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mathias wellner

auf den spuren meiner selbst

Es ist eins der weni­ger bekann­ten Stü­cke von Ten­nes­see Wil­liams, der den meis­ten wahr­schein­lich durch Die Katze auf dem hei­ßen Blech­dach oder End­sta­tion Sehn­sucht ein Begriff ist. Den­noch ist es äußerst loh­nend, viel­schich­tig ange­legt und hält dem ame­ri­ka­ni­schen Süden einen scho­nungs­lo­sen Spie­gel vor.

Die Haupt­fi­gur ist Val, ein her­um­zie­hen­der Sän­ger mit Schlan­gen­le­der­ja­cke und Gitarre auf dem Rücken. Er kommt in einem pro­vin­zi­el­len Örtchen an, auf der Suche nach Arbeit. Die Besit­ze­rin eines Ladens (Lady) stellt ihn als Laden­ge­hil­fen an und zwi­schen den bei­den ent­wi­ckelt sich eine inter­es­sante Bezie­hung. Sie ist unglück­lich ver­hei­ra­tet, ihr Mann nach einer Krebs-​​Operation ein wan­deln­der Toter. Auch andere Damen füh­len sich vom cha­ris­ma­ti­schen Frem­den ange­zo­gen, ihre uner­füll­ten Sehn­süchte und zer­bro­che­nen Träume kom­men zum Vorschein.

Schön und sym­bo­lisch zugleich ist Val’s Geschichte von einem klei­nen blauen Vogel ohne Füße, der nie­mals den Boden berührt, außer bei sei­nem Tod. So will er sein, unkor­rum­piert und frei.

Aus­zug aus “Orpheus Descen­ding” von Ten­nes­see Wil­liams (MP3, 900 kB)

Der Bezug zur grie­chi­schen Mytho­lo­gie ist schon durch den Titel gege­ben. Orpheus war dort der berühm­teste aller Sän­ger und konnte sogar die Her­zen von Hades und Per­se­phone erwei­chen, nach­dem seine Frau Eury­dike durch einen Schlan­gen­biss gestor­ben war. Sie durfte mit ihm zurück in die Ober­welt, aber unter der Bedin­gung, dass er vor­an­ge­hen und sich nicht nach ihr umschauen dürfe. Als er schon oben ist, sie aber noch nicht ganz, dreht er sich zu früh um und ver­liert seine Frau erneut. Die Ähnlich­keit zum Gitarre spie­len­den Val ist offen­sicht­lich, das Her­ab­stei­gen von Orpheus in den Hades ent­spricht also dem Ankom­men von Val im Ort. Der ame­ri­ka­ni­sche Süden als Hölle – ein erschre­cken­des Bild.

Mecha­nis­ti­scher Teil (Pro­zesse abbil­den, kon­trol­lie­ren) und mensch­li­cher Teil (Moti­va­tion, Führung)

Pro­jekt­kon­trolle und Systemtheorie

Pro­jekt ist offe­nes Sys­tem, damit ist Vor­aus­sage über Zukunft unmöglich

Pro­jekt strebt nach Erfül­len von über­ge­ord­ne­ten Zie­len (Projektziele)

Durch Rege­lung sorgt der Pro­jekt­lei­ter dafür, dass die Pro­jekt­ziele ein­ge­hal­ten werden.

Ver­schie­dene Ebe­nen von Pro­jek­ten: Port­fo­lio, Pro­gramm, Einzelprojekt

Defi­ni­tion von Projektzielen

Ablei­tung von Unternehmens-​​Strategie

Drei­eck von Zeit, Kos­ten und Qua­li­tät (Erfül­len von tech­ni­schen Spezifikationen)

Pro­jekt­pla­nung

  • Defi­nie­ren der Projektresultate
  • Defi­ne­ren der Arbeitspakete
  • Schät­zung des Arbeitsaufwandes
  • Ter­mine für Arbeits­pa­kete festlegen
  • Ressourcen-​​Verfügbarkeit über­prü­fen und anpassen
  • Bud­get erstellen
  • Ter­mine und Bud­get zusammenführen
  • Leis­tungs­in­di­ka­to­ren identifizieren
  • Erfolgs­fak­to­ren identifizieren

Quelle: Peter Har­phum, Pro­ject Con­trol, In: The Wiley Guide to Mana­ging Pro­jects, Peter W. G. Mor­ris, Jef­frey K. Pinto (Eds.), John Wiley and Sons, 2004

Thea­ter spie­len heißt etwas tun und dabei den gesam­ten Kör­per ein­zu­set­zen. Eine Thea­ter­probe muss unbe­dingt kör­per­li­che Akti­vi­tä­ten ent­hal­ten, sonst wird Thea­ter zu einer rein geis­ti­gen Übung ohne phy­si­sche Wahr­heit. Ich möchte einige Übun­gen vor­stel­len, um Bewe­gung in die Thea­ter­probe einzubauen.

