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mathias wellner

klar träumen, klar denken

In einem reich­li­chen Monat ist es soweit – wir spie­len Top Dogs, ein Stück von Urs Wid­mer. Es geht um arbeits­lose Füh­rungs­kräfte, die sich in einem Outplacement-​​Center tref­fen und sich fit machen für den nächs­ten Schritt. Es gibt keine durch­ge­hende Hand­lung, epi­so­den­haft wird der The­men­kreis von ver­schie­de­nen Sei­ten beleuch­tet. Für mich geht es vor allem um Werte – Geld, Macht, Fami­lie, Sta­tus – und wie die Cha­rak­tere ver­su­chen, daran festzuhalten.

Um mög­lichst viele Zuschauer für das Stück zu begeis­tern, brau­chen wir natür­lich ein Pla­kat. Mit einem guten Zeich­ner in der Gruppe war die sati­ri­sche Umset­zung des Stück­ti­tels kein Pro­blem, als Foto­graf wäre ich da an meine Gren­zen gestoßen.

Plakatentwurf "Top Dogs"

Pla­kat­ent­wurf für die Top-​​Dogs-​​Produktion

Bitte gebt Feed­back zum Ent­wurf! Würde euch die­ses Pla­kat ani­mie­ren, das Stück anzuschauen?

Sonn­tag Mor­gen, Kir­chen­glo­cken läu­ten, ein paar Wol­ken zie­hen am Him­mel, end­lich Son­nen­schein nach so viel Regen. Eigent­lich wollte ich im Enga­din sein, aber ges­tern sah es dort trübe aus, eine frus­trierte SMS erreichte mich am frü­hen Mor­gen. Schon wie­der abge­sagt, auf­ge­scho­ben die Tour, im Sep­tem­ber viel­leicht. Ist der Som­mer schon vor­bei? Ich machte Mut, der Som­mer kommt bestimmt noch­mal zurück.

Ich gehe ohne Früh­stück spa­zie­ren heute, möchte die Sinne ganz öffnen. Nehme die Seil­bahn zum Rigi­blick, die Wol­ken hän­gen tief über Zürich, aber im Wes­ten strahlt blauer Him­mel. Ein­fach rein in den Wald, rechts vom Thea­ter­ge­bäude, gran­diose Lage, dort müsste man mal spie­len. Aber los­las­sen, alle Gedan­ken bei­seite schie­ben, im Jetzt sein, atmen, hören, sehen, riechen.

Eine ver­brannte Brat­wurst liegt noch auf dem Grill mit­ten im Wald, es riecht ver­brannt, sie waren wohl unter dem run­den Dach, durch­sich­tige Plas­tik­be­cher ste­hen herum, ein Papp­tel­ler liegt gefal­tet am Boden. Auf der Heim­fahrt betrete ich ein mit getrock­ne­tem Schlamm arg mit­ge­nom­me­nes Tram, Kopf­schüt­teln ringsum, was ist gesche­hen, ein Open-​​Air-​​Konzert im Schlamm, was sollte der Fah­rer machen? Ver­ant­wor­tungs­los, aus­ba­den müs­sen es andere, Zür­cher sind nicht ordent­li­cher als andere, eher schlim­mer, da alles rasch besei­tigt wird.

Spiegelung

Was­ser­spie­ge­lung

Ein aus­ge­höhl­ter Baum­stamm als Was­ser­trog, es spru­delt unauf­hör­lich. Die grü­nen Blät­ter spie­geln sich im Was­ser, das sieht man nur von der dem Weg abge­wand­ten Seite, Gegen­licht ist meist span­nen­der für Fotos. Breit­bei­nig stehe ich über dem Rinn­sal im Halb­matsch, beuge mich run­ter, um die­ses Foto zu machen.

Es ist weit­ge­hend ruhig, zumin­dest denkt man das. Ein­mal bleibe ich ste­hen, so viele Vögel um mich herum, flie­gen von Ast zu Ast, jagen sich, picken irgend­was, Kohl­mei­sen. In einem Holz­sta­pel spä­ter sehe ich zwei Rot­kehl­chen, die sich ver­ste­cken, vor­sich­tig spä­hen, weg­flie­gen. Noch bin ich zu jung und unge­dul­dig, um Orni­tho­loge zu sein, ich gehe wei­ter. Bis Stett­bach, quer über den bewal­de­ten Hügel.

Blätter

Blät­ter in der Morgensonne

Bau­stelle am Bahn­hof, nackte Stahl­ske­lette recken sich in den Him­mel, Hin­weis­schil­der zu den Glei­sen und zum schein­bar ver­las­se­nen Kiosk. Die Sie­ben fährt ein und dreht eine Schlaufe, wo hält sie? Ich gehe quer durch die Bau­stelle, geführt von Bau­stel­len­ab­gren­zun­gen und errei­che das Tram.

