Hitzewelle in Deutschland
Heute ist der letzte Tag einer sehr intensiven Hitzewelle. Wie so viele sitzen wir daheim und können nicht viel machen, vermeiden jeden unnötigen Weg da draußen in der Gluthitze. Das Thermometer hier drinnen zeigt 28° C. Ich bin extra um vier aufgestanden, um alle Fenster aufzureißen, für drei Stunden lief auch der Ventilator auf Maximalleistung. Und es war echt angenehm, dass ein kühler Luftstrom durch die Wohnung zog. Bis um sieben, als die Temperaturen draußen schon über 25° C lagen und ich wieder alle Fenster schloss und die Außenjalousien — zum Glück haben wir die — herabließ. Jetzt schmoren wir hier, nur ein Ventilator verschafft uns etwas Kühlung.
Natürlich haben wir über eine Klimaanlage nachgedacht, als Mieter kommt aber nur ein Monoblock-Gerät in Frage. Das sind diese großen fahrbaren Kästen mit dem fetten Abluftschlauch, den man dann auch noch durch ein offenes Fenster nach draußen führen muss. Aber so richtig überzeugt bin ich dann doch nicht, eine gut geeignete Ecke dafür gibt es nicht und der Stromverbrauch ist immens.
Gravierender sind die Auswirkungen auf die Infrastruktur, die für solche Bedingungen nicht gebaut wurde. Etliche Autobahnen sind nicht mehr befahrbar und müssen repariert werden. Hier in Leipzig musste gestern der komplette Straßenbahnbetrieb eingestellt werden. Fugenmasse hatte sich verflüssigt, war in Schienen und Weichen gelaufen und verklumpt. Und das an mehreren neuralgischen Stellen, die Beseitigung wird ein Weilchen dauern und macht auch erst dann Sinn, wenn es kühler wird.
Die Auswirkungen des Klimawandels werden durch Naturkatastrophen wie die derzeitige Hitzewelle immer mehr offenbar. Wieder werden viele Menschen in ihren überhitzten Dachwohnungen kollabieren oder sogar sterben. Dazu kommen Millionenschäden durch Reparaturmaßnahmen, höhere Energiepreise und eine verminderte Produktivität, was zusammengenommen das ersehnte Wirtschaftswachstum dahinschmelzen lässt.
Das Tragische ist, dass die deutsche Regierung derzeit nicht ansatzweise den Klimawandel als Ursache bekämpft. Stattdessen werden Klimaziele aufgeweicht, weiter fossile Kraftwerke gebaut und damit die Abhängigkeit von fragwürdigen Lieferanten gefestigt. Klimaanpassungsmaßnahmen sind natürlich notwendig, werden aber mit jedem Zehntel Grad globaler Erwärmung teurer und aufwändiger. Und immer öfter werden dabei die Grenzen der Infrastruktur erreicht, wie wir eindrucksvoll in Leipzig beobachten können.