While I Was Waiting (Theaterspektakel Zürich)

Das Zürcher Theaterspektakel bietet internationalen Truppen eine Bühne. Das diesjährige Eröffnungsstück ist While I Was Waiting von Omar Abusaada und Mohammad Al Attar, die in einem Interview der NZZ einiges zum Stück erklären.

Ein junger Mann liegt im Koma, er wurde zusammengeschlagen in seinem Auto. An seinem Bett versammeln sich die Angehörigen, die Schwester kommt extra aus dem Libanon, wohin sie ausgewandert war. Der Patient erhebt sich schließlich als ein Geist, schließt sich einem anderen Geist auf der erhobenen Plattform an, sie kommentieren das Geschehen, erklären, wie alles begann. Vor dem Bürgerkrieg versammelten sich viele Syrer zu friedlichen Demonstrationen. Doch schon bald eskalierte die Situation, Gewalt und Gegengewalt führten zur heutigen, verfahrenen Situation. Der andere Geist machte verschiedene Stufen der Radikalisierung durch, erst schloss er sich der Freien Syrischen Armee an, später der Nusra-Brigade und schließlich dem IS. Ein männlicher Verwandter übte sich in Desinteresse, die Mutter repräsentierte mit ihrem Kopftuch eine religiöse Antwort. Aber im ständigen Hin und Her verflossen die Grenzen und Klischees.

Es war ein hochspannender Theaterabend, anstrengend durch das Verfolgen des übersetzten Textes auf dem Bildschirm. Was lässt sich mit Theater sagen über das Leben in Damaskus? Die Inszenierung nutzte die Geschichte einer Familie, um die vielen Schicksale zu bündeln und darstellbar zu machen. Was hängen blieb, ist der Appell der Geister, der vielen Verschwundenen, Gefolterten, Toten, die überall dabei sind und sich über die Lebenden amüsieren.

Romeo und Julia (Schlossspiele Falkenstein 2016)

Um unseren Theaterkollegen Thomas auf der Schlossbühne zu bestaunen, nahmen wir sogar die lange Anfahrt nach Niedergösgen in Kauf. Passend zum Ambiente hatte sich die ansässige Theatergruppe für Romeo und Julia entschieden, eines der bekanntesten Theaterstücke.

Dieses Stück hat sehr viele Herausforderungen, an erster Stelle steht sicherlich der Shakespearesche Text in Reimform. Ein solcher Text erfordert ein gutes Sprachgefühl. Um dem engagierten, aber nicht sehr erfahrenen Ensemlbe entgegenzukommen, hatten Adi Blum und Ueli Blum das Original ins Schweizerdeutsche übersetzt, ein heroischer Aufwand, der sich hoffentlich durch viele weitere Aufführungen bezahlt macht. Als Beispiel hier der Prolog.

Original
Two households, both alike in dignity,
In fair Verona, where we lay our scene,
From ancient grudge break to new mutiny,
Where civil blood makes civil hands unclean.
From forth the fatal loins of these two foes
A pair of star-cross’d lovers take their life;
Whose misadventured piteous overthrows
Do with their death bury their parents’ strife.
The fearful passage of their death-mark’d love,
And the continuance of their parents’ rage,
Which, but their children’s end, nought could remove,
Is now the two hours’ traffic of our stage;
The which if you with patient ears attend,
What here shall miss, our toil shall strive to mend.

Übersetzung
Zwei Familie, beid vo glichem Stand,
Bechrieged sich – z Verona spielt die Gschicht –
En alti Fehde seigs i neuem Gwand,
Und Nachbar morded Nachbar, seit de Bricht.
Zwei jungi Mensche, d Chind vo dene Finde,
Hend sich gliebt, sich beid de s Lebe gno.
Und nume wegem Tod vo ihrne Chinde,
Hend de d Eltre vo dem Strit abgla.
Was zu somne Liebesdrama gfüehrt het,
Au wie ihre Tod dä bluetig Reige
Plötzlich us de gwohnte Bahne grüehrt het,
Ja, das wend mir euch im Detail zeige –
Losed! Lueged! Und erfahred nadisna,
Was nonig gseit isch, wil – mir fönd jetz a!

Es ist ein großer Unterschied zwischen dem altehrwürdigen Original und der modernisierten Dialekt-Fassung. Als Sprachpurist bedaure ich den Verlust von vielen schönen Formulierungen und sprachlicher Komplexität im Allgemeinen. Andererseits machte es dem Publikum sichtlich Freude, den Text in “ihrer” Sprache zu hören, mit ganz eigenen Sprachwitzen, derer es sehr viele gibt im Schweizerdeutschen. Dem Ensemble fiel es so auf jeden Fall leichter, sich dem Stück zu nähern, auch wenn einigen die Reimform immer noch ein wenig im Weg stand.

Die zweite große Herausforderung ist der Wechsel von dramatischen, lustigen und nachdenklichen Szenen. Die Inszenierung betonte das Leichte, Komödiantische, wodurch der Abend sicher unterhaltsam war, jedoch fehlte an einigen Stellen die Dramatik, beziehungsweise konnte von den Darstellern nicht immer vollends überzeugend dargestellt werden. Zum Beispiel der Schreck der Amme über Julias vermeintlichen Tod war als Farce inszeniert, entweder bewusst oder mangels schauspielerischer Facetten. Dies zog sich durch, auch bei den schön choreographierten Kämpfen.

Die eigens komponierte Musik war ein Pluspunkt, wo es schauspielerisch fehlte an Dramatik, setzte die Musik um so klarer Akzente. Fabian Capaldi spielte zwei Stücke auch live auf der Bühne.

Die Regie (Käthi Vögeli) ist sehr zu loben, mit schönen Bildern und Arrangements, einem Gefühl für den richtigen Rhythmus und einem guten Umgang mit den Schauspielern. Grandios war der Einsatz des großen blutroten Tuchs in der zweiten Hälfte, welches das Unheil ankündigte, und zur Todesstatt wurde. Aber allein das Führen eines so großen und jugendlich-energiegeladenen Ensembles verdient allergrößten Respekt.

Noch gibt es einige Termine bis zum 3. September, ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle.

Piz Nair

An unserem letzten Tag im Engadin nutzten wir nochmal den Engadin-Pass voll aus und begaben uns per Seilbahn auf den Piz Nair bei St. Moritz. Auf ca. 3000 m ist es schon recht frisch, dafür bot sich uns eine schöne Aussicht, ganz in der Ferne ahnten wir sogar das Matterhorn.