Niederlassungsbewilligung

Heute habe ich einen Brief ein­ge­wor­fen, der mei­nen Sta­tus als Aus­län­der in der Schweiz ver­än­dern wird – mir winkt jetzt eine Nie­der­las­sungs­be­wil­li­gung, offi­zi­ell Aus­weis C EU/​EFTA genannt. Ich brauchte drei Dokumente,

  • eine Arbeits­be­stä­ti­gung,
  • einen Nach­weis, dass ich keine Sozi­al­leis­tun­gen bezo­gen habe und
  • eine Betrei­bungs­aus­kunft, wel­che zeigt, dass ich nie­man­dem Geld schulde.

Was wird sich jetzt ändern? Ich zahle meine wohl etwas erhöh­ten Steu­ern jetzt am Ende des Jah­res, muss eine Steu­er­er­klä­rung abge­ben, darf Immo­bi­lien erwer­ben und habe bes­sere Chan­cen bei der Arbeits-​​ und Woh­nungs­su­che. Von Schwei­zern unter­schei­det mich also nur noch das feh­lende Wahl­recht und die feh­lende Ver­pflich­tung zum Mili­tär­dienst. Und das Blei­be­recht ist dann unbe­fris­tet, ich habe also nichts zu befürch­ten, trotz aller Volksinitiativen.

Auf dem Schiebegütsch bei Sörenberg

Auf dem Schie­be­gütsch bei Sören­berg (Dezem­ber 2014)

Werde ich für immer in der Schweiz blei­ben? Ehr­lich gesagt weiß ich das noch nicht. Es lässt sich gut leben hier, ich habe mir in den letz­ten 9.5 Jah­ren ein Umfeld auf­ge­baut. Ab und an zieht es mich zurück in den gro­ßen Kan­ton im Nor­den, aber bis jetzt gab es kei­nen wirk­lich über­zeu­gen­den Grund zu gehen.

Fechten

Heute war die vor­letzte Lek­tion des Anfän­ger­kur­ses beim Fecht­club Zürich-​​Nord. Es ist immer noch anstren­gend, wenn auch nicht mehr ganz so chao­tisch wie am Beginn. Lang­sam klap­pen ein­zelne Para­den und Gegen­an­griffe, mein Fecht­parn­ter hat mich dann sogar mit einem Sturzan­griff (Flash) überrascht.

Beim Degenfechten

Beim Degen­fech­ten

In der Ein­zel­lek­tion mit der Leh­re­rin kamen dann auch wie­der meine Ver­bes­se­rungs­po­ten­ziale zur Spra­che – ich halte den Degen zu nah am Kör­per und den Unter­arm im fal­schen Win­kel. Ein geüb­ter Fech­ter würde mich wahr­schein­lich immer wie­der dort erwi­schen. Und ich mache zu viel mit den Bei­nen, da kom­men mir meine Volleyball-​​Bewegungsabläufe in die Quere, wo man wesent­lich mehr mit den Bei­nen macht. Beim Fech­ten soll ich ver­gleichs­weise sta­tisch daste­hen und bei einem Angriff nur mei­nen Arm aus­stre­cken, statt­des­sen tän­zele ich immer vor dabei und biete damit meine Beine als Tref­fer­flä­che an. Das war beim Vol­ley­ball kein Problem.

Für mich neu ist die Erfah­rung eines Zwei­kamp­fes, wenn auch nur sport­li­cher Natur ohne echte Ver­let­zungs­ge­fahr. Da steht jemand vor dir mit einem lan­gen spit­zen Degen und ver­sucht dich zu erwi­schen. Das ist schon eine beson­dere Erfah­rung. Wobei einem ja nichts pas­sie­ren kann, es ist ein sport­li­cher Schlag­ab­tausch, bei dem jeder mal schnel­ler ist oder bei einem Angriff dane­ben trifft. Mit einem ech­ten Degen sähe das Ganze dann schon anders aus, da kann ein Tref­fer des Geg­ners der Letzte sein. Und für die Bühne bräuchte man effekt­vol­lere Para­den als sie der Degen nahe­legt, da machen sich Säbel besser.

Dramateure-​​Probewochenende

Recht spät war es dies­mal, das erste Pro­be­wo­chen­ende der Biografie-​​Produktion. Wir über­nach­te­ten in der Maus­er­hütte in der Nähe von Schwyz. Von dort hat­ten wir einen herr­li­chen Aus­blick über das Nebel­meer, wel­ches für alle Leute unter­halb von 900 m einen trü­ben Tag bedeutete.

Wir kom­men im Stück gut voran, alle Sze­nen sind gestellt, jetzt hapert es vor allem am Text. Ich muss da auch Asche auf mein Haupt streuen, es ist recht viel Text für mich und ich bin noch weit davon ent­fernt, ihn per­fekt zu beherr­schen. Und das lähmt, da man unsi­cher ist, was man sagen soll und den Kopf nicht frei hat für die Bewe­gun­gen und Emo­tio­nen. Mit dem Text werde ich mich in den nächs­ten bei­den Mona­ten sehr inten­siv beschäf­ti­gen, versprochen.

Und wir haben am letz­ten Don­ners­tag einen Trai­ler gedreht, der alles bis­her gewe­sene in den Schat­ten stel­len wird. Zwei von den Fotos oben ent­stan­den im Laufe der Dreh­ar­bei­ten im Kellertheater.

