Theater als Wahrheit des Augenblicks

Porträt von William Shakespeare

William Shakespeare (Chandos-Porträt)

Derzeit gedenken viele Theaterenthusiasten des wirkungsmächtigsten Dramatikers aller Zeiten, William Shakespeare.

Spiegel Online geht der Frage nach, Was uns Shakespeares Worte heute noch sagen, mit seinen besten Szenen und einer kurzen Analyse.

Auch die ZEIT darf nicht fehlen im Reigen der Erinnerung, mit Die Nussschalenkönige. Aus diesem Artikel stammt auch das Brooke-Zitat, welches sehr gut die Doppelbödigkeit des Theaters beschreibt, und auch die Herausforderung als Schauspieler, völlig aufzugehen im Augenblick, obwohl man genau weiß, was kommt und dass es Fiktion ist.

Ich glaube, wir leben von den Wahrheiten des Augenblicks. Und das ist dem Theater eingeprägt: die Möglichkeit, im selben Augenblick zu glauben und nicht zu glauben. Echtes Theater verfügt über diese Qualität. Der Schauspieler glaubt absolut an das, was er da auf der Bühne tut – und zugleich glaubt er nicht im Mindesten daran. Glauben und Nichtglauben im selben Moment – darum dreht sich das Theater. Deshalb kann es für Momente ein wahreres Bild des menschlichen Lebens geben als das Leben selbst. Theater versetzt uns in die Lage, die Dinge genauer zu sehen mittels seiner Doppelbelichtung.
Peter Brook

Ade, Cricket-Schläger

Henry und der Cricket-Schläger

Henry und der Cricket-Schläger

Der Cricket-Schläger ist wieder in Winterthur. Er war für mich das wichtigste Requisit der Produktion Das einzig Wahre. Durch die freundliche Kooperation mit dem Winterthurer Cricket-Club konnte ich ihn bereits im letzten Oktober ausleihen. Ich musste nur den weiten Weg nach Winterthur antreten und den Sportplatz am Deutweg finden, wo gerade ein Schweizer Spitzenspiel ausgetragen wurde. Aber durch die geringe Popularität dieser Sportart hielten sich die Zuschauerzahlen in Grenzen und ich konnte den Spielern sehr nahe kommen. Die Leute vom Club waren dann auch sehr hilfsbereit, erklärten mir sogar kurz die komplexen Regeln und versprachen auch, die Werbetrommel für unser Theaterstück zu rühren. Schließlich sind es ja vor allem anglophile Leute, die sich durch Cricket angesprochen fühlen.

Im Stück spielt der Schläger dann auch eine wichtige Rolle. Als Annie und Henry über das Brodie-Stück diskutieren, das Henry miserabel findet, Annie aber als ungeschliffen, aber echt verteidigt, weiß sich Henry nicht anders zu helfen, als zum Cricket-Schläger zu greifen.

HENRY Halt den Mund, und hör mir zu. Dieses Ding hier, das aussieht wie eine hölzerne Keule, besteht in Wahrheit aus mehreren Stücken von ganz besonderem Holz, die auf eine ganz bestimmte Weise so raffiniert zusammengefügt sind, dass das gesamte Ding federt wie ein Tanzboden. Damit schlägt man Cricketbälle. Wenn du es richtig machst, dann fliegt der Cricketball 300 Meter weit in vier Sekunden, und du hast nicht mehr getan, als ihm einen Stoß gegeben, wie wenn man den Verschluss einer Bierflasche wegschnippst und es macht ein Geräusch wie eine Forelle, die den Köder schluckt… (Er schnalzt mit der Zunge, um das Geräusch nachzuahmen.) Was wir versuchen, ist Cricketbälle zu schreiben, damit eine Idee, die uns entspringt und der wir einen kleinen Stoß versetzen… weit, weit fliegen, kann… (Er schnalzt wieder mit der Zunge und nimmt das Skript.) Nun. Was wir hier vor uns haben, ist ein Stück Holz von ungefähr gleicher Form, das versucht, ein Cricketschläger zu sein, und wenn du damit einen Ball schlägst, dann fliegt der Ball ungefähr drei Meter weit und du lässt den Schläger fallen und hüpfst herum und schreist: autsch! (Er zeigt auf den Cricketschläger.) Der da ist nicht besser, weil jemand sagt, dass er besser ist, oder weil der Cricketverband sich verschworen hat, Knüppel nicht zu den Meisterschaften zuzulassen. Er ist besser, weil er besser ist. Du glaubst mir nicht, also schlage ich dir vor, geh hin und spiel Cricket mit diesem Ding, und sieh, was du erreichst. „Sie sind ein merkwürdiger Junge, Billy, wie alt sind Sie?“ „Zwanzig, aber ich habe mehr gelebt, als Sie je leben werden.“ Autsch, autsch!

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Dieser Monolog war auch einer der ersten Texte, die ich gelernt habe. Während der Casting-Phase wollte unser damaliger Regisseur einige Szenen sehen, und nichts bot sich besser an als dieser schöne Monolog, um die Kandidaten für Henry auf ihre Eignung zu testen. Wir haben auch gar nicht viel dran geändert seither, durch das Objekt und die Bewegung damit ist das eine kraftvolle, plastische Szene. Und so ist dieser Monolog auch mit der für mich positiven Besetzungs-Entscheidung verknüpft.

Ich habe den Monolog in gekürzter und veränderter Form sogar nochmal in der Firma verwendet, in unserem Format Was macht eigentlich…?. Auch da kam es gut an, die Leute wirkten sehr gebannt.

Chaplin-Zitat

Nach einem schönen arte-Abend über Charlie Chaplin mit dem großen Diktator und einer Doku über die Anfänge des legendären Schauspielers möchte ich hier noch ein Zitat festhalten.

Leb so, wie du es für richtig hältst
und geh, wohin dein Herz dich führt.
Das Leben ist ein Theaterstück
ohne vorherige Theaterproben.
Darum: Singe, lache, tanze und liebe!
Und lebe jeden einzelnen Augenblick
deines Lebens, bevor der Vorhang fällt
und das Theaterstück ohne Applaus zu Ende geht.

The Grand Budapest Hotel

Ein wunderbarer Film über die Abenteuer des legendären Concierge Gustav H, mit den herrlich schrägen Charakteren, die Wes Anderson in all seinen Filmen liebevoll in Szene setzt. Ganz am Ende folgte noch der Hinweis, dass dieser Film von den Novellen Stefan Zweigs inspiriert sei.

Und das stimmt, zuallererst für die verschachtelte Struktur, ganz ähnlich einer Novelle. Die äußerste Hülle bildet in der Gegenwart der Besuch einer Frau am Denkmal eines Schriftstellers, sie hält das Buch The Grand Budapest Hotel in Händen. Darauf kommt der alte Schriftsteller zu Wort, der als junger Mann während einer Schreibblockade das besagte Hotel besuchte und dort den Besitzer Zéro Moustafa zu einem Abendessen traf. Und dieser erzählt von seiner Zeit als Page und Schützling des besagten Monsieur Gustave H.

Zum Zweiten spielt es auch in der Zeit von Zweig, zwischen den Weltkriegen, als der alte Habsburger Glanz noch spürbar war, aber bereits im Vergehen begriffen. Gustav H ist ein Vertreter einer alten Epoche, er erzieht die anderen Hotelangestellten zum beflissenen Dienst an den Kunden, ihre Wünsche zu erahnen, bevor sie ausgesprochen sind, Heerscharen wuseln in den Hallen, unsichtbar, aber doch stets zur Stelle, wenn man sie braucht. Und auch selbst kümmert er sich liebevoll um ältere blonde Damen, was ihm dann eine Erbschaft, aber auch erheblichen Ärger einbringt.

Und zuletzt ist da natürlich der Anderson-Stil, groteske Bilder und Gestalten, markante Farben und surreale Wendungen. Köstlich.

Weltliteratur to go

Für alle gestressten Zeitgenossen gibt es lustig umgesetzte Zusammenfassungen vieler berühmter Werke. Der Literaturwissenschaftler Michael Sommer stellt seine Videos auf YouTube und auch auf der Seite sommers-weltliteratur.de bereit. Er verwendet Playmobil-Figuren, um die wesentliche Handlung anschaulich darzustellen. Ein ganz besonders schwerer Brocken ist Ulysses von James Joyce. Er schafft es in 18 Minuten. Aber seht selbst…