Iso­la­ti­ons­übung (zu Musik)

Man nutzt den gan­zen Kör­per, kon­zen­triert sich nach­ein­an­der auf Fuß­ge­lenke, Knie, Hüfte, Ober­kör­per, Schul­tern, Kopf, Ell­bo­gen, Hand­ge­lenke und schließ­lich die Fin­ger­spit­zen. Danach kann man noch frei kom­bi­nie­ren, rich­tig Gas geben und schließ­lich wie­der run­ter kommen.

Lauf­übun­gen

Lau­fen ist etwas extrem Ele­men­ta­res. Eine Übung besteht darin, dass alle durch den Raum lau­fen und der Lei­ter die Stim­mung vor­gibt. Bei Bedarf kann man noch gele­gent­lich ein­frie­ren und einige Leute zum Anschauen befreien. Bei einer ande­ren Vari­ante der Lauf­übung gibt der Lei­ter das Tempo in Abstu­fun­gen von 1 bis 10 vor.

Fol­gen

Alle lau­fen herum und fol­gen einer Per­son, machen also genau das Glei­che. Die Leit­per­son kann das Tempo ver­än­dern, Sprünge ein­bauen, was immer ihr einfällt.

Au ja!

Alle sind auf der Bühne. Einer schlägt laut etwas vor, zum Bei­spiel auf den Boden legen oder an eine Wand gehen. Dann rufen alle “Au ja!” und füh­ren die Hand­lung aus.

Gruppen-​​Einfrieren

Die Gruppe bewegt sich im Raum. Einer friert ein, alle ande­ren fol­gen so schnell wie mög­lich. Jemand anders fängt wie­der an mit bewe­gen. Wie­der fol­gen alle ande­ren. Es funk­tio­niert tat­säch­lich und gibt ein unheim­li­ches Gruppengefühl.

Das letzte Kapi­tel, das aller­letzte auf dem Weg zur Pro­mo­tion – die fei­er­li­che Über­rei­chung der Urkunde. Der Scherrer-​​Hörsaal war fest­lich geschmückt, ebenso die frisch­ge­ba­cke­nen Dok­to­rin­nen und Dok­to­ren. Die ETH Big Band spielte auf in einer sehr blech­las­ti­gen Kon­stel­la­tion, sie schmet­terte uns den Jubel ent­ge­gen. Dann durfte jeder ein­zeln nach vorn gehen und bekam von der Rek­to­rin die Urkunde über­reicht. Ein paar Worte, dann den Blick zum Foto­gra­fen gerich­tet, knips, wie­der zur Rek­to­rin, “alles Gute wei­ter­hin”. So ging das für viel­leicht 150 Leute, Dok­tor­ti­tel am lau­fen­den Band. Glaubt mir, es ist nichts Beson­de­res. Ich musste abends noch­mal zur Firma, etwas abschlie­ßen, bin schon ganz gefan­gen im neuen Job.

So lang­sam ver­klärt sich mein Blick auf die ETH-​​Zeit, eine wei­tere Sta­tion ist abge­schlos­sen. Nur jetzt ist der nächste Schritt nicht mehr so klar vor­ge­ge­ben, ich bin völ­lig frei. Unter­neh­men, Pro­jekte, Fami­lie, Deutsch­land, Schweiz, Öster­reich – alles ist offen und wird sich schon finden.

Die Urkunde selbst ist schön gestal­tet. Das ETH-​​Logo ist geprägt, feine rote Linien durch­zie­hen den rech­ten Bereich und die schlanke ETH-​​Schrift ver­leiht dem Schrift­feld eine nüch­terne Ele­ganz. Ich werde sie gut bewah­ren und nicht an die Wand hän­gen, sonst fan­gen die Leute noch an, mich bei kör­per­li­chen Gebre­chen zu konsultieren.

Die Groß­schrei­bung auch von Sub­stan­ti­ven ist eine Eigen­art des Deut­schen (und Luxem­bur­gi­schen). In ande­ren Spra­chen (wie dem Eng­li­schen oder Fran­zö­si­schen) wer­den nur Eigen­na­men und Satz­an­fänge groß­ge­schrie­ben. In außer­eu­ro­päi­schen Spra­chen fehlt diese Unter­schei­dung ganz. Damit spart man sich zwei sepa­rate Alpha­bete. In die­sem Bei­trag möchte ich die Her­kunft die­ses Phä­no­mens erläu­tern und auch die radi­kale klein­schrei­bung auf der basis von otl aichers buch “typo­gra­phie” vorstellen.