Mitteilung zu Jod-​​Tabletten

Kernkraftwerk Beznau

Kern­kraft­werk Beznau

Letzte Woche erhielt ich – nach einer vor­he­ri­gen Ankün­di­gung – eine Packung Jod­ta­blet­ten. Diese sol­len die Anwoh­ner im 50 km-​​Umkreis der Schwei­zer Kern­kraft­werke vor den Gefah­ren von radio­ak­ti­vem Jod schüt­zen. Dazu kam ein wei­te­rer Brief mit ergän­zen­den Infor­ma­tio­nen, den ich hier gern wie­der­ge­ben möchte.

An die Ein­woh­ne­rin­nen und Ein­woh­ner
im 50-​​km-​​Umkreis
der Schwei­zer Kern­kraft­werke
_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​

Bern, im Novem­ber 2014

WICHTIGE ERGÄNZENDE INFORMATIONEN ZUR JODTABLETTEN-​​VERTEILUNG
Neh­men Sie sich zwei Minu­ten Zeit für diese wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen

Sehr geehrte Damen und Her­ren

Sie haben kürz­lich Jod­ta­blet­ten in Ihren Brief­kas­ten bekom­men oder wer­den diese in den nächs­ten Tagen noch erhal­ten. In der Öffent­lich­keit wurde die Ver­tei­lung kon­tro­vers dis­ku­tiert, was zu Miss­ver­ständ­nis­sen und Unklar­hei­ten führte. Wir haben fest­ge­stellt, dass wir unge­nü­gend über die Ver­tei­lung infor­miert haben. Mit die­sem Brief möch­ten wir einige wich­tige Infor­ma­tio­nen ergänzen:

  • Sie erhal­ten Jod­ta­blet­ten, weil wir einen Unfall in einem Schwei­zer Kern­kraft­werk lei­der nicht aus­schlies­sen können
  • Jod­ta­blet­ten schüt­zen Sie nicht voll­um­fäng­lich vor den Fol­gen eines Kernkraftwerk-​​Unfalls, son­dern nur vor­über­ge­hend gegen dabei frei­ge­setz­tes radio­ak­ti­ves Jod. Es kön­nen aber wei­tere radio­ak­tive Stoffe wie Cäsium oder Stron­tium frei­ge­setzt wer­den, die Krebs und Leuk­ämie ver­ur­sa­chen kön­nen. Die Ein­nahme von Jod­ta­blet­ten schützt Sie nicht gegen diese Sub­stan­zen und ihre Folgen.
  • Nach einem Unfall kön­nen Lebens­mit­tel und Trink­was­ser stark radio­ak­tiv ver­seucht wer­den, auch in sehr gros­ser Ent­fer­nung vom Unfall­re­ak­tor. Wie damit umge­gan­gen wer­den soll, ist unklar.
  • Jod­ta­blet­ten sind am wirk­sams­ten, wenn sie kurz vor dem Durch­gang einer radio­ak­ti­ven Wolke ein­ge­nom­men wer­den. Wir kön­nen aber nicht garan­tie­ren, dass die Auf­for­de­rung, die Tablet­ten ein­zu­neh­men, recht­zei­tig erfolgt.
  • Bei einem Kernkraftwerk-​​Unfall wird mög­li­cher­weise zusätz­lich zur Ein­nahme von Jod­ta­blet­ten eine Eva­ku­ie­rung ange­ord­net. Wie eine gross­räu­mige Eva­ku­ie­rung kon­kret abliefe und wo die Eva­ku­ier­ten unter­ge­bracht wür­den, ist unklar.
  • Je nach Wind­rich­tung und -stärke kann sich die radio­ak­tive Wolke bei einem Kernkraftwerk-​​Unfall über hun­dert Kilo­me­ter aus­brei­ten. Der Bund ver­teilt Jod­ta­blet­ten aber nur an Haus­halte, Betriebe und öffent­li­che Ein­rich­tun­gen in einem 50-​​km-​​Radius und nur auf Schwei­zer Boden.

Wir möchten beto­nen, dass die Still­le­gung der fünf Schwei­zer Kern­kraft­werke einen wirk­sa­me­ren Schutz gegen nukleare Risi­ken dar­stel­len würde als Jod­ta­blet­ten. Bis­her hat es das Schwei­zer Par­la­ment jedoch abge­lehnt, die Betriebs­dauer der Kern­kraft­werke zu begren­zen.

Freund­li­che Grüsse
Ihre Geschäfts­stelle Kaliumiodid-​​Versorgung
Zustän­dig für die Jodtabletten-​​Verteilung

Es stellte sich nun her­aus, dass die­ser Brief nicht von der Geschäfts­stelle Kaliumiodid-​​Versorgung stammt, son­dern von Green­peace Schweiz (Medi­en­mit­tei­lung Jod­ver­tei­lung).

Ich kann die For­de­rung nach Abschal­tung der Kern­kraft­werke nur unter­stüt­zen. Es gibt, abge­se­hen von den Jod­ta­blet­ten, kein wirk­li­ches Kon­zept für eine Reak­tor­ka­ta­stro­phe. In der dicht­be­sie­del­ten Schweiz und auch in den Nach­bar­län­dern würde ein Reak­tor­un­fall Mil­lio­nen von Men­schen betref­fen. Die Schweiz hat nach Fukus­hima zwar einen lang­sa­men Aus­stieg aus der Kern­en­er­gie beschlos­sen, aber das bedeu­tet noch viele Jahre Rest­lauf­zeit für sehr alte Reak­to­ren (siehe Stu­die zu Schwei­zer Kern­kraft­wer­ken).