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Wie­der sitze ich am Abflug-​​Gate, bei­nahe hätte ich Tor geschrie­ben, um den eng­li­schen Begriff zu ver­mei­den. Es war ein Tag vol­ler Auf­ga­ben, das übli­che wöchent­li­che Geran­gel vor dem Release, dem Los­las­sen unse­rer Ände­run­gen für die Comparis-​​Seite auf die Nut­zer. Aber meine Sachen funk­tio­nie­ren, also kann ich los­las­sen und mich auf ein ver­län­ger­tes Wochen­ende in Deutsch­land freuen.

Fal­ken­see, Bran­den­burg und Dres­den sind meine Sta­tio­nen, die Sonne scheint drau­ßen und ich sehe das weiße Kreuz auf rotem Grund, ange­bracht auf einer Swiss-​​Maschine.

Ich fühle mich wohl, eini­ger­ma­ßen ent­spannt nach einer etwas kur­zen, aber den­noch pro­duk­ti­ven Thea­ter­probe ges­tern. Die eine Szene stellte sich mal wie­der stör­risch, es gibt schon noch Arbeit bis zur Pre­miere am 23. Mai. Aber viele andere Sze­nen sit­zen schon gut und brin­gen unvor­ein­ge­nom­mene Zuschauer zum Lachen. Was fehlt noch alles? Vor allem Reser­va­tio­nen für den Diens­tag, 27. Mai, für die Pre­miere haben wir schon an die 40.

Es geht los, die ers­ten Pas­sa­giere stel­len sich am Aus­gang an.

Filmdreh in Andiast

Für das Pro­jekt Fän­ger ver­brachte ich ein knap­pes Wochen­ende im Bünd­ner­land, im beschau­li­chen Andi­ast. Das Haus der Regis­seu­rin war unsere Basis, es ist das letzte auf der immer schma­ler wer­den­den Straße, dahin­ter beginnt ein Wan­der­weg. Ein gepfleg­tes, wei­ßes Haus mit meh­re­ren Woh­nun­gen der Spe­schas. Ein blaues Wap­pen mit Fischen ver­ziert die weiße Süd­wand. Wir dreh­ten die Ver­fol­gungs­jagd, zahl­rei­che Jäger ver­folg­ten uns arme Wer­wölfe, sie waren schwer bewaff­net mit Schwer­tern und Äxten, wir hat­ten keine Waf­fen außer unse­ren Zäh­nen und gefärb­ten Kon­takt­lin­sen. Meine Tätig­keit als Schau­spie­ler bestand im Wesent­li­chen aus Ren­nen und böse Schauen. Es muss ja klar sein, wer gut und wer böse ist.

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Ich durfte manch­mal sogar die Klappe hal­ten und die Ansage machen, wel­che Szene gerade dran ist.

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Kurze Zeit spä­ter beginnt die wilde Verfolgungsjagd.

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Jakob (Jäger) bei einem gefähr­li­chen Stunt.

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Unser Kame­ra­mann, dahin­ter die Regis­seu­rin, der Ton­tech­ni­ker und eine Schauspielerin.

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Sabrina ver­letzte sich, als sie mich ver­folgte, das kommt davon.

Wahre Geschichten

Heute fand zum ers­ten Mal ein Abend des For­mats Wahre Geschich­ten statt, in der Via­dukt­strasse 93. Die Idee ist, dass Leute selbst erlebte, wahre Geschich­ten erzäh­len, mit mini­ma­len Hilfs­mit­teln. Im Wesent­li­chen ein Mikro­fon und ein Publikum.

Es waren sehr unter­schied­li­che Geschich­ten, ein Ame­ri­ka­ner, frisch in Mainz ange­kom­men und in einem thai­län­di­schen Restau­rant, eine Frau, an deren Tür plötz­lich Gäste auf­tau­chen, in der Erwar­tung, es sei ein Restau­rant, die Thur­gauer Kind­heits­er­in­ne­run­gen einer Frau mit viet­na­me­si­scher Mut­ter und schließ­lich die Ski­fe­rien in Afgha­nis­tan mit nächt­li­chen Foto­aus­flug zu den weg­ge­spreng­ten Buddha-​​Statuen. Die lus­ti­gen Geschich­ten kamen sicher am bes­ten an, und da jeder Erzäh­ler auch nur so an die zehn Minu­ten sprach, ergab sich eine Gesamt­dauer von unter einer Stunde. Es herrschte eine tolle Stim­mung im aus­ver­kauf­ten Raum!

Beim nächs­ten Abend am 11. Mai werde ich als Erzäh­ler dabei sein. Ich über­lege noch, was genau ich erzähle. Die Mess­latte ist sicher hoch nach dem heu­ti­gen Abend.

Neuer PGP-​​Schlüssel

Es ist an der Zeit, mei­nen alten PGP-​​Schlüssel zu erset­zen, der mit einer Länge von 1024 Bit nicht mehr als sicher gel­ten kann. Der neue ist vom Typ RSA und hat eine Länge von 4096, damit sollte ich bis ins Jahr 2020 sicher sein.

Wer also wirk­lich etwas tun will gegen das all­täg­li­che Aus­spio­nie­ren, ist herz­lich ein­ge­la­den, eben­falls PGP zu nut­zen. Impor­tiert ein­fach mei­nen öffent­li­chen Schlüs­sel, dann könnt ihr Nach­rich­ten an mich verschlüsseln.

Windows-​​Nutzer instal­lie­ren am ein­fachs­ten GPG4Win, für Linux gibt es das Paket GnuPG.

Urs Widmer

Urs Wid­mer, einer der bekann­tes­ten Schwei­zer Auto­ren, starb heute im Alter von 75 Jah­ren in Zürich (siehe NZZ-​​Artikel).

Ich erin­nere mich vor allem an sein Thea­ter­stück Top Dogs, in wel­chem ich 2010 als Schau­spie­ler mit­wirkte. Für mich war es die erste Pro­duk­tion in Zürich in einer ande­ren Thea­ter­gruppe nach vier Pro­duk­tio­nen mit dem aki­tiv. Ein aktu­el­les Stück war das, es ging um gefeu­erte Mana­ger in einem Bewerbungs-​​Seminar, ein Novum damals zur Wirt­schafts­krise. Er ent­wi­ckelte es am Thea­ter Neu­markt, die Rol­len beka­men die Namen der Schau­spie­ler. Und ich war dann Neu­en­schan­der, der ehe­ma­lige Ten­nis­leh­rer und Porsche-​​Fahrer. Eine schöne Rolle aus der Feder von Urs Widmer.

NEUENSCHWANDER Ich war zustän­dig für die Frei­zeit­kul­tur des Kon­zerns. Groß­bank. Fit­ness, Schwimm­bad, Sauna. Hab die ganze Orga­ni­sa­tion unter mir gehabt, Pla­nung, Jah­res­bud­get, Unter­halt. Ten­nis. Komme vom Ten­nis, war ein­mal ATP 314. Ich war immer schon ein winner-​​Typ. Hab ein­mal gegen den jun­gen Con­nors gespielt, gut, die ers­ten bei­den Sätze gin­gen zu Null ver­schütt, aber den drit­ten hab ich sechs zu eins ver­lo­ren. – Habe dann auch im Betrieb die Ten­nis­stun­den gege­ben. Waren sehr gut besucht, waren fast ein must ab einer bestimm­ten Manage­ments­ebene. Ich hatte an jedem Tag so meine vier bis fünf Lek­tio­nen. Schwer zu sagen, wann das anfing. Die Her­ren kamen jeden­falls immer unre­gel­mä­ßi­ger. Und wenn sie da waren, spiel­ten sie immer aggres­si­ver. Bälle vol­les Rohr mit­ten in mein Gesicht. Hass­aus­brü­che, wenn ein Netz­rol­ler in ihr eige­nes Feld zurück­ge­fal­len war. Schlä­ger so weg­schleu­dern, dass ich mich gerade noch bücken konnte. Da musst du ganz cool blei­ben, ganz, ganz cool. Dann fan­gen die sich wie­der. – Und dann kam über­haupt kei­ner mehr. Die saßen jetzt bis tief in die Nacht in der Firma. Arbei­te­ten sich die Lunge aus dem Hals. Da war kein Platz mehr für Ten­nis. Und Lust auch nicht. – Ich wurde in die Zen­trale geru­fen, und man teilte mir mit, dass meine Posi­tion ersatz­los gestri­chen wor­den sei. – Ich hatte mir an genau dem Tag einen Por­sche 911 gekauft. Schwarz. Rote Pols­ter. Tol­ler
Wagen. Ja, wirk­lich, tol­ler Wagen. Mag ihn sehr. Ich lebe ja jetzt allein. Hatte einen Golf, als meine Frau noch da war, den GTI. Den mit den High-​​speed-​​competition-​​Reifen. Den nahm dann sie. Obwohl sie nie schnel­ler als hun­dert fährt. Kein Ver­gleich, der GTI und der 911er. Zwei Wel­ten. Wenn du ein­mal einen 911er voll auf Tou­ren gebracht hast, nachts, nur du und der 911er, ehr­lich, den GTI möcht ich nie mehr zurück.

NEUENSCHWANDER Ich will zu dem, was ich vor­her gesagt habe, nur noch anfü­gen, wegen dem Por­sche. Ist ein 911er. Meine Frau ist ja mit dem Golf weg. Dem GTI. Ich mochte den eigent­lich. Hatte so was Herz­li­ches. – Jetzt lebe ich eben allein. – Der Por­sche steht also da in der Garage, fabrik­neu. Sechs­und­fünf­zig Kilo­me­ter, gerade die Über­füh­rung. Ja, und ich setze mich jeden Mor­gen hin­ein, stelle den Motor an, lass ihn auf­heu­len, rich­tig kom­men, sin­gen, bis tief in den roten Bereich. Eine Vier­tel­stunde lang, eine halbe. Fahre nie weg. Fuhr kein ein­zi­ges Mal weg. Ich bin mit dem Por­sche kei­nen Meter gefah­ren seit … Nicht einen. Nur in der Garage.