Schlank durch Schokolade?

Zwei Wissenschafts-​​Journalisten woll­ten es wis­sen – kann man mit einer völ­lig abstru­sen Diät-​​Idee viele Men­schen errei­chen? Und wie schwer ist es, dafür das wich­tige Prä­di­kat „wis­sen­schaft­lich belegt” zu erhalten?

In einer salopp durch­ge­führ­ten Stu­die mit ca. 20 Teil­neh­mern ver­gli­chen sie die Gewichts­ent­wick­lung der Inter­ven­ti­ons­gruppe (also die mit Scho­ko­lade) mit zwei ande­ren Grup­pen. Durch einige Tricks und „geschickte” Aus­wer­tung erhiel­ten sie das gewünschte Resul­tat, die Inter­ven­ti­ons­gruppe nahm ab, alle ande­ren nicht. Inter­es­sant war nun, dass sie diese qua­li­ta­tiv sehr man­gel­hafte Stu­die in einer wis­sen­schaft­li­chen Zeit­schrift plat­zie­ren konnten.

Beglei­tet wurde die Stu­die durch Wer­be­spots mit Schau­spie­lern, einer Facebook-​​Gruppe und einem klang­vol­len Insti­tut. Und es funk­tio­nierte – die BILD brachte die neue Diät auf der ers­ten Seite, wenig spä­ter folg­ten zahl­rei­che wei­tere Medien. Das Ganze zeigt das Ver­sa­gen der wis­sen­schaft­li­chen und jour­na­lis­ti­schen Qualitätskontrolle.

Die ganze Doku­men­ta­tion fin­det ihr auf arte​.tv.

Cortesi-​​Lesungen bei der KulTour in Baden

Die beschau­li­che Klein­stadt Baden, die nur 20 Bahn­mi­nu­ten von Zürich ent­fernt liegt, hat in die­sem Jahr ein Kul­tur­fes­ti­val der beson­de­ren Art auf die Beine gestellt – die Kul­Tour. Das Motto ist beste­chend ein­fach, es gibt Ver­an­stal­tun­gen jede halbe Stunde, die jeweils 15 Minu­ten dau­ern. Danach kann man gemüt­lich zum nächs­ten Ver­an­stal­tungs­ort gehen.

Für den gerade ent­ste­hen­den zwei­ten Kri­mi­nal­ro­man der Cortesi-​​Reihe. Der Roman spielt in Baden, die erste Lei­che wird in einem ver­las­se­nen Kur­ho­tel gefun­den, genau wie es sich am Kur­platz befin­det. Was lag da also näher, als Kurz­le­sun­gen anzu­bie­ten. Es gab Auf­tritte um 13, 15, 17, 19 und 21 Uhr. War nicht so ganz ein­fach, die Span­nung jedes Mal auf­zu­bauen, auch ange­sichts der hoch­som­mer­li­chen Temperaturen.

Es waren über­ra­schend viele Leute, die sich alle zwei Stun­den auf dem Kur­platz ver­sam­mel­ten, mit einem sol­chen Andrang hatte ich nicht gerech­net. Und so las ich immer wie­der in ver­schie­de­nen Räum­lich­kei­ten des ver­las­se­nen Kur­ho­tels. Wir waren unten in den alten Bädern, spä­ter mit noch mehr Leu­ten im gro­ßen Fest­saal. Bei der letz­ten Lesung war es schon fast dun­kel, ich musste mit dem Handy leuchten.

Im Gegen­zug besuch­ten wir auch einige Ver­an­stal­tun­gen, Chöre, eine Poetry-​​Slam-​​Künstlerin, Live-​​Stadtgeschichte und ein Orgel­kon­zert. War ein schö­ner Tag, und am schöns­ten war die Ther­mal­bank ganz in der Nähe des Kurplatzes.

Regie führen

Zur­zeit besu­che ich den Kurs Schau­spie­len unter Regie­an­wei­sung. Das Erar­bei­ten einer Szene ist ein künst­le­ri­scher Pro­zess, bei dem ver­schie­dene Men­schen natur­ge­mäß ver­schie­dene Vor­stel­lun­gen haben wer­den. Und als Regis­seur darf man die­sen Pro­zess nun len­ken und gestal­ten. Ein wesent­li­ches Ele­ment der künst­le­ri­schen Arbeit sind die Regieanweisungen.