Pan­the­is­mus, Natur­er­leb­nis oder ein­fach ent­span­nen, lang­sam und bewusst gehen, die Sinne öffnen. Einen Jog­ger höre ich schon von Wei­tem, seine Schritte trom­meln auf dem Kies­bo­den. Nor­dic wal­king ist noch lau­ter, die spit­zen Sto­cken­den knal­len in den Boden. Eine Jog­ge­rin redet mit ihrer Kol­le­gin, ohne Pro­bleme und ohne abzu­set­zen, ein Mann hechelt hin­ter­her. Ich gehe lang­sam, halte manch­mal an, höre, sehe, rieche.

Anlass

Vor kur­zem habe ich mei­nen Rech­ner neu auf­ge­setzt, nun ist Win­dows 7 mein Betriebs­sys­tem. Ubuntu Linux läuft nun als vir­tu­elle Maschine mit dem VMware Player.

Zutritt verboten

Pri­vat­späre

Im Zuge der Neu­in­stal­la­tion habe ich mir auch Gedan­ken zum Thema Email-​​Sicherheit gemacht. Bereits 2003 hatte ich mir ein Schlüs­sel­paar (der öffent­li­che Teil des Schlüs­sels ist auf diver­sen Key-​​Servern ver­füg­bar) erzeugt, die­ses aber nur gele­gent­lich genutzt. Das wird sich nun wie­der ändern!

Warum ver­schlüs­seln?

Ange­sto­ßen durch die Dis­kus­sio­nen über die stän­dig schrump­fende Pri­vat­sphäre möchte ich mir einen Teil mei­ner Pri­vat­sphäre zurück­er­obern – pri­vate Emails sind da ein wich­ti­ger Bestand­teil. Nor­male Emails sind wie Post­kar­ten, auf allen Ser­vern kann man sie mit den ent­spre­chen­den Zugriffs­rech­ten lesen. Die Ver­schlüs­se­lung ist wie ein Brief­um­schlag, der den pri­va­ten Inhalt vor neu­gie­ri­gen Bli­cken schützt. Die zuneh­mende Kom­mu­ni­ka­tion über soziale Netz­werke sehe ich kri­tisch, da kom­mer­zi­elle Inter­es­sen dort domi­nie­ren und die hohen Anfangs­in­ves­ti­tio­nen irgend­wann rein­kom­men müs­sen. Gerade Face­book ist durch einige Vor­fälle in die Kri­tik gera­ten (siehe z.B. Face­books unsicht­bare Lis­ten in der ZEIT).

Im unter­neh­me­ri­schen Umfeld ist das Ver­schlüs­seln von Daten noch wich­ti­ger, da man wich­tige Doku­mente ungern an Dritte wei­ter­rei­chen würde. Dass dies heute nur sehr wenige Fir­men machen, ist für mich kaum nach­voll­zieh­bar. Ver­träge, tech­ni­sche Doku­mente oder Soft­ware wer­den so quasi als Post­karte ver­sen­det, Indus­trie­spio­nage erheb­lich vereinfacht.

Öffent­li­cher und gehei­mer Schlüs­sel beim RSA-​​Verfahren

Tech­nisch beruht die Ver­schlüs­se­lung von Emails auf dem RSA-​​Kryptosystem. Mit einem geeig­ne­ten Pro­gramm könnt ihr euch ein Schlüs­sel­paar erzeu­gen, wel­ches aus einem gehei­men und einem öffent­li­chen Schlüs­sel besteht. Den öffent­li­chen Schlüs­sel könnt ihr her­um­schi­cken, mit ihm kann ich auch Nach­rich­ten an euch ver­schlüs­seln, die ihr nur mit eurem gehei­men Schlüs­sel ent­schlüs­seln könnt. Das Signie­ren von Nach­rich­ten ist eine andere Sache, dafür nehmt ihr euren gehei­men Schlüs­sel und der Emp­fän­ger kann mit Hilfe eures öffent­li­chen Schlüs­sels fest­stel­len, ob die Nach­richt wirk­lich von euch stammt.

Damit das Ganze Sinn macht, brau­che ich aber eure Mit­hilfe. Denn ich allein kann meine Nach­rich­ten ledig­lich signie­ren, sie sind dann aber immer noch für jeder­mann les­bar. Erst wenn ihr mit­macht und mir eure öffent­li­chen Schlüs­sel zukom­men lasst, kann ich Nach­rich­ten an euch verschlüsseln.

So geht’s los

Für die meis­ten Email-​​Programme gibt es Zusätze zum Ver­schlüs­seln. Ich per­sön­lich ver­wende Mozilla Thun­der­bird mit dem Enig­mail–Plu­gin. Für Win­dows und damit auch Out­look gibt es mit Gpg4win eben­falls ein kom­for­ta­bles Zusatz­werk­zeug, mit dem ich auf Arbeit bereits gute Erfah­run­gen gesam­melt habe. In der Linux-​​Welt ist GnuPG der Quasi-​​Standard, die meis­ten ande­ren Pro­gramme und Werk­zeuge basie­ren darauf.

Nach der Instal­la­tion könnt ihr euch ein Schlüs­sel­paar anle­gen. Folgt ein­fach den Stan­dard­vor­ga­ben und macht auf jeden Fall eine Siche­rungs­ko­pie eurer bei­den Schlüs­sel! Euer pri­va­ter Schlüs­sel wird zusätz­lich mit einem Pass­wort geschützt. Dann könnt ihr euren öffent­li­chen Schlüs­sel expor­tie­ren und her­um­schi­cken oder ihn auf einen Schlüssel-​​Server laden.

Das Ver­schlüs­seln ist ein wenig gewöh­nungs­be­dürf­tig und ein zusätz­li­cher Schritt. Aber ich denke, dass sich die­ser Auf­wand lohnt.

Walen­stadt­berg (790 m) – Schwal­dis (1434 m) – Lau­begg (1373 m) – Quin­ten (434 m)

Der Höhen­wan­der­weg am Walen­see gehört zu den ein­drück­lichs­ten Wan­der­we­gen in der nähe­ren Umge­bung von Zürich. Mit der Bahn ist man in ein bis zwei Stun­den dort. Wäh­rend der Zürich­see eher flach ist, begrenzt eine steile Flanke den Walen­see. Und an die­ser Steil­wand ent­lang füh­ren Wan­der­wege am See ent­lang, der schönste führt weit über dem See von Amden nach Walenstadt.

blick auf den walensee

Blick über den Walensee

Wir durch­wan­de­ren ihn aber nicht voll­stän­dig, son­dern nah­men bei Lau­begg den Abzweil nach unten in das beschau­li­che Dörf­chen Quin­ten. Nur zu Fuß oder mit dem Schiff gelangt man dort­hin, es ist ein­fach herr­lich ruhig dort. Kurz vor Lau­begg fiel uns eine helle Holz­hütte auf, die erst kürz­lich erbaut wor­den sein musste. Hel­les Fich­ten­holz und ein rotes Spitz­dach auf einem mas­si­ven Stein­fun­da­ment, und das mit­ten auf dem Wan­der­weg, weit weg von jeder Straße. Wie waren die Bau­ma­te­ria­lien hier hoch gekom­men? Wir tipp­ten auf den Hub­schrau­ber, wur­den aber schon wenig spä­ter eines Bes­se­ren belehrt. Etwas wei­ter kam uns ein älte­rer Herr mit Stock ent­ge­gen, der ein lan­ges Plas­tik­rohr trug. Er meinte dann, dass er zusam­men mit Freun­den das gesamte Mate­rial vom Auf­zug her­ge­tra­gen habe. Das war also des Rät­sels Lösung, kein Heli­ko­pter, son­dern reine Mus­kel­kraft, wenn auch unter­stützt von einem Aufzug.

blick auf quinten

Blick zurück vom Schiff auf Quin­ten am Walensee

Den Abstieg nach Quin­ten, immer­hin 900 Höhen­me­ter, nah­men wir dann sport­lich im Jog­ging­s­chritt. Angeb­lich ist das bes­ser für die Gelenke, wenn man die Stöße mit gebeug­tem Bein beim Ren­nen auf­fängt. Dafür merke ich meine Ober­schen­kel­mus­keln jetzt recht deutlich.

Ges­tern lasen wir ein wei­te­res Meis­ter­werk mit ver­teil­ten Rol­len – Onkel Wanja von Anton Tsche­chow. Das Stück ent­stand 1901 und ich finde es extrem fas­zi­nie­rend, wie aktu­ell es heute noch ist. Die Ankunft des Pro­fes­sors mit sei­ner jun­gen hüb­schen Frau auf einem Land­sitz bringt das Leben dort durch­ein­an­der, Kon­flikte bre­chen auf und uner­füllte Sehn­süchte kom­men zum Vorschein.

Der cha­ris­ma­ti­sche, aber des­il­lu­sio­nierte Arzt Astrow ist ein Grü­ner durch und durch, leicht könnte man sich ihn bei einer Anti-​​AKW-​​Demo vorstellen.

Astrow
… Aber wozu die Wäl­der zer­stö­ren? Die rus­si­schen Wäl­der kom­men alle­samt unter die Axt, Mil­li­ar­den von Bäu­men ster­ben, Tiere und Vögel ver­lie­ren ihr Zuhause, Flüsse trock­nen aus, die schöns­ten Land­schaf­ten wer­den ver­nich­tet. Und warum? Weil der Mensch zu faul ist, um sich zu bücken und den Heiz­stoff vom Boden aufzuheben.

Auch die ande­ren Cha­rak­tere sind span­nend. Der splee­nige alte Pro­fes­sor Alex­an­der Sere­brjaków, der ver­drieß­li­che, miss­lau­nige Iwán Petrówitsch Wojníz­kij, die gute Sonja, die lang­wei­lige aber bild­hüb­sche Jeléna Andréje­wna – sie alle sehe ich ver­kör­pert von den Leu­ten ges­tern, mit Leben erfüllt. Sehr gern würde ich die­ses Stück mal auf der Bühne sehen und noch lie­ber würde ich es auf die Bühne brin­gen wollen.