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mathias wellner

theater, schauspiel und bergsport

Archiv

Tag: ZEIT

Es ist schon eine Weile her, dass ich Tho­mas Rosen­lö­cher (Wikipedia-​​Eintrag) bei uns in der Schule zum ers­ten Mal sah. Er saß vor der teil­weise ver­sam­mel­ten Schü­ler– und Leh­rer­schaft in der Aula und las aus einem sei­ner Bücher. Ich weiß gar nicht mehr, wel­ches es war, viel­leicht Ost­ge­ze­ter. Das könnte auch vom Erschei­nungs­jahr 1997 gut hin­kom­men. Ein bär­ti­ger, gut­mü­ti­ger, leicht kau­zi­ger Mann mit Brille — und ein Dresd­ner Schrift­stel­ler. Wenn ich ehr­lich bin, ist es der ein­zige noch lebende Dresd­ner Schrift­stel­ler, den ich kenne. So viele bekannte gibt es ja auch nicht.

Und natür­lich darf diese ursäch­si­sche Stimme nicht feh­len, wenn es um die geplante Wald­schlöss­chen­brü­cke geht. Sein in der ZEIT erschie­ne­ner Bei­trag „Ihr zer­sägt eure Enkel!” ist schön zum Lesen und spie­gelt die Mei­nung vie­ler besorg­ter Dresd­ner wie­der, lei­der aber nicht der abstim­mungs­be­rech­tig­ten und auto­fah­ren­den Mehr­heit. Und so wer­den jetzt jeden Tag Bäume gefällt und wei­tere Vor­be­rei­tungs­ar­bei­ten erle­digt. Der ein­zige Sil­ber­strei­fen am Hori­zont ist die gras­sie­rende Stahl­knapp­heit, aber auch die wird das Pro­jekt nicht auf ewig aufhalten.

Weltwoche

Apr 7
Allgemein

War ich bis­lang der fast unum­stöß­li­chen Über­zeu­gung, dass es keine bes­sere (Wochen-)Zeitung als die ZEIT gäbe, muss ich dies jetzt revi­die­ren. Auch die Schweiz hat neben der all­seits bekann­ten Tages­zei­tung Neue Zür­cher Zei­tung (NZZ) eine gute Wochen­zei­tung zu bie­ten, näm­lich die Welt­wo­che. Dank mei­ner Lesung beim Kul­tur­fes­ti­val letz­ten Dezem­ber kam ich in den Genuss eines Jah­res­a­bos besag­ter Zei­tung. Erst jetzt habe ich das ein­ge­löst, vor­her hatte ich näm­lich noch ein Pro­be­abo der NZZ am Sonn­tag lau­fen. Nach­dem das abge­lau­fen war, war die Bahn frei für eine neue wöchent­li­che intel­lek­tu­elle Anre­gung print­tech­ni­scher Natur.

Mit der ers­ten Aus­gabe bin ich recht zufrie­den, die Arti­kel sind schön hin­ter­grün­dig, nur mit der opti­schen Auf­ma­chung der ZEIT kann sich die Welt­wo­che nicht so recht mes­sen. Auch die schöne Mög­lich­keit, auf Arti­kel zu ver­lin­ken, funk­tio­niert nicht, da die Inhalte aller Arti­kel nur den Abbo­nen­ten vor­be­hal­ten sind. Pro Aus­gabe gibt es den­noch einige frei zugäng­li­che Arti­kel, so dass man auch mal rein­schnup­pern kann.

Nach­trag (August 2009): Nach einem Jahr Weltwoche-​​Abo kehrte ich reu­mü­tig zur ZEIT zurück. Die popu­lis­ti­sche Mach­art der Welt­wo­che, vor allem das Leug­nen des vom Men­schen ver­ur­sach­ten Kli­ma­wan­dels, hat­ten auf Dauer abschre­ckend gewirkt.