Laura Cheveley und Lord Goring, Foto Alexander Zipes

Sze­nen­foto aus mei­ner ers­ten Regie­ar­beit „Ein idea­ler Gatte”, Foto Alex­an­der Zipes

Ursa­chen vs. Effekte

Wenn man sich eine Szene vor­stellt, sind es vor allem die Effekte der Sätze und Situa­tio­nen, wel­che einem prä­sent sind. Man ist über­rascht, belus­tigt, erschro­cken. Und genau diese Effekte ver­sucht man nun den Schau­spie­lern zu ver­mit­teln – was ein Holz­weg ist. Denn das Ein­stu­die­ren von emo­tio­na­len Reak­tio­nen zu bestimm­ten Zeit­punk­ten wird kein leben­di­ges Spiel erzeu­gen. Wir­kungs­vol­ler ist die ursa­chen­ori­en­tierte Insze­nie­rung. Statt plum­per Effekte stellt man die Ursa­chen her, also vor allem die Handlungen.

Gute Regie­an­wei­sun­gen

Am bes­ten sind Ver­ben, die Aktio­nen beschrei­ben. Es ist immer mög­lich, etwas bestimm­tes zu tun. Und außer­dem hat man stets ein Ziel, man möchte etwas erreichen.

Durch Ver­ben beschreibt man Hand­lun­gen, die der Schau­spie­ler aus­füh­ren kann. Man stellt Ursa­chen her für die Ent­wick­lung inner­halb der Szene.

Die ele­men­ta­ren W-​​Fragen zur sze­ni­schen Arbeit sind

  • Was will ich?
  • Warum will ich das?
  • Was tue ich, um das zu bekommen?
  • Wel­chen Preis würde ich bezah­len, um mein Ziel zu erreichen?
  • Bin ich bereit, mein Ziel mit allen Mit­teln zu verfolgen?
  • Was steht mir im Weg?

Schlechte Regie­an­wei­sun­gen

Und ja, ich habe das alles gemacht und fand es sinnvoll.

  • Emo­tio­nale Land­kar­ten (an der Stelle bist du wütend, bei dem Satz dann freu­dig über­rascht, am Ende traurig)
  • Grund­sätz­lich gut. Aber nimm das zurück, mach es kleiner.
  • ein biss­chen…
  • Zu lange und intel­lek­tu­elle Ausführungen
  • Ich sehe die Figur so…

Zweitageswanderung im Bernina-​​Gebiet

Das ver­län­gerte Wochen­ende ver­brachte ich mit eini­gen Meetup-​​Leuten im Süd­os­ten der Schweiz beim Wan­dern, wir waren im Kan­ton Grau­bün­den nahe der ita­lie­ni­schen Grenze. Am Sams­tag fuh­ren wir mit dem Bernina-​​Express von Chur bis Poschiavo. Schon die Eisen­bahn­fahrt ist ein Erleb­nis mit wun­der­schö­ner Land­schaft, Steig­tun­neln und Via­duk­ten. Der Höhe­punkt ist sicher die Fahrt über den Bernina-​​Pass, vor­bei am male­ri­schen Lago Bianco. Nach die­sem Pass geht es hin­un­ter ins Val Poschiavo (Puschlav).

Die Wan­de­rung am ers­ten Tag war dann der Auf­stieg von Poschiavo nach Alp Grüm, wo wir kurz vor­her noch durch­ge­fah­ren waren. Es waren ins­ge­samt 1100 Höhen­me­ter. Unter­wegs schau­ten wir noch beim Glet­scher­gar­ten Cavaglia vor­bei. Mit­ten im Fels waren rie­sige, kreis­runde Löcher, die Töpfe der Rie­sen. Wir haben lange gerät­selt, wie diese zustande gekom­men waren. Die Erklä­rung sind Was­ser­wir­bel bei abflie­ßen­dem Glet­scher­was­ser unter­halb des Glet­schers. Und in die­sen Wir­beln fräst sich har­ter Quarz­sand in den Unter­grund ein und schafft diese rät­sel­haf­ten Ver­tie­fun­gen im har­ten Fels­ge­stein. Der wei­tere Auf­stieg war dann nicht mehr so wild, gegen fünf waren wir oben an der Bahn­sta­tion, gerade recht­zei­tig vor dem Regen.

Wir hat­ten vor­her Zim­mer in der Albergo Ris­to­r­ante Alp Grüm reser­viert, einem Bahn­hofs­re­stau­rant mit eini­gen Gäs­te­zim­mern im obe­ren Stock­werk. Unsere Sech­ser­gruppe machte einen Groß­teil der Gäste aus, war echt fami­liär dort. Der Wirt hatte uns auch schon im Vor­feld tele­fo­nisch zur Wan­der­lage bera­ten, wir folg­ten dann am nächs­ten Mor­gen sei­nem Rat­schlag und fuh­ren mit dem Zug bis zur Berg­sta­tion Mor­te­ratsch. Denn auf dem Bernina-​​Pass lag zu viel Schnee zum Wan­dern. Und so stapf­ten wir dann von der Sta­tion Mor­te­ratsch run­ter ins Tal, erst nach Pon­tre­sina, danach durch den Wald nach St. Moritz.