HERKUNFT DER GROSSBUCHSTABEN

DIE BUCHSTABEN DES GROSSEN ALPHABETS WURDEN VON DEN RÖMERN FÜR GRABINSCHRIFTEN ODER AUF GEBÄUDEN VERWENDET. ES IST EINE DEKORATIVE MONUMENTALSCHRIFT, DIE AUFGRUND DER IDENTISCHEN HÖHE ALLER BUCHSTABEN EXTREM SCHWER LESBAR IST. MÜHSAM BUCHSTABIERT MAN, FLÜSSIGES LESEN IST SO NICHT MÖGLICH. MAN SOLL JA AUCH NICHT LESEN SONDERN STAUNEN.

her­kunft der kleinbuchstaben

neben den deko­ra­ti­ven groß­buch­sta­ben haben zu allen zei­ten auch gebrauchs­schrif­ten exis­tiert, die man schnell zu papier oder papy­rus brin­gen konnte. am hofe von karl dem gro­ßen wur­den im ach­ten jahr­hun­dert die karo­lin­gi­schen minus­kel als ver­wal­tungs­schrift ent­wi­ckelt. es war eine gebrauchs­schrift, aus der spä­ter die deut­schen und latei­ni­schen klein­buch­sta­ben her­vor­gin­gen. die les­bar­keit ist gegen­über den groß­buch­sta­ben deut­lich ver­bes­sert, da jedes wort durch die ober– und unter­län­gen eine cha­rak­te­ris­ti­sche form erhält. im grunde lesen wir keine ein­zel­nen buch­sta­ben, son­dern wort­for­men. unsere schrift ist somit eine mischung aus zei­chen– und wort­schrift, jedoch auf abs­trak­ter basis.

Zusam­men­füh­rung

In der Renais­sance wur­den die alten Alpha­bete wie­der­ent­deckt und für die brand­neue Erfin­dung des Buch­drucks ver­wen­det. Groß­buch­sta­ben dien­ten dabei der Her­vor­he­bung vor allem reli­giö­ser Begriffe, wie GOtt. Die Groß­schrei­bung von Sub­stan­ti­ven ent­wi­ckelte sich in Deutsch­land zu Zei­ten des Barock.

In Bezug auf die Les­bar­keit ent­steht durch groß­ge­schrie­bene Sub­stan­tive mehr Varia­bi­li­tät im Satz­ge­füge. Auch die Groß­buch­sta­ben am Satz­an­fang erleich­tern das Lesen und las­sen das Auge schnel­ler zu die­sem mar­kan­ten Punkt sprin­gen. Eine Stu­die mit Nie­der­län­dern zeigte einen Geschwin­dig­keits­vor­teil bei Ein­füh­rung der sprach­frem­den Groß­schrei­bung von Substantiven.

Grund­sätz­lich Stellt sich aber die frage, warum man aus­ge­rech­net sub­stan­tive groß Schreibt und nicht ver­ben, wel­che immer­hin die akti­vi­tät Beinhal­ten. Oder adjek­tive, denen oft­mals eine Wich­tige Beschrei­bende bedeu­tung zukommt. Die aus­wir­kung auf die les­bar­keit Wäre die glei­che, bestimmte wör­ter Ste­hen her­vor und mit der zeit Gewöhnt man sich dran.

otl aicher – typographie

eine radi­kale posi­tion besetzt otl aicher, der sich gegen groß­buch­sta­ben gene­rell wehrt. seine begrün­dung ist, dass diese rein reprä­sen­ta­ti­ven cha­rak­ter haben, wäh­rend sich die klein­schrift als gebrauchs­schrift ent­wi­ckelt hatte, deren zweck die mit­tei­lung selbst war und nicht die form. außer­dem kri­ti­siert er das mit der groß­schrei­bung ein­her­ge­hende welt­bild, wel­ches für ihn cha­rak­te­ri­siert wird durch den sieg des adels über die städte.

das ändert auch die spra­che. zuerst wer­den die namen der höhe­ren insti­tu­tio­nen als etwas höhe­res aus­ge­zeich­net. sie erhal­ten einen zie­ren­den groß­buch­sta­ben. dann wer­den die haupt­wör­ter ins­ge­samt ange­ho­ben. es wird nicht nur der advo­kat groß geschrie­ben, son­dern auch das recht, nicht nur der minis­ter, son­dern auch der staat, nicht nur der geist­li­che herr, son­dern auch die kir­che, nicht nur der gelehrte, son­dern auch die wis­sen­schaft. das gene­relle wird bedeu­ten­der als das kon­krete, das all­ge­meine bedeu­ten­der als die tätigkeit.

damit geht es nicht nur um die zufäl­lige aus­zeich­nung bestimm­ter wort­klas­sen, son­dern um defi­ni­ti­ons­macht. eine demo­kra­ti­sche, frei­heit­li­che gesin­nung drückt sich also kon­se­quen­ter­weise in gene­rel­ler klein­schrei­bung aus. jedoch beein­träch­tigt das die les­bar­keit, es feh­len beson­ders am satz­an­fang die mar­kan­ten großbuchstaben.

Fazit

Aber wenn ihr bis hier­her gekom­men seid, könnt ihr euch selbst ein urteil bil­den. Als kom­pro­miss gibt es noch die gemä­ßigte klein­schrei­bung, bei der – ähnlich wie im Eng­li­schen – die satz­an­fänge und eigen­na­men groß geschrie­ben wer­den. Ungewohnt.