Rundgang durch Dresden

Sep 29
Allgemein

Einen wun­der­ba­ren Rund­gang durch Dres­den beschreibt der ZEIT-​​Artikel „Die Macht des Schick­sals”. Die ver­schie­de­nen Sei­ten der Innen­stadt (Pra­ger Straße, Alt­markt, Wilsd­ruf­fer Straße, Alt­stadt, Brühl­sche Ter­asse, Neu­stadt) wer­den ein­fühl­sam und mit Gespür für die wech­sel­hafte Geschichte beschrie­ben. Ich fand’s nett und emp­fehle es allen Dresd­nern, spe­zi­ell, wenn sie mal Besuch haben. Man kann man sich daran ganz gut orientieren.

Der äußerst lesens­werte ZEIT-​​Artikel Europa, wir brau­chen dich deu­tet die Pro­bleme bei der Rati­fi­zie­rung der EU-​​Verfassung als Kri­tik am Kapi­ta­lis­mus als vor­herr­schen­dem Wirt­schafts­sys­tem. Inter­es­sant ist nun vor allem die Gegen­über­stel­lung von Kom­mu­nis­mus und Kapi­ta­lis­mus als den bei­den domi­nan­ten Ideo­lo­gien des 20. Jahrhunderts.

Kom­mu­nis­mus

Als zen­trale For­mel des Kom­mu­nis­mus kann gelten:

Jeder nach sei­nen Fähig­kei­ten, jedem nach sei­nen Bedürfnissen.

Die Pro­bleme, wel­che dann auch zum Zusam­men­bruch der meis­ten kom­mu­nis­ti­schen oder sozia­lis­ti­schen Natio­nen führ­ten, waren vor allem man­gelnde Eigen­in­itia­tive der Bür­ger und ein all­mäch­ti­ger Staat.

Kapi­ta­lis­mus

Vor­den­ker des Kapi­ta­lis­mus war Adam Smith, von ihm stammt das fol­gende Zitat:

Jeder Ein­zelne ist stän­dig bemüht, den vor­teil­haf­tes­ten Ein­satz für jeg­li­ches Kapi­tal zu fin­den, über das er ver­fügt. Es ist aber tat­säch­lich sein eige­ner Vor­teil und nicht der Nut­zen der Gesell­schaft, auf den er aus ist. Doch die Suche nach sei­nem eige­nen Vor­teil führt ihn auf natür­li­chem Wege, oder bes­ser not­wen­di­ger­weise, dazu, den Ein­satz zu bevor­zu­gen, der für die Gesell­schaft am vor­teil­haf­tes­ten ist.

Doch lei­der funk­tio­niert diese „unsicht­bare Hand” in der Wirk­lich­keit nicht, so dass nicht der Wohl­stand aller, son­dern der zuneh­mende Reich­tum eini­ger weni­ger das Resul­tat ist. Bedenk­li­cher ist die Zer­stö­rung der Umwelt, die eben­falls eine Folge des kurz­fris­ti­gen Gewinn­stre­bens ist.

Syn­these

Da somit beide Sys­teme in ihrer Rein­st­form als geschei­tert gel­ten müs­sen, kann nur eine Syn­these die Lösung sein. Eine Ver­bin­dung der Vor­teile bei­der Systeme.

Als eine Form der Syn­these schwebt mir die Vision Pare­con vor, ein von Michael Albert pro­pa­gier­tes Wirt­schafts­sys­tem (siehe Wikipedia-​​Eintrag). Auf jeden Fall emp­fand ich den Arti­kel als sehr kon­struk­ti­ven Bei­trag zum Thema Kapi­ta­lis­mus­kri­tik.

Einen inter­es­san­ten Arti­kel zum Thema Star Wars — Eupho­rie fand ich unlängst in der ZEIT. Darin wird dem Phä­no­men aus kri­ti­scher Dis­tanz ver­sucht näher­zu­kom­men. Inter­es­sant vor allem der Ver­gleich mit dem klas­si­schen Ödipus-​​Stoff und der Neu­rose als Dauerzustand.