon­zen­triert schaue, und schreibe. Wahr­schein­lich wie einer die­ser Tou­ris­ten, die minu­tiös ver­zeich­nen, wel­che Gebäude sie wann besucht haben, und was es zum Mit­tag gab.

Wri­t­ing

My thoughts are cloudy. There is a lack of struc­ture. It’s dif­fi­cult to write that down, to find sec­tion hea­dings, the thread, it’s all inco­he­rent frag­ments. But wri­t­ing fol­lows thin­king, not vice versa. Maybe for me wri­t­ing is a com­pen­sa­tion for tal­king, since I am sit­ting here alone. A wall pro­vi­ding pro­tec­tion, while I am wait­ing for my din­ner to be ser­ved. I try to ima­gine mys­elf being seen from the outs­ide, sit­ting there, loo­king around con­cen­tra­tedly, wri­t­ing from time to time. Pres­um­a­bly like one of those tou­rists, spe­ci­fy­ing meti­cu­lously what sights was visi­ted at what time and what was there for dinner.