Wie lernt man am effi­zi­en­tes­ten Theatertexte?

Ich werde mich hüten, diese Frage all­um­fas­send beant­wor­ten zu wol­len. Aber ich möchte eine Methode dar­le­gen, die für mich funk­tio­niert. Das Wesent­li­che mei­ner Her­an­ge­hens­weise besteht darin, mir immer nur soviel Text vor­zu­neh­men, wie ich fas­sen kann. Am Anfang sind das Satz­teile, spä­ter Sätze, noch spä­ter Sei­ten, irgend­wann Szenen.

1. Text­ler­nen

Wenn ein Text neu ist, nehme ich mir einen Satz­teil vor und lese ihn mehr­mals. Dann schaue ich vom Text weg und wie­der­hole diese Pas­sage aus­wen­dig. Wenn das nicht klappt, lese ich noch­mals. Not­falls teile ich die Pas­sage in klei­nere Hap­pen auf. Wenn ich eine Pas­sage kann, kommt der nächste Satz­teil, wie­der lesen, dann ohne Text wie­der­ho­len. Wenn das klappt, nehme ich den gan­zen Satz und wie­der­hole den. So taste ich mich lang­sam voran, Neben­satz für Neben­satz, bis der gesamte Ein­satz kom­plett ist. Dann wie­der von vorn auf­sa­gen ohne dabei in den Text zu schauen. Immer nur so große Häpp­chen, dass mein Gehirn das fas­sen kann.

2. Trai­nie­ren mit Einsätzen

Ich denke, dass die Wie­der­ho­lun­gen mit Ein­sät­zen das Ent­schei­dende sind. Also eine wirk­lich selbst­kri­ti­sche Abfrage, bei der ich den Text ver­de­cke. Dabei schiebe ich meine Hand oder ein Stück Papier lang­sam nach  unten und stoppe, wenn ich an einem Ein­satz ange­langt bin. Es ist dann wie in der Probe, die ande­ren sagen ihre Sachen und dann muss man irgend­wann auf die­ses Signal hin sei­nen Text brin­gen. Durch diese Methode merke ich, ob ich auf den Ein­satz hin mei­nen Text beherr­sche. Es ähnelt dem Voka­bel­ler­nen mit dop­pelt bedruck­ten Kärt­chen. Man sieht das deut­sche Wort und muss das fremd­spra­chige wissen.

Was man nicht tun sollte, ist ein­fach nur lesen, leicht lässt man sich mit­reis­sen, ohne wirk­lich Text zu ler­nen dabei. Beim Lesen ist es klar, erst bei einer wirk­li­chen Abfrage merkt man, ob man den Text auch beherrscht. Für mich ist der Text immer der Anfang, das Spie­len ergibt sich dann erst spä­ter, also Beto­nung, Inten­sion, Hin­ter­ge­dan­ken, Mimik.

Ana­lo­gie zum Ler­nen von Klavierstücken

Beim Kla­vier­spie­len ist es das Glei­che. Ich will auch immer lie­ber das ganze Stück spie­len, obwohl ich ein­zelne Takte noch gar nicht beherr­sche. Man betrach­tet dann ein­zelne Takte, bei kom­pli­zier­ten Pas­sa­gen auch nur ein­zelne Töne. Wie greife ich um zwi­schen die­sen bei­den Akkor­den? Erst wenn man das oft genug wie­der­holt und auto­ma­ti­siert hat, kann man sich wie­der hin­aus bewe­gen und den Takt oder die Pas­sage anschauen. Es mag unter­schied­lich sein, da beim Kla­vier­spie­len Moto­rik eine Rolle spielt, aber das Prin­zip der kleins­ten fass­ba­ren Ein­heit ist für beide Domä­nen anwendbar